Donnerstag, 16. Juni 2022

Montag, 6. Juni 2022

Moon in June

1965-12-23 Chicago 3rd Set [Freitag, der 21. Februar 2014]

Zum Frühstück hörte er das dritte Set jenes Konzerts, das Miles Davis am 23. Dezember 1965 in jener für ihre Schlachthöfe berüchtigten Stadt gegeben hatte. Es begann mit einer Ballade, When I Fall in Love, Miles Davis spielte ohne Dämpfer, die entspannte Stimmung wurde durchgehalten und nach etwa sechs Minuten löste Wayne Shorter Miles Davis ab, wobei etwas Tempo zugelegt wurde, dann kam noch Herbie Hancocks Solo und man bremste wieder zum Abschluß, Miles Davis griff das Thema auf, bevor es dann mit dem schnellen Milestones weiterging. Bestimmte Stücke boten die Gelegenheit, auf eine bestimmte Art zu spielen, fast wie ein Baukastensystem … wie lange doch Miles Davis bei seinen Konzerten an diesen Schemata festgehalten … erst ab Ende der sechziger Jahre … aber ab da ging es Schlag auf Schlag, bis 1975 … Autumn Leaves hörte Hans Köberlin immer wieder gerne, obwohl hier nicht viel von dem Thema übriggeblieben war und Miles Davis mit dem Dämpfer spielte, Hans Köberlin fand diesmal Wayne Shorters Solo bemerkenswert, dann kam I Fall in Love to Easily und anschließend über zwanzig Minuten No Blues. Alles in allem war das ein sehr homogenes Konzert und die Alternation von schnellen und langsamen Stücken war nicht so ausgeprägt wie in den früheren Jahren. Ein Set noch würde von diesem Tag und aus dieser Konzertreihe folgen.

(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, XII [Fünfte Phase – oder: Un gringo en Calpe] Vom 10. Februar bis zum 6. März 2014, S. 1308).

Empirie, 26. Update

¡Hans Koberlin vive! in Daten (der Stand von heute):
  • Stand des Manuskripts:
    • Seiten: S. 1.682 von ca. 2.400 Seiten
    • Fußnoten: 4.607
  • Stand der Bearbeitung:
    • Seiten: S. 1.422 von ca. 2.400 Seiten
    • Fußnoten: 3.805
    • Kapitel: XIII (= Zweites Intermezzo – oder: Die Hälfte der Zeit des Exils) von XXIV Kapiteln nebst einem Anhang
    • Tag der Bearbeitung: Freitag, der 7. März 2014, der 157. von 324 konkreten und von allen möglichen Tagen
  • Der Beginn der Handlung ist mit Analepsen der Sonntag, der 23. Oktober 4004 vor unserer Zeitrechnung, 9 Uhr vormittags,* ohne Analepsen der Herbst 2012.
  • Das Ende der Handlung fällt mit den Prolepsen mit dem Ende der (oder bloß einer?) Welt zusammen,** ohne Prolepsen mit dem Frühjahr 2016.
  • Beginn der Niederschrift: Mittwoch, den 2. Oktober 2013
  • Ende der Niederschrift: noch nicht abzusehen.
Mit der Vorbereitung zur Publikation des ersten Teilbandes wurde mittlerweile begonnen.

  • Stand der Überarbeitung:
    • Seiten: S. 778 von 778 Seiten
    • Fußnoten: 2.280
    • Kapitel: VIII (= Dritte Phase – oder: Konsolidierung) von VIII Kapiteln nebst einem vorläufigen Anhang
    • Tag der Überarbeitung: Donnerstag, der 19. Dezember 2013, der 79. von 324 konkreten und von allen möglichen Tagen
Mit der Vorbereitung zur Publikation des ersten Teils des zweiten Teilbandes wurde mittlerweile begonnen (obwohl der erste Teilband noch nicht publiziert wurde – c’est la vie).

