Dienstag, 30. November 2021

1965-12-22 Chicago 2nd Set [Donnerstag, der 6. Februar 2014]

Zu dem Frühstück, zu dem sie sich wegen der eben genannten Disposition garnicht erst richtig anzogen, hörten sie das zweite Set jenes Konzerts, das Miles Davis am 22. Dezember 1965 in der für ihre Schlachthöfe berüchtigten Stadt gegeben hatte. Diese Sets und die vier des Folgetags waren von einer gewissen Lakonie geprägt. Es begann diesmal ruhig mit My Funny Valentine, dann kam Four, das Hans Köberlin, wie bereits angedeutet, nur in zwei Live-Fassungen kannte, When I Fall In Love schlich sich irgendwie an dem Bewußtsein des abgelenkten Hans Köberlin vorbei, bei Wayne Shorters Saxophonspiel von Agitation horchte er dann wieder auf, gerade rechtzeitig zu Herbie Hancocks Solo, schließlich folgten noch ’Round about Midnight und Milestones.

(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, XI [Erstes Intermezzo – oder: Zäsur] Vom 31. Januar bis zum 9. Februar 20, S. 1143f.).

1965-12-22 Chicago 1st Set [Donnerstags, der 16. Januar 2014]

Mit diesem eher banalen Eintrag in sein Arbeitsjournal eröffnete Hans Köberlin sein Lesen und Schreiben im leeren Wintergarten, nachdem er zuvor dort zum Frühstück das erste Set jenes Konzerts gehört hatte, das Miles Davis am 22. Dezember 1965 in der für ihre Schlachthöfe berüchtigten Stadt gegeben hatte. Jetzt war Wayne Shorter, den ihm damals bei seinem Weggang John Coltrane empfohlen, in seinem Quartett. Es lag noch nicht in der Luft, was in den nächsten Jahren kommen würde, das Set war noch in dem damals üblichen Rahmen, man spielte If I Where A Bell, Stella By Starlight, Walkin’, I Fall In Love Too Easily und über zehn Minuten The Theme, wobei Hans Köberlin nicht heraushören konnte, ob ein und wenn ja welches Stück außer dem Thema dahintersteckte, alle Stücke bis auf Herbie Hancocks Solo in Stella By Starlight und I Fall In Love Too Easily waren eher in einem schnelleren Tempo. Das zweite Set dieses Tages würde es dann in der nächsten Runde geben.

(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, X [Vierte Phase – oder: modus vivendi] Vom 7. bis zum 30. Januar 2014, S. 979).

1964-09-25 Berlin [Mittwoch, der 5. Februar 2014]

… dann frühstückte man zu dem Konzert, das Miles Davis am 25. September 1964 hier in der Hauptstadt gegeben hatte. Das war der erste Auftritt Wayne Shorters in Hans Köberlins Miles-Davis-Sammlung, und dieses Quintett mit Herbie Hancock, Ron Carter und Tony Williams sollte bis zum Beginn der elektrischen Phase so fortbestehen. Wie üblich in der Zeit gab es einen Wechsel von schnell und langsam gespielten Stücken, und das Programm bestand aus Milestones, Autumn Leaves, wieder ganz anders interpretiert als zusammen mit Cannonball Adderly und noch weiter weg davon als im Vorjahr in Antibes*, So What, das Hans Köberlin lieber als langsames Stück gehört hätte, wie immer schön Stella by Starlight und Walkinʼ. […] Wie ihn die Stücke der elektrischen Phase stets konkret affizierten, war es bei den vorherigen Stilen – ›Bebop‹, ›Cool‹, ›Hard Bop‹ et cetera – eher ein allgemeines Goutieren, bei dem je nach aktueller Laune dieses oder jenes als besonders gelungen auffiel … »Petit pan de mur jaune …«** Bei ›Fusion‹ war er persönlich stehengeblieben und also auch nicht auf der Höhe der Zeit, aber dazu bekannte er sich … »There have to be dinosaurs or the little kids won’t have nothing to look at in the museum, right?«*** … er nahm dennoch manches danach Gekommene mit Wohlgefallen wahr – etwa den ›Dark Jazz‹ der gestern erworbenen Piano Nights und viele Einspielungen auf Manfred Eichers ECM-Label –, aber man mußte ja nicht alles mitmachen.

