Die Sagen, die der Erde sich entfernen,
Vom Geiste, der gewesen ist und wiederkehret,
Sie kehren zu der Menschheit sich, und vieles lernen
Wir aus der Zeit, die eilends sich verzehret.
Die Bilder der Vergangenheit sind nicht verlassen
Von der Natur,* als wie die Tag’ verblassen
Im hohen Sommer, kehrt der Herbst zur Erde nieder,
Der Geist der Schauer findet sich am Himmel wieder.
In kurzer Zeit hat vieles sich geendet,
Der Landmann, der am Pfluge sich gezeiget,
Er siehet, wie das Jahr sich frohem Ende neiget,
In solchen Bildern ist des Menschen Tag vollendet.
Der Erde Rund mit Felsen ausgezieret
Ist wie die Wolke nicht, die abends sich verlieret,
Es zeiget sich mit einem goldnen Tage,
Und die Vollkommenheit ist ohne Klage.
* Können sich hier die Bilder deshalb behaupten, weil sie solche der Vergangenheit sind? Die Vergangenheit ist in den Turmgedichten Hölderlins positiv besetzt, wie auch der Grundton der meisten Gedichte jener Zeit optimistisch klingt. – Man sollte einmal den Verwendung des Begriffes ›Bild‹ in Hölderlins späten Gedichten systematisch untersuchen, allein die beiden Schlußverse des zweiten Gedichts …
Der ganze Sinn des hellen Bildes lebet
Als wie ein Bild, das goldne Pracht umschwebet
Die Jahreszeiten oder auch die ganzen Jahre werden häufig in der Metaphorik eines Tagesablaufs beschrieben …
Er siehet, wie das Jahr sich frohem Ende neiget,
In solchen Bildern ist des Menschen Tag vollendet.
… überhaupt glaubte Clemens [Limbularius] aus diesen Gedichten eine Anthropomorphisierung des Kosmos herauszuhören.
Robert Walser hatte das Schicksal Hölderlins auf die drei Punkte gebracht, die seiner eigenen Vita entsprechen sollten: »Hölderlin hatte angefangen, Gedichte zu schreiben, doch die leidige Armut zwang ihn, als Erzieher in ein Haus nach Frankfurt am Main zu gehen, damit er sein Brot verdiene.« An diesem Punkt bereits hatte er den Ausbruch der Krankheit gesehen: »Da, da zerbrach er, und er war von da an ein armer beklagenswerter Kranker […] Hier begann denn auch schon die klägliche Geisteszerrüttung, jenes langsame, weiche, entsetzliche Zerschellen aller Klarheit.« Dann: »Trübe, plump und dunkel wurde ihm die Welt, und um sich wenigstens an Tändelei und Täuschung zu berauschen, grenzenlose Trauer um verlorne Freiheit zu vergessen […] fiel es ihm ein, sich in die gnädige Frau zu verlieben. Dies zerstreute ihn, kam ihm gelegen, tat dem vernichteten, erwürgten, erstickten Herzen auf Minuten wohl.« Die »gnädige Frau« aber erklärte ihm die Unmöglichkeit dieser Liebe und verkündete ihm Robert Walsers Credo: »Doch deine kühnen Einbildungen töten dich, und der Traum, den du dir vom Leben machst, raubt dir das Leben. Könnte: Auf-Größe-Verzichten nicht auch Größe sein? Schmerzlich ist ja alles.« Und schließlich: »Hölderlin ging dann aus dem Hause fort, trieb eine Zeitlang noch in der Welt umher und fiel darauf in unheilbare Umnachtung.« (Hölderlin; in: Sämtliche Werke in Einzelausgaben, hrsg. von Jochen Greven, Zürich 1985ff., 6. Band: Poetenleben, S. 116ff.). – Wir freilich würden den Grund für die Zerrüttung – »He is romantic.« – in der unmöglichen Liebe zur »gnädigen Frau« (Diotima) sehen wollen – »Bei gleicher Qualifikation Frauen zuerst«, wie P. zu sagen pflegte –, und nicht in dem Verlust einer Freiheit durch Armut und der daraus resultierenden Knute der Fron in bürgerlichen Verhältnissen.













