  • Stand der Überarbeitung:
    • Seite: S. 1.314
    • Fußnoten: 3.518
    • Kapitel: XII (= Phase 5 – oder: Un gringo en Calpe)
    • Tag der Überarbeitung: Freitag, der 21. Februar 2014, der 143. von 324 konkreten und von allen möglichen Tagen


* (= die Fußnote 5 auf S. 7) »Non in tempore sed cum tempore Deus creavit caela et terram.« (Augustinus).
Nun: »In der Schiffsbibel von Charles Darwin auf der ›Beagle‹, mit der er von 1831 bis 1836 die Welt bereiste, stand das Datum der Weltschöpfung eingetragen: 23. Oktober 4004 vor Christi Geburt, 9 Uhr vormittags.« (Hans Blumenberg, Die Sorge geht über den Fluß, Frankfurt am Main 1987, S. 47). Das war ein Sonntag, am folgenden Freitag war er, der Schöpfer, fertig, und auch das jüngste Gericht soll nach christlichen Vorstellungen auf einen Freitag fallen, ein Datum haben wir gerade nicht zur Hand.
»Soldats, quarante siècles vous regardent!«
»L’ouvrage que j’ai entrepris aura la longueur d’une histoire«, hatte Balzac stolz in seinen Avant-Propos de La Comédie humaine postuliert.
** (= eine Anmerkung aus der fünften Nachlese) »Die Welt des Dichters ist nicht die einzige Welt. Es gibt mehrere Dichter.« (Bertolt Brecht, Schriften zum Theater 1; in: Gesammelte Werke, hrsg. vom Suhrkamp Verlag in Zusammenarbeit mit Elisabeth Hauptmann, Frankfurt am Main 1967, Bd. 15, S. 393).

Wird aktualisiert!

Mittwoch, 13. April 2022

Fenster #381

Die Enthebung des Wählenmüssens

Die genaue Beobachtung der Sache empfiehlt dir gleichzeitig auf die natürlichste Weise das Mittel, sie aufs Papier zu übertragen. Sie enthebt dich des Wählenmüssens. Die Entscheidung liegt sozusagen in der Beobachtung selbst […] die Zeichnung ist eine Täuschung mit durchschaubaren Mitteln. Ohne eindrucksvolle Täuschung wärs eine alberne Sache, und ohne Durchschaubarkeit der Mittel wärs eine schlechte Zeichnung. Sind aber diese beiden gegensätzlichen Elemente harmonisch vereint, wirst du sehen, daß die Natur bei genauer Betrachtung eher einer guten Zeichnung ähnelt als einer schlechten.

(Horst Janssen, Zu »Hokusais Spaziergang«; in: Querbeet. Aufsätze, Reden, Traktate, Pamphlete, Kurzgeschichten, Gedichte und Anzüglichkeiten, München 31986, S. 155f.).

Fenster #380 [Die Welt kann durch eine Dachluke gesehen erstaunlich weit sein.]

Samstag, 26. März 2022

Wenn nicht dort – wo sonst?

Wenn ich im Schilf sitze, verliere ich die Angst, fast vergessene Binsenwahrheiten einfach auszusprechen.

(Horst Janssen, Tagebuch zu »Hokusais Spaziergang«; in: Querbeet. Aufsätze, Reden, Traktate, Pamphlete, Kurzgeschichten, Gedichte und Anzüglichkeiten, München 31986, S. 114f.).

Samstag, 19. März 2022

Sonntag, 13. März 2022

Empirie, 25. Update

¡Hans Koberlin vive! in Daten (der Stand von heute):
  • Stand des Manuskripts:
    • Seiten: S. 1.660 von ca. 2.400 Seiten
    • Fußnoten: 4.571
  • Stand der Bearbeitung:
    • Seiten: S. 1.403 von ca. 2.400 Seiten
    • Fußnoten: 3.779
    • Kapitel: XIII (= Zweites Intermezzo – oder: Die Hälfte der Zeit des Exils) von XXIV Kapiteln nebst einem Anhang
    • Tag der Bearbeitung: Freitag, der 7. März 2014, der 157. von 324 konkreten und von allen möglichen Tagen
  • Der Beginn der Handlung ist mit Analepsen der Sonntag, der 23. Oktober 4004 vor unserer Zeitrechnung, 9 Uhr vormittags,* ohne Analepsen der Herbst 2012.
  • Das Ende der Handlung fällt mit den Prolepsen mit dem Ende der (oder bloß einer?) Welt zusammen,** ohne Prolepsen mit dem Frühjahr 2016.
  • Beginn der Niederschrift: Mittwoch, den 2. Oktober 2013
  • Ende der Niederschrift: noch nicht abzusehen.
Mit der Vorbereitung zur Publikation des ersten Teilbandes wurde mittlerweile begonnen.