* … und zu einer weiteren Interpretation in der Stadt, die niemals schlief; wir werden unten noch auf eine frühere und eine spätere Interpretation Miles Davisʼ zu sprechen kommen. Hans Köberlin kannte Joseph Kosmas Prévert-Vertonung – außer, wie gesagt, der, nicht zuletzt wegen des Auftakts kanonisch gewordenen und auch mit Miles Davis, von Cannonball Adderly – noch von einem Konzert, das John Coltrane am 28. November 1962 in Graz gegeben hatte, dann natürlich aus Kosmas Soundtrack zu Marcel Carnés Les Portes de la nuit (1946), dort gesungen von Yves Montant, und als Medley zusammen mit For Sentimental Reasons und Tenderly gesungen von Natalie Cole.
** Marcel Proust, La Prisonnière, Paris 1923, Chapitre premier: Vie en commun avec Albertine.
*** Thomas Pynchon, Bleeding Edge, New York 2013, S. 156.

(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, XI [Erstes Intermezzo – oder: Zäsur] Vom 31. Januar bis zum 9. Februar 20, S. 1130f.).

1964-07-14 東京市 [Montag, der 27. Januar 2014]

Über dieser Lektüre hatten sich die Wolken weitgehend verzogen und Hans Köberlin absolvierte seinen Dauerlauf und war danach sehr froh, daß es doch noch dazu gekommen war. Anschließend frühstückte er im leeren Wintergarten, denn der Himmel war jetzt zwar wolkenlos blau, aber der Sturm hatte bloß unwesentlich nachgelassen. Dazu hörte er jenes Konzert, das Miles Davis am 14. Juli 1964 in der Hauptstadt des Landes der aufgehenden Sonne gegeben hatte. Das Programm lief zunächst wieder nach der schnell-langsam-Alternation ab, bei der auf If I Where a Bell eine wunderbar dramatische Interpretation von My Funny Valentine folgte, Miles Davis spielte ab hier ohne Dämpfer, dann blieb es aber die nächsten beiden Stücke – So What und Walkin’ – schnell. Das Konzert endete mit dem langsamen All of You, wieder mit Dämpfer gespielt, Hans Köberlin hatte das Gefühl, daß hier ein Übergang in eine neue Phase zu hören war, bei dem man aber noch ziemlich dem eigentlich Überholten anhing.*

* Hätte Hans Köberlin das Buch von Ian Carr zur Hand gehabt, hätte er seine Vermutung dort von kompetenter Seite bestätigt gefunden: »Es war mittlerweile [1964] klar, daß die frische Vitalität des Trompeters und seiner Band und die neue Behandlung alten Materials die Lösung des eigentlichen Problems leidlich hinausschob: es mußten neue musikalische Konzepte entwickelt werden, die die Identität dieser jungen Band, die sich von Miles’ früheren Bands total unterschied, zum Ausdruck bringen konnten […] die schnelleren Stücke [wurden] fast durchweg zu hektisch gespielt und wirken etwas hingehauen, während die langsamen und mittleren Nummern mit vorher noch nie erreichter Tiefe und Brillanz aufgeführt wurden.« (Ian Carr, Miles Davis. Eine kritische Biographie, Baden 1985, S. 150f.; dort auch eine ausführliche Analyse von Miles Davis’ damaliger My Funny Valentine-Interpretation).

(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, X [Vierte Phase – oder: modus vivendi] Vom 7. bis zum 30. Januar 2014, S. 1060f.).

1964-02-12 New York 2nd Set [Mittwoch, der 15. Januar 2014]

Hans Köberlin hörte zu dem Frühstück im leeren Wintergarten das zweite Set jenes Konzerts, das Miles Davis am 12. Februar 1964 in der Stadt, die niemals schlief, gegeben hatte. Es begann mit einer sehr schönen, moderaten, quasi paraphrasierende Interpretation des All Blues, bei dem das Solo Herbie Hancocks vor dem George Colemans kam, und Hans Köberlin überlegte, ob es das bei seinen Formationen bereits einmal gegeben und ob dies eine Aufwertung des Pianos im Jazz jener Zeit bedeutet, Herbie Hancock hatte bei diesem Set auch sonst neben Miles Davis den größten Raum. Es folgte als längstes Stück des Sets My Funny Valentine, bei dem Hans Köberlin während das Saxophon improvisierte dachte, daß es eine schöne Zeit gewesen sein mußte, damals, während der er im falschen Alter am falschen Ort gewesen, dann, seiner Art nach in einer anderen Stimmung, Joshua, dann wieder wie zuvor I Thought About You
»Was ich auch tue!« (er meinte die Frau).
… dann Four, das Hans Köberlin nur in zwei Live-Fassungen kannte, die zweite würde bei dieser Runde übersprungen, dann, wieder in der Manier von Joshua das damals aktuelle Seven Steps To Heaven und schließlich There Is No Greater Love
»Natürlich!« (er meinte die Frau).

