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Herbert Neidhöfer, homme de lettres
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Apropos beeindruckende Frauen: während unserer Arbeit an diesem Kapitel erfuhren wir am Mittwoch, dem 4. Februar 2026, daß am Freitag, dem 30. Januar 2026, in der Stadt der Engel im Alter von 82 Jahren Christa Lang, verheiratete Fuller, verstorben war, man erinnere sich: die Séductrice in Alphaville (1964, siehe oben S. 322ff.) und die Paula in Chabrols Le scandale (1967; siehe oben die dreizehnte Nachlese auf S. 1529) und die fatale Christa in Tote Tauben in der Beethovenstraße (1972, siehe vom Verf. Telos, a. a. O., S. 65ff.). Wir möchten Christa Lang hier mit einem Filmstill aus Alphaville gedenken, der sie mit Akim Tamiroff zeigte und den wir ursprünglich auf S. 67 in Telos hatten wiedergeben wollen (siehe ebd., S. 378) …
(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, XVI [Der dritte Besuch der Frau (II): In der Hauptstadt der autonomen Region] Vom 22. bis zum 27. April 2014).
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Cada vez iré sintiendo menos y recordando más …«
Der auf drei Tage angelegte Transfer von der Hauptstadt in das zweite Exil des Hans Köberlin in das Land des Ritters von der traurigen Gestalt und in das Land des genialen Luis Buñuel und an jene Küste (allerdings etwas weiter südlich, also nicht an die wilde sondern an die weiße), an welcher auch der nicht minder geniale Roberto Bolaño sein Exil verbracht, startete –
»¡Ándale, ándale!«
– also am frühen Morgen des 2. Oktober 2013, einem Mittwoch, (da war Hans Köberlin genau 53½ Jahre alt), und er, der Transfer, startete vor dem Haus, in dem die Frau lebte, vor der lokalen Filiale der städtischen Bibliothek im Bezirk des Hauptmanns, der Parkplatz mußte, so ordnete es ein Schild an, bis zehn Uhr für die Automobile von Personen, die in ihrer physischen Mobilität eingeschränkt waren, geräumt sein …
»¿Está lleno el depósito de gasolina del coche?«
… startete also, nachdem man am Abend zuvor mit Hilfe des Busenfreundes und des Verlegers jenen Teil von Hans Köberlins verbliebener Habe, welchen er mitnehmen wollte (den Rest hatte er auf dem Gutshof des Verlegers südwestlich der Hauptstadt abstellen können), als da waren …
… man startete also, nachdem man dies alles aus seiner zweiten provisorischen Bleibe seit Beginn der Diotimakatastrophe in das Auto der Frau verladen hatte.
»¡Ándale, ándale!«
(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Erster Teil. Vom 2. Oktober 2013 bis zum 19. Dezember 2013, II [Exodus] Vom 2. bis zum 4. Oktober 2013, S. 103ff.).
Dann kam auch die Frau, sie schlüpfte nackt aus dem Schlaf- in das Badezimmer, kam aber kurz darauf in die Küche, wo Hans Köberlin zugange, und fragte ihn mit gespieltem Entsetzen, was er denn da für eine »Altmännerseife« gekauft habe, die rieche ja schrecklich. Es handelte sich um ein Stück Seife der Marke ›Speik Original‹ … Hans Köberlin hätte sich eigentlich denken können, daß es sich um eine »Altmännerseife« handelte, denn sie hatte im Idiom seiner Herkunft und in the international spoken language beschriftet im Sortiment des ›Consum‹ gestanden und war wohl hauptsächlich – es stand auch ›Jabón‹ und ›Savon‹ auf der Packung – für die männlichen Pensionistas von nördlich der Alpen gedacht. Sein, Hans Köberlins, Vater hatte das Rasierwasser dieser Marke benutzt, allerdings bereits da benutzt, als er noch jünger gewesen als Köberlin jetzt und ergo noch kein alter Mann gewesen war, vielleicht hatte der Name ihn auch an David Lynchs Dune (1984) erinnert. Als Hans Köberlin die Seife gestern frisch ausgepackt und in bester proustscher Absicht in das Badezimmer gelegt und anschließend die Pappschachtel wegwerfen gewollt, hatte er gesehen, daß sie innen betextet war. »Dem Speick auf der Spur« versprach die Überschrift – das klang nach Dune – und Hans Köberlin hatte weitergelesen …
In der Botanik kennt man ihn als Valeriana celtica. »Valere« ist lateinisch und bedeutet »gesund erhalten«, während »celtica« für die keltische Herkunft, heute die alpinen Kärntner Nockberge, steht. Bereits seit Jahrtausenden gewinnt man das wertvolle Speick-Öl durch sanfte Extraktion aus der ganzen Pflanze. Im Ägypten des Jahres 500 v. Chr. aromatisierte man die Bäder mit Speick und pflegte sich anschließend mit dem kostbaren Öl …
»Also hatte vielleicht auch Kleopatra, wenn sie nicht gerade Stutenmilch oder das Blut von Jungfrauen genommen, in speikgewürztem Wasser gebadet und sich anschließend mit Speik-Öl für ihren Caesar und nach den Iden des März für ihren Marcus Antonius gepflegt …
… die nackte Elizabeth Taylor als Kleopatra in ihrem Bade …
(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, XV [Der dritte Besuch der Frau und andere Besuche] Vom 11. bis zum 21. April 2014).