  • Stand der Überarbeitung:
    • Seiten: S. 778 von 778 Seiten
    • Fußnoten: 2.280
    • Kapitel: VIII (= Dritte Phase – oder: Konsolidierung) von VIII Kapiteln nebst einem vorläufigen Anhang
    • Tag der Überarbeitung: Donnerstag, der 19. Dezember 2013, der 79. von 324 konkreten und von allen möglichen Tagen
Mit der Vorbereitung zur Publikation des ersten Teils des zweiten Teilbandes wurde mittlerweile begonnen (obwohl der erste Teilband noch nicht publiziert wurde – c’est la vie).

  • Stand der Überarbeitung:
    • Seite: S. 1.255
    • Fußnoten: 3.383
    • Kapitel: XII (= Phase 5 – oder: Un gringo en Calpe)
    • Tag der Überarbeitung: Montag, der 17. Februar 2014, der 139. von 324 konkreten und von allen möglichen Tagen


* (= die Fußnote 5 auf S. 7) »Non in tempore sed cum tempore Deus creavit caela et terram.« (Augustinus).
Nun: »In der Schiffsbibel von Charles Darwin auf der ›Beagle‹, mit der er von 1831 bis 1836 die Welt bereiste, stand das Datum der Weltschöpfung eingetragen: 23. Oktober 4004 vor Christi Geburt, 9 Uhr vormittags.« (Hans Blumenberg, Die Sorge geht über den Fluß, Frankfurt am Main 1987, S. 47). Das war ein Sonntag, am folgenden Freitag war er, der Schöpfer, fertig, und auch das jüngste Gericht soll nach christlichen Vorstellungen auf einen Freitag fallen, ein Datum haben wir gerade nicht zur Hand.
»Soldats, quarante siècles vous regardent!«
»L’ouvrage que j’ai entrepris aura la longueur d’une histoire«, hatte Balzac stolz in seinen Avant-Propos de La Comédie humaine postuliert.
** (= eine Anmerkung aus der fünften Nachlese) »Die Welt des Dichters ist nicht die einzige Welt. Es gibt mehrere Dichter.« (Bertolt Brecht, Schriften zum Theater 1; in: Gesammelte Werke, hrsg. vom Suhrkamp Verlag in Zusammenarbeit mit Elisabeth Hauptmann, Frankfurt am Main 1967, Bd. 15, S. 393).

Wird aktualisiert!

Sonntag, 6. März 2022

Freitag, 4. März 2022

Donnerstag, 17. Februar 2022

1965-12-23 Chicago 2nd Set [Samstag, der 15. Februar 2014]

Zum Frühstück hörte er das zweite Set jenes Konzerts, daß Miles Davis am 23. Dezember 1965 in der für ihre Schlachthöfe berüchtigten Stadt gegeben hatte. Es begann schön langsam mit All of You, Miles Davis spielte mit Dämpfer und gab das Spiel nach viereinhalb Minuten an Wayne Shorter weiter. Hans Köberlin mußte sich bemühen, bei der Musik zu bleiben und seine Aufmerksamkeit nicht zu arg schweifen zu lassen, er merkte das, als er sich plötzlich in Gedanken bereits bei gleich zu schreibenden Aufzeichnungen im ersten Drittel von Agitation wiederfand … also zurück zu Wayne Shorter im vorherigen Stück, das dann von Miles Davis zum Ausklang geführt wurde. Agitation war natürlich ein schnelles Stück, aber diesmal nicht zu schnell, Miles Davis spielte hier ohne Dämpfer, was Hans Köberlin bei den älteren Sachen bevorzugte. Dann zog es, getrieben vom Schlagzeug, an, was aber durch Herbie Hancocks Klavierspiel konterkariert wurde, auch beim anschließenden Saxophonsolo, bei dem der Baß quasi das Schlagzeug an die Leine nahm, es wurde freier, dann übernahm das Klavier, blieb im Freien, um am Ende die Melodie wieder aufzugreifen und an Miles Davis abzugeben, der das Stück schloß und überleitete zu My Funny Valentine, das langsam akzentuiert begann und dann von Rhythmusgruppe in einen Swing gezogen wurde, über dem Miles Davis weiter seine Akzente setzte und Hans Köberlin mußte an die Bedienung gestern im ›Dolphin Pub‹ denken, dann brachte Wayne Shorter den Swing zum Stoppen, bevor er über der Melodie, die fast zum Stillstand kam, improvisierte, bis Herbie Hancock sein Solo bekam. Dann kam, wieder mit Dämpfer, On Green Dolphin Street, und erneut hatte Hans Köberlin einen Einsichten gewährenden Ausschnitt vor Augen, dieses Set gefiel Hans Köberlin jetzt, nach den bisher im Verlauf seines Rituals fünf gehörten, am besten von den sieben dieser beiden Konzertnachmittage und -abende, aber nicht bloß deswegen, wegen der Erinnerung an gewährte Einblicke auf Ausblicke, an seinem Gefallen änderte auch das für Hans Köberlins viel zu schnell gespielte So What nichts. Es kam, wie in der Zeit üblich, wobei eigentlich auch schon da überholt, noch das sogenannte Thema, bei dem Miles Davis und Wayne Shorter was das Tempo betraf um die Wette spielten.