(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, X [Vierte Phase – oder: modus vivendi] Vom 7. bis zum 30. Januar 2014, S. 972).

1964-02-12 New York 1st Set [Dienstag, der 31. Dezember 2013]

Zum Frühstück, das wegen der Erkältung der Frau wieder im leeren Wintergarten eingenommen wurde, gab es heute das erste Set jenes Konzerts, welches Miles Davis am 12. Februar 1964 in der Stadt, die niemals schlief, gegeben hatte. Es war in etwa das gleiche Programm wie gestern ein Jahr zuvor auf dem Festival in Antibes, morgen, so nahm er sich vor, würde er einen etwas größeren Zeitsprung machen. Die Ansage ging, ihrem Ritual – erst Schlagzeug, dann Baß, dann Klavier et cetera … – folgend, über zwei Minuten, dann kam zur Eröffnung erneut Autumn Leaves, gefolgt von einem sehr schnell interpretierten – also die Stücke wie gestern im Tempo alternierend – So What, dann, Hans Köberlins Favorit auf diesem Mitschnitt, Stella By Starlight, und schließlich noch Walkin’ und All Of You.

(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, IX [Der zweite Besuch der Frau] Vom 20. Dezember 2013 bis zum 6. Januar 2014, S. 862f.).

1963-07-27 Antibes [Montag, der 30. Dezember 2013]

Es war so sonnig und warm und windstill, daß sie draußen auf der anderen Dachterrasse frühstücken konnten, die erste Mahlzeit, die die Frau dort einnahm. Hans Köberlin schaffte bei der Frühstücksvorbereitung auch das Equipment hoch, das sie benötigten, um während des Frühstücks den Auftritt Miles Davis’ mit seinem damaligen Quintett – Herbie Hancock am Klavier – am 27. Juli 1963 auf dem festival de jazz d’Antibes Juan-les-Pins zu hören. Es war ein langes Konzert, knapp eindreiviertel Stunde, aber die Zeit würde man hier, angenehm in der Sonne auf der anderen Dachterrasse sitzend, haben. Es begann mit Autumn Leaves, dessen kanonische Fassung Davis mit Cannonball Adderley auf Somethin’ Else eingespielt hatte, es folgten das schnelle Milestones und dann langsam und verträumt I Thought About You, was sehr schön zu der entspannten Stimmung unseres Paares paßte, dann wieder schnell, in der Manier von Milestones, Joshua, und dann wieder langsam und verträumt All Of You. Walkin’ und Bye Bye Blackbird sollten folgen und Hans Köberlin nahm erstmals bewußt dieses konsequent durchgezogenen Wechsel von schnell und langsam wahr. Er nahm sich vor, nicht mehr so oberflächlich in seinem Rezeptionsverhalten zu sein, und lobte einmal wieder wegen der Einsichten, zu denen man durch sie gelangte, Rituale und Gewohnheiten, während sie zu dem Abschlußthema bereits begannen, alles zum Hinunterschaffen zusammenzupacken.

(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, IX [Der zweite Besuch der Frau] Vom 20. Dezember 2013 bis zum 6. Januar 2014, S. 857).

Montag, 29. November 2021

1961-05-19 New York [Dienstag, der 14. Januar 2014]

Er frühstückte dennoch in dem leeren Wintergarten, und während des Frühstücks stellte sich seine Stabilität wieder ein, als er das Konzert hörte, das Miles Davis mit seinem damaligen Quintett sowie mit Gil Evans und seinem Orchester am 19. Mai 1961 in der Carnegie Hall gegeben hatte. Dabei waren, wie Hans Köberlin bei der Eröffnung So What, bei dem Davis mit dem Quintett und dem Orchester gemeinsam spielte, dachte, quasi Kind of Blue und Sketches of Spain zusammengekommen. Weiter ging es mehr oder weniger alternierend – Qrchester und Quintett –, insgesamt umfaßte das Repertoire an diesem Abend zwölf Stücke in knapp eineinhalb Stunden, wobei Teo wieder einmal zu den Höhepunkten gehörte und Hans Köberlin bei Walkin’ wieder einmal dachte, daß das so gespielt eigentlich Runnin’ heißen müßte. Bei No Blues gab es Raum für die Soli der Rhythmusgruppe und den Abschluß bildete schließlich das Adagio des Concierto de Aranjuez, etwas verhaltener als im Studio, was ihm aber nur guttat. Jemand hatte Davis erzählt, Joaquín Rodrigo hätte seine und Gil Evans Version das Adagio nicht gefallen, woraufhin der bloß auf die Tantiemen, die bald eintrudeln würden, verwiesen habe … Wie das wohl in einer Interpretation mit dem Quintett geklungen haben würde …* Er hatte noch eine Version des gesamten Concierto von Paco De Lucia, die könnte er vielleicht später …