… blätterte er zurück und las nochmals die Beschreibung des Etiketts der von Vater Krull produzierten und vertriebenen Sektflaschen, auf dem »eine nur mit Spangen und Halsketten bekleidete Frauengestalt zu sehen war, welche, mit übergeschlagenem Beine auf der Spitze eines Felsens sitzend, erhobenen Armes einen Kamm durch ihr wallendes Haar führte.« Hans Köberlin imaginierte … »erhobenen Armes … nur mit Spangen und Halsketten bekleidet« …*
* »Ein paar locker gesponnene Spinnweben dienten als Büstenhalter, oder auch eine Natter, die sich um ihren Busen wand, während ein paar Perlen, die an ihrer Hüfte befestigt waren, aussahen wie das erotische Beiwerk eines Satyrs. In ihren historischen Vamp-Rollen trug sie schweren Schmuck und metallische Ketten auf der nackten Haut, was einen gewissen Unterton der Perversität erzielte.« (Alexander Walker; zit. nach. Seeßlen, Die Ästhetik des erotischen Films, a. a. O., S. 11; entweder aus The Celluloid Sacrifice. Aspects of Sex in the Movies, New York 1967, oder aus Sex in the Movies, Baltimore 1968). Die Rede war hier von Theda Bara, dem »ersten menschlichen ›Gesamtkunstwerk‹, das der Film hervorbrachte« (Seeßlen, ebd.). Auch sie hatte die Kleopatra v e r k ö r p e r t , wie ein Still aus J. Gordon Edwardsʼ Film von 1917, das wir Hans Köberlins Fundus entnommen haben, eindrucksvoll belegte. Román Gubern hatte in seiner Historia del cine (Barcelona 1969, edición revisada y actualizada de 2014) zu Theda Bara im Kontext des Typ ›Vamp‹ geschrieben: »El perfil psicológico de estas mujeres no es nítido. Como escribe Edgar Morin ›la vamp, surgida de las mitologías nórdicas, y la gran prostituta, surgida de las mitologías mediterráneas, tan pronto se distinguen como se confunden en el seno del gran arquetipo de la mujer fatal.‹ Lo que sí es definible es cada una de las individualidades de esta gran familia arqueólogos del cine erótica. Los americano aseguran que su primera vamp fue Alice Hollister, que en 1913 interpretó el papel de María Magdalena y dos cintas de expresivos títulos: The Vampire y The Destroyer, ambas sobre el egoísmo y la crueldad de una mujer dispuesta a todo para sostener su vida lujosa y parásita. Pero ni la Hollister ni la actriz danesa Betty Nansen, que William Fox importó en 1914, consiguieron la rotunda e indiscutible celebridad de Theda Bara. Nacida en 1890 en Cincinnati (Ohio) y de ascendencia judeoinglesa, Theda Bara fue un producto creado por el departamento publicitario de la Fox. Su verdadero nombre era Theodosia Goodman, pero la Fox hizo circular la fabulosa versión de que la joven actriz había nacido en el Sahara, fruto de los amores prohibidos de un oficial francés y de una muchacha árabe, que murió al darla a luz. Su nombre ‒ cuya sonoridad era por cierto vagamente nórdica ‒ era un anagrama de las palabras ›muerte árabe‹ (arab death, en inglés). Al público le encantó aquella leyenda y se la creyó. Para redondear el mito la Fox creó un eslogan sugestivo con que arropar a su estrella: ›La mujer más perversa del mundo‹ (the wickedest woman in the world). Con este fascinante aparato publicitario entró Theda Bara en el cine para encarnar los personajes de Carmen, Madame Du Barry, Cleopatra, Safo, Salomé, Margarita Gautier y otros que testimonian la escasa imaginación de los productores de todos los tiempos. Theda Bara levantó, desde la pantalla y en su vida privada, turbulentas pasiones y atizó la ira de todas las organizaciones puritanas y bienpensantes del país, que además alegaban que miss Theda Bara practicaba el espiritismo y las ciencias ocultas. Con Theda Bara se incorpora un elemento clave en el mosaico de la mitología sexual. Siguiendo sus pasos vendrán luego Nita Naldi, Barbara LaMarr, Greta Nissen, Mae West, Evelyn Brent, Margaret Livingstone, Betty Blythe, Lya de Putti, Carmel Myers, Alma Rubens, Pola Negri, Olga Baclanova … Todo un desfile de provocativas bellezas, que exhibirán generosamente su epidermis, en perpetuo duelo con todas las censuras del mundo, y añadirán capítulos gloriosos a la antología osculatoria de la pantalla.« ‒ Am Montag, dem 21. Juli 2025, sollten die Frau und Hans Köberlin als Tagesausflug den Schauplatz von Hitchcocks To Catch a Thief (1955)** besuchen. Dabei erstand Hans Köberlin auf einem marché aux puces eine reich bebilderte zweibändige italienische Ausgabe von Guberns Historia del cine, Storia del Cinema, traduzione dallo spagnuolo da Umberto Serra, Napoli 1972, in der in Bd. 1 auf S. 151 Theda Bara als Kleopatra abgebildet war, im gleichen Kostüm ‒ oder besser: Schmuck ‒ wie auf der Abbildung aus Hans Köberlins Fundus. Wir geben diese hier wieder.