(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, XII [Fünfte Phase – oder: Un gringo en Calpe] Vom 10. Februar bis zum 6. März 2014, S. 1232f.).

Montag, 14. Februar 2022

Nach dem Nebel

Als Hans Köberlin so gegen halbsechs Uhr aufbrach, da setzte der Wind wieder ein und der graue Spuck begann sich zu verziehen und gab nach und nach einen blauen wolkenlosen Himmel frei. Und als Hans Köberlin auf der Höhe der Cala Calalga an die Steilküste kam, da sah er, daß im Nachbarort linkerhand noch stellenweise der Nebel zwischen den Hügeln festhing, was aussah, als habe man auf einem farbig leuchtenden Bild stellenweise die Farben – die wir hier eh nicht wiedergeben können – wegradiert.
Nur nebenbei und um einen Eindruck von Hans Köberlins physischer Verfassung bei artfördernder Haltung zu vermitteln sei hier angemerkt: der dunkle Punkt im Meer rechts auf der Photographie war die gelbe Boje der links nicht mehr auf der Photographie zu sehenden Cala Calalga – jede Badestelle hier hatte ihre gelben Bojen –, bis zu der Hans Köberlin in der Ende April endlich anhebenden Schwimmsaison fast täglich mindestens einmal hinausschwimmen sollte.

Freitag, 11. Februar 2022

Der eintausendachthundertneunundsechzigste Eintrag

Be not the first by whom the new are try’d,
Nor yet the last to lay the old aside.

(Alexander Pope, Essay on Criticism, London 1711).

Sonntag, 2. Januar 2022

Sonntag, 19. Dezember 2021

»… et adieu la verve.«

Mais comment, me direz-vous, le poëte, l’orateur, le peintre, le sculpteur, peuvent-ils être si inégaux, si différents d’eux-mêmes ? C’est l’affaire du moment, de l’état du corps, de l’état de l’âme ; une petite querelle domestique ; une caresse faite le matin à sa femme, avant que d’aller à l’atelier : deux gouttes de fluide perdues et qui renfermaient tout le feu, toute la chaleur, tout le génie ; un enfant qui a dit ou fait une sottise ; un ami qui a manqué de délicatesse ; une maîtresse qui aura accueilli trop familièrement un indifférent ; que sais-je ? un lit trop froid ou trop chaud, une couverture qui tombe la nuit, un oreiller mal mis sur son chevet, un demi-verre de vin pris de trop, un embarras d’estomac, des cheveux ébouriffés sous le bonnet ; et adieu la verve. Il y a du hasard aux échecs et à tous les autres jeux de l’esprit. Et pourquoi n’y en aurait-il pas ? L’idée sublime qui se présente, où était-elle l’instant précédent ? À quoi tient-il qu’elle soit ou ne soit pas venue ? Ce que je sais, c’est qu’elle est tellement liée à l’ordre fatal de la vie du poëte et de l’artiste, qu’elle n’a pas pu venir ni plus tôt ni plus tard, et qu’il est absurde de la supposer précisément la même dans un autre être, dans une autre vie, dans un autre ordre de choses.