* Vgl. Miles Davis und Quincy Troupe, Die Autobiographie, München 4. Aufl. 2000, S. 330. Dort (S. 330f.) hatte Davis auch eine Geschichte von jener Art, wie auch wir eine, ohne die Quelle angeben zu kön‐ nen, in Telos (a. a. O., S. 65 und dort in der Fußnote 242) kolportiert haben, erzählt: »Von einer Frau erfuhr ich später, daß sie einem alten Stierkämpfer, der sich zurückgezogen hatte und Stiere für die Arena züchtete, die Platte [Scetches of Spain] vorspielte […] er saß da und hörte zu. Als die Musik zu Ende war, stand er auf, zog seinen Toreroanzug an, nahm seinen Degen, ging raus, kämpfte und tötete zum ersten Mal, seitdem er sich zurückgezogen hatte, wieder einen Stier. Sie wollte wissen, warum er das gemacht hatte, und er erklärte ihr, die Musik hätte ihn so bewegt, daß er einfach hätte kämpfen müssen. Ich konnte die Geschichte kaum glauben, aber diese Frau schwor, daß es so gewesen war.«

(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, X [Vierte Phase – oder: modus vivendi] Vom 7. bis zum 30. Januar 2014, S. 955f.).

1961-04-22 San Francisco 3rd and 4th Set [Samstag, der 8. Februar 2014]

Um das Frühstück ruhig zu gestalten, brach Hans Köberlin eine Regel seines Rituals und ging, noch bevor ein kompletter chronologischer Durchlauf absolviert, sechs Jahre gegenüber gestern zurück zu dem dritten und vierten Set jenes Konzerts, das Miles Davis am Samstag, dem 22. April 1961 in der Stadt gegeben, die man mit Blumen im Haar besuchen sollte. Es begann wieder mit Autumn Leaves, sehr melodisch, deswegen war er ja von dem üblichen Ritual abgewichen, gefolgt von Neo, wie immer genial, auf Two Bass Hit hätte Hans Köberlin verzichten können, das paßte nun garnicht zu der Stimmung davor, obwohl man sich nach dem Intro von dem Schema des Stückes entfernte, und nach dem Bye Bye-Thema schließlich ließ Wynton Kelly wie neulich mit ein paar Takten Love, I’ve Found You das dritte Set ausklingen. Das vierte Set begann schön langsam und balladenhaft mit I Thought About You, es ging weiter in dem Stil mit Someday My Prince Will Come und zum Abschluß, angenehm ausschwingend, Softly As in a Morning Sunrise.

(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, XI [Erstes Intermezzo – oder: Zäsur] Vom 31. Januar bis zum 9. Februar 20, S. 1152f.).

Mittwoch, 3. November 2021

1961-04-22 San Francisco 1st and 2nd Set [Dienstag, der 4. Februar 2014]

Anschließend frühstückten sie in der Küche zu dem ersten und dem zweiten Set jenes Konzerts, das Miles Davis am Samstag, dem 22. April 1961, in jener Stadt, zu der man mit Blumen im Haar gehen sollte, gegeben hatte. Im ersten Set spielte er If I Where a Bell, wobei es sehr schöne Passagen in dem Klaviersolo gab, So What mit einem Saxophonsolo von Hank Mobley, bei dem sich Hans Köberlin von der Anspannung bei den Soli der letzten beiden Frühstücke erholen konnte, und ein paar Takte des No Blues. Das zweite Set hob sehr gefällig mit On Green Dolphin Street an, dann kam Walkinʼ, wie immer ein Container für schnelle Läufe, ʼRound Midnight, das hier ein kurzes Vorspiel vor seinem berühmten Intro hatte und ansonsten etwas in die Spielereien der Rhythmusgruppe zerfiel, und schließlich Well You Neednʼt in der Manier von Walkinʼ, es war von der Stimmung her in etwa so wie die drei Sets der Freitagnacht.

(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, XI [Erstes Intermezzo – oder: Zäsur] Vom 31. Januar bis zum 9. Februar 20, S. 1125.).