Seeßlen hatte ihr in seiner Ästhetik des erotischen Films (a. a. O., S. 7ff.) den zweiten Abschnitt seines ersten Kapitels, Der Stummfilm, gewidmet: Die Geburt des Stars: Theda Bara. Und auch er hatte die von Fox kolportierte Geschichte, noch etwas ausgeschmückt, wiedergegeben: »Die filmgeschichtliche Legende will, daß er [der Künstlername ›Theda Bara‹] ein Anagramm von arab death darstellt, doch ist er vermutlich eine Umformung ihres Vornamens Theodosia und eine Verkürzung des Familiennamens ihrer Mutter, Baranger. Was die Publicity-Abteilung von Fox an den Geschichten und Mythen um ihre Erscheinung rankte, war ganz auf die Charakterisierung als ›schöne Fremde‹ abgestimmt, die mit dem Typus femme fatale korrespondierte. Nach dieser Legende war sie die Tochter eines arabischen Scheichs und einer Prinzessin, die mit dem Blut von Schlangen genährt worden war und von nomadischen Wüstenstämmen entführt wurde. Sie habe, so hieß es, die Gabe der Prophetie, und die unersättliche erotische Gier, die ihre Rollen auszeichne, sei auch Wesensmerkmal der Schauspielerin selbst. Zu Beginn ihrer Karriere bestand Fox außerdem darauf, daß Theda Bara vorgeben mußte, nicht Englisch zu sprechen.« (ebd., S. 10f.).
** Am Sonntag, dem 14. Februar 2010, hatte Hans Köberlin, damals noch im Wahn oder zumindest in der Illusion, dazu geschrieben: »Hitchcock bezeichnete den Film gegenüber Truffaut als ›eine leichte Geschichte‹ [Truffaut / Hitchcock, a. a. O., S. 188]. Das war es auch, und ich hatte sie etwas flotter in Erinnerung. Grace Kelly kam wirklich recht gut ins Bild. Zu ihr sagte Hitchcock: ›Weshalb ich immer wieder auf die mondän reservierten blonden Schauspielerinnen zurückkomme? Ich brauche Damen, wirkliche Damen, die dann im Schlafzimmer zu Nutten werden.‹« [ebd.].
(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, XV [Der dritte Besuch der Frau und andere Besuche] Vom 11. bis zum 21. April 2014).
»Heb mal den Arm … ja, so ist gut … noch ein wenig zu mir drehen, damit die Brüste besser … ja: so ist es perfekt: Vallottons femme nue avec un bras relevé!«
»Alles weg!« – Er meinte jetzt die Negative und die Abzüge, leider, wir zeigen dafür rechts Vallottons Vorbild aus dem Jahre 1911 … und er meinte jetzt: die Zeit …
(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, XIV [Sechste Phase ‒ oder: Gift und Geschlechtsverzweiflung] Vom 13. März bis zum 10. April 2014, S. 1866f.).
Kurz darauf erreichten sie den höchsten Punkt ihrer Wanderung, auf dem pittoresk die Ruine eines Gehöfts stand, Hans Köberlin vermutete aus dem vorletzten Jahrhundert, mit teilweise noch intakten Schuppen, die mit massiven Eisentoren und Vorhängeschlössern verschlossen waren. Und überrascht blickte Hans Köberlin nach Südosten in die Weite und sah wieder das Meer und daraus aufragend den Peñón de Ifach, den massigen Felsen, der dem Ort seines Exils den Namen gegeben, ein Bezugspunkt in dieser hügeligen Landschaft und in seinem Leben, sein Zuhause!
(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, XIV [Sechste Phase ‒ oder: Gift und Geschlechtsverzweiflung] Vom 13. März bis zum 10. April 2014, S. 1840).
Unser Hans Köberlin sollte am Donnerstag, dem 6. Juni 2024, in Totós Stadt eine der Maddalenen von Tizian betrachten, allerdings nur jene um 1567 entstandene und nicht die reizvollere mit dem enthüllten Busen von 1533, diesmal wieder mit Buch aber ohne Schädel und nicht in der Wüste liegend ‒ wir fügen die von der Frau dokumentierte Rezeptionssituation gleichfalls auf der nächsten Seite ein. Und jetzt wirklich abschließend möchten wir noch eine sogenannte Bauernregel zum Namenstag der Magdalena, der auf den 22. Juli fiel, wiedergeben …
An Magdalena regnets gern,
weil sie weinte um den Herrn.
(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, XIV [Sechste Phase ‒ oder: Gift und Geschlechtsverzweiflung] Vom 13. März bis zum 10. April 2014, S. 1747, Fußnote 4469).