(Denis Diderot, Œuvres complètes de Diderot, volume XI, Promenade Vernet (Salon de 1767).

Die hintere Dachterrasse

Samstag, 18. Dezember 2021

1965-12-23 Chicago 1st Set [Montag, der 10. Februar 2014]

Wegen des starken Windes mußte Hans Köberlin im leeren Wintergarten frühstücken. Salami, Käse, Butter, Marmelade und Eier waren noch von vorletzter Woche im Kühlschrank gewesen und im Eisfach das Toastbrot für alle Fälle. Er frühstückte, um an die Frühstücke in der Hauptstadt, in der er ja gestern noch gewesen, anzuknüpfen, mit dem ersten Set jenes Konzerts, das Miles Davis am 23. Dezember 1965 – da war der Busenfreund ein Jahr alt geworden – in der für ihre Schlachthöfe berüchtigten Stadt gegeben hatte. Es war das gleiche Programm wie bei dem ersten Set des Vortags, das Hans Köberlin nicht mehr so im Gedächtnis hatte, daß er hätte vergleichen können. Die Musik rauschte die ersten zehn Minuten dahin, dann ließ Herbie Hancock Hans Köberlin aufhorchen. Während er also mehr oder weniger konzentriert hörend da saß und auf das schaute, was man durch die beiden nicht satinierten Glastüren des leeren Wintergarten sehen konnte – den Hof, die Mauer zum vorderen Garten, den Zitronenbaum, die Palme, die Nachbarhäuser, die Hochhäuser und den Morro de Toix – begann die in der Hauptstadt verbrachte Zeit bereits wieder unwirklich zu werden … gestern am Morgen noch in der ersten Dämmerung bei Kaffee durch das Küchenfenster der Frau auf die Spree geschaut … Bei Stella By Starlight war es Wayne Shorter, der Hans Köberlins besondere Beachtung fand, der Meister selber tauchte vor allem bei den ruhigeren Passagen oder bei unerwarteten Tempowechseln in seinem Bewußtsein auf. Aber es müßte nun einmal wieder etwas Elektrisches kommen, etwas aus seiner, Hans Köberlins, Zeit. I Fall In Love Too Easily war eine Erholung nach Walkin’, irgendeiner der Miles-Davis-Biographen, Hans Köberlin wußte nicht mehr, wo er es gelesen hatte, hatte einmal die Bandbreite der Auftritte jener Zeit mit »Balladenstimmung« und »hektische Treibjagd« abgesteckt, das traf es ganz gut.

(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, XII [Fünfte Phase – oder: Un gringo en Calpe] Vom 10. Februar bis zum 6. März 2014, S. 1182).

Mittwoch, 15. Dezember 2021

Die Galerie #1 (Stand 28. Mai 2014)

Die Abbildung zeigte den Stand vom Mittwoch, dem 28. Mai 2014, es sollten noch, wie aus unserem Bericht zu ersehen sein wird, einige schöne Nackte dazukommen, das vollständige Ensemble zeigen wir unten auf einer Doppelseite. Hans Köberlin sah also Catherine Deneuve in Belle de Jour (1967),* darunter Maruschka Detmers unter der Dusche in Prénom Carmen (1983), dann rechts neben Catherine Deneuve die ihre Bluse aufknöpfende Gudrun Krüger in Die Halbstarken (1956), dann Anna Baldaccini in Sauve qui peut (la vie) (1980) und schließlich die gleichfalls duschende Margarita Borissowna Terechowa in Zerkalo (1975).

* Eben erinnern wir uns sehr gut daran, daß wir in der Fußnote 1062 auf S. 292 geschrieben haben: »Aber das Bild von Catherine Deneuve schlechthin war gleichfalls wegen des morgigen Geburtstages auf einem der alten archivierten Filmkalenderblätter, nämlich sie mit entblößtem Oberkörper von seitlich hinten gesehen, ihr linker Arm verdeckte die linke sichtbare Brust bloß teilweise, und sie blickte über die Schulter mit leicht geöffnetem Mund ihren Betrachter an … Das war natürlich das berühmte Still aus Belle de Jour (1967) von dem genialen Luis Buñuel […] Hans Köberlin sollte morgen dieses Kalenderblatt nehmen und […] es im Schlafzimmer neben dem Still aus Buñuels Un chien Andalou (vgl. oben S. 231) an die Wand drapieren …« – Aber wo war dieses Still aus Un chien Andalou auf der Photographie oben?! Wir sind uns sicher, daß es dort war, als wir die Photographie machten, und wir haben es auch in unseren Unterlagen …

Un chien Andalou (Luis Buñuel, 1928)

Montag, 6. Dezember 2021

Empirie, 24. Update

¡Hans Koberlin vive! in Daten (der Stand von heute):
  • Stand des Manuskripts:
    • Seiten: S. 1.628 von ca. 2.400 Seiten
    • Fußnoten: 4.525
  • Stand der Bearbeitung:
    • Seiten: S. 1.373 von ca. 2.400 Seiten
    • Fußnoten: 3.735
    • Kapitel: XIII (= Zweites Intermezzo – oder: Die Hälfte der Zeit des Exils) von XXIV Kapiteln nebst einem Anhang
    • Tag der Bearbeitung: Freitag, der 7. März 2014, der 157. von 324 konkreten und von allen möglichen Tagen
  • Der Beginn der Handlung ist mit Analepsen der Sonntag, der 23. Oktober 4004 vor unserer Zeitrechnung, 9 Uhr vormittags,* ohne Analepsen der Herbst 2012.
  • Das Ende der Handlung fällt mit den Prolepsen mit dem Ende der (oder bloß einer?) Welt zusammen,** ohne Prolepsen mit dem Frühjahr 2016.
  • Beginn der Niederschrift: Mittwoch, den 2. Oktober 2013
  • Ende der Niederschrift: noch nicht abzusehen.
Mit der Vorbereitung zur Publikation des ersten Teilbandes wurde mittlerweile begonnen.

  • Stand der Überarbeitung:
    • Seiten: S. 778 von 778 Seiten
    • Fußnoten: 2.280
    • Kapitel: VIII (= Dritte Phase – oder: Konsolidierung) von VIII Kapiteln nebst einem vorläufigen Anhang
    • Tag der Überarbeitung: Donnerstag, der 19. Dezember 2013, der 79. von 324 konkreten und von allen möglichen Tagen
Mit der Vorbereitung zur Publikation des ersten Teils des zweiten Teilbandes wurde mittlerweile begonnen (obwohl der erste Teilband noch nicht publiziert wurde – c’est la vie).

  • Stand der Überarbeitung:
    • Seite: S. 1.163
    • Fußnoten: 3.137
    • Kapitel: XII (= Phase 5 – oder: Un gringo en Calpe)
    • Tag der Überarbeitung: Montag, der 10. Februar 2014, der 132. von 324 konkreten und von allen möglichen Tagen


* (= die Fußnote 5 auf S. 7) »Non in tempore sed cum tempore Deus creavit caela et terram.« (Augustinus).
Nun: »In der Schiffsbibel von Charles Darwin auf der ›Beagle‹, mit der er von 1831 bis 1836 die Welt bereiste, stand das Datum der Weltschöpfung eingetragen: 23. Oktober 4004 vor Christi Geburt, 9 Uhr vormittags.« (Hans Blumenberg, Die Sorge geht über den Fluß, Frankfurt am Main 1987, S. 47). Das war ein Sonntag, am folgenden Freitag war er, der Schöpfer, fertig, und auch das jüngste Gericht soll nach christlichen Vorstellungen auf einen Freitag fallen, ein Datum haben wir gerade nicht zur Hand.
»Soldats, quarante siècles vous regardent!«
»L’ouvrage que j’ai entrepris aura la longueur d’une histoire«, hatte Balzac stolz in seinen Avant-Propos de La Comédie humaine postuliert.
** (= eine Anmerkung aus der fünften Nachlese) »Die Welt des Dichters ist nicht die einzige Welt. Es gibt mehrere Dichter.« (Bertolt Brecht, Schriften zum Theater 1; in: Gesammelte Werke, hrsg. vom Suhrkamp Verlag in Zusammenarbeit mit Elisabeth Hauptmann, Frankfurt am Main 1967, Bd. 15, S. 393).

Wird aktualisiert!

Sonntag, 5. Dezember 2021

1965-12-22 Chicago 3rd Set [Sonntag, der 9. Februar 2014]

… also: noch ein heftiger Kuß, dann ließ er die Sicherheitskontrollen über sich ergehen und setzte sich, übermüdet von dem wenigen Schlaf, in den Wartebereich vor dem Gate, legte seine Ohrhörer an und hörte, auf die Aufforderung zum Einstieg in das Flugzeug wartend, das dritte Set jenes Konzerts, das Miles Davis am 22. Dezember 1965 in der für ihre Schlachthöfe berüchtigten Stadt gegeben hatte. Dreieinhalb Stunden hatte das Quintett in den drei Sets dieses Tages gespielt, und am Folgetag sollten es fast vier Stunden in vier Sets werden. Dieses Set begann mit All Of You, Miles Davis spielte mit Dämpfer dann kam Wayne Shorters Part, der das Warten zu einem Film machte. Von der schwarzen Serie an bis zu den Anfängen der Nouvelle Vague waren Trompete und Saxophon die wichtigsten Instrumente bei Soundtracks, und das Klavier vielleicht noch – denn Herbie Hancocks Einsatz kam gerade –, und Baß und Schlagzeug … also: von der schwarzen Serie an bis zu den Anfängen der Nouvelle Vague kamen die wichtigsten Soundtracks von Jazzquintetten. Übergangslos erfolge der Tempowechsel zu Oleo, dann, ohne Dämpfer, I Fall In Love Too Easily, das einzige Stück, daß sie an diesem Dezembertag zweimal gespielt hatten, dann No Blues und I Thought About You, was Hans Köberlin natürlich tat, an die Frau denken nämlich, auch als er sich an den Rest der Schlange vor den beiden Schaltern anstellen mußte, dort das Ticket zur Kontrolle vorzeigte und zu den letzten Takten des Schlußthemas seinen Platz im Flugzeug einnahm.

(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, XI [Erstes Intermezzo – oder: Zäsur] Vom 31. Januar bis zum 9. Februar 2014, S. 1156).

Dienstag, 30. November 2021

1965-12-22 Chicago 2nd Set [Donnerstag, der 6. Februar 2014]

Zu dem Frühstück, zu dem sie sich wegen der eben genannten Disposition garnicht erst richtig anzogen, hörten sie das zweite Set jenes Konzerts, das Miles Davis am 22. Dezember 1965 in der für ihre Schlachthöfe berüchtigten Stadt gegeben hatte. Diese Sets und die vier des Folgetags waren von einer gewissen Lakonie geprägt. Es begann diesmal ruhig mit My Funny Valentine, dann kam Four, das Hans Köberlin, wie bereits angedeutet, nur in zwei Live-Fassungen kannte, When I Fall In Love schlich sich irgendwie an dem Bewußtsein des abgelenkten Hans Köberlin vorbei, bei Wayne Shorters Saxophonspiel von Agitation horchte er dann wieder auf, gerade rechtzeitig zu Herbie Hancocks Solo, schließlich folgten noch ’Round about Midnight und Milestones.

(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, XI [Erstes Intermezzo – oder: Zäsur] Vom 31. Januar bis zum 9. Februar 2014, S. 1143f.).

1965-12-22 Chicago 1st Set [Donnerstags, der 16. Januar 2014]

Mit diesem eher banalen Eintrag in sein Arbeitsjournal eröffnete Hans Köberlin sein Lesen und Schreiben im leeren Wintergarten, nachdem er zuvor dort zum Frühstück das erste Set jenes Konzerts gehört hatte, das Miles Davis am 22. Dezember 1965 in der für ihre Schlachthöfe berüchtigten Stadt gegeben hatte. Jetzt war Wayne Shorter, den ihm damals bei seinem Weggang John Coltrane empfohlen, in seinem Quartett. Es lag noch nicht in der Luft, was in den nächsten Jahren kommen würde, das Set war noch in dem damals üblichen Rahmen, man spielte If I Were A Bell, Stella By Starlight, Walkin’, I Fall In Love Too Easily und über zehn Minuten The Theme, wobei Hans Köberlin nicht heraushören konnte, ob ein und wenn ja welches Stück außer dem Thema dahintersteckte, alle Stücke bis auf Herbie Hancocks Solo in Stella By Starlight und I Fall In Love Too Easily waren eher in einem schnelleren Tempo. Das zweite Set dieses Tages würde es dann in der nächsten Runde geben.

(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, X [Vierte Phase – oder: modus vivendi] Vom 7. bis zum 30. Januar 2014, S. 979).

1964-10 Helsinki [Mittwoch, der 26. März 2014]

Während seines Frühstücks im leeren Wintergarten hörte er den letzten der, weil aus den Augen also auch aus dem Sinn, verlorenen und kürzlich erst wiederentdeckten älteren Miles-Davis-Konzertmitschnitte, nämlich den von einem oder mehreren Auftritten im Oktober 1964 in der Hauptstadt des Landes von Aki Kaurismäki. Es war bereits die Zeit des zweiten großen Quintetts mit Hancock, Shorter, Carter und Williams. Es begann sehr schön mit Autumn Leaves, aber das Stück zerfiel etwas mit dem Anheben des sehr expressiven Saxophonsolos. Hans Köberlin hatte das Gefühl, in den vergangenen Tagen zuviel von den Sachen aus der Zeit vor In a Silent Way gehört zu haben, So What war da nicht besser. Stella by Starlight gefiel ihm wie immer und mit Walkinʼ endete das Album. Morgen würde es einen Sprung über neunzehn Jahre geben.

(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, XIII [Sechste Phase ‒ oder: Gift und Geschlechtsverzweiflung] Vom 13. März bis zum 10. April 2014, S. noch offen).

1964-10-01 Paris [Montag, der 31. März 2014]

Ein weiteres Frühstück mit seinem Miles-Davis-live-Ritual stand an, nämlich die beiden Sets jenes Konzerts, das er am 1. Oktober 1964 in der Stadt der Liebe gegeben hatte. Das erste Set begann, diesmal ohne Vorstellung, mit Autumn Leaves, Miles Davis spielte mit Dämpfer, dann kam Wayne Shorter, es war nach dem Konzert in der Hauptstadt am 25. September 1964* das zweite Konzert in Hans Köberlins Archiv, bei dem er dabei war, Klavier und Baß hatten noch ihre Soli, dann kam So What, wie immer auf der Bühne schnell, Miles Davis spielte etwas, für das es sicherlich einen bestimmten Terminus gab, es waren keine Tonleitern, aber etwas in der Art, eine Art ›Läufe‹ vielleicht …, dann wieder das Saxophon, das Klavier, Hans Köberlin hatte den Eindruck, daß alles frischer war wie an den vergangenen drei Tagen in Antibes. Nun wieder langsam mit Stella by Starlight, das war sehr angenehm, Hans Köberlin träumte durch die Glastür des leeren Wintergartens ins Artgerechte schauend gedankenlos vor sich hin, dann schloß das erste Set mit Walkinʼ. Das zweite Set begann wie das erste ruhig, Miles Davis hatte wieder den Dämpfer aufgesetzt, mit All of You, auch sehr angenehm, Hans Köberlin fiel beim Hören allerdings etwas ein, er unterbrach sein Frühstück, um etwas niederzuschreiben, die Musik plätscherte weiter dazu, dann kam Joshua, das heute nicht ganz so schnell gespielt wurde. Es folgte My Funny Valentine, Musik in grobkörnigem Schwarzweiß, der Höhepunkt des Konzerts, Wayne Shorter hielt die Stimmung, Herbie Hancock fiel aber etwa ab. Das zweite Set schloß mit dem schnellen No Blues, auch er etwas langsamer und akzentuierter als in Antibes, Tony Williams hatte sein Solo – Schlagzeugsolos konnte Hans Köberlin selten nachvollziehen –, dann hörenswert Wayne Shorter, dann Herbie Hancock, dann traf man sich zu dem Thema … Soweit für heute …

* Zwei Jahre zuvor hatte es eine Formation gegeben, die in der Discographie als »Miles Davis And His Orchestra« gelistet wurde, da hatte Wayne Shorter bereits einmal mitgespielt.

(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin und Heide 2013ff., Zweiter Teil. Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014, XIII [Sechste Phase ‒ oder: Gift und Geschlechtsverzweiflung] Vom 13. März bis zum 10. April 2014, S. 1740f.).