Donnerstag, 5. November 2026

Vorläufiger Ausblick auf den dritten Teil

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Wie die physische Existenz eines Bettes oder einer waagerechten Fläche das determiniere, was man Liebe nenne, so bei Thomas Pynchon in seinen Bekenntnissen der Vater von Paola, Fausto Maijstral – »I know of machines that are more complex than people.« –, wie also die physische Existenz eines Bettes das determiniere, was man Liebe nenne, die basale, die sinnliche Liebe …, oder, so Fausto weiter, wie ein erhöhter Ort da sein müsse, bevor Gottes Wort vernommen und irgendeine Religion gegründet werden könne, so also müsse man einen Raum haben, der gegen die Gegenwart abgeschirmt sei, bevor man sich daranmachen könne, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.* Das gilt mehr oder weniger auch für uns, die wir uns, bedrängt von unserer eigenen Gegenwart, mit der Vergangenheit eines anderen auseinandersetzen müssen, und die wir, gealtert mit unserem Protagonisten, eine solche Gegenwart haben, wie wir sie jetzt eben haben.
   »Wie aber wurde aus deiner Vergangenheit deine Gegenwart?«**
   »Vergangenwart in Gegenheit.«***
   »Aquele tempo passou como o fumo dum vapor no mar alto …«****



* Vgl. V., Reinbek 1988, S. 325.
** Thomas Mann, Joseph und seine Brüder, Frankfurt am Main 1986, S. 896.
*** Arno Schmidt, Abend mit Goldrand. Eine MärchenPosse. 55 Bilder aus der Lä/Endlichkeit für Gönner der VerschreibKunst, Frankfurt am Main 1975, S. 163. – »Auf jeden Fall kann, und das ist beruhigend, nichts Vergangenes sich an der Kommunikation beteiligen. Und wenn darüber nur zu reden ist, fehlt es nicht an dafür geeigneten Formen. Die Schrift, der Buchdruck und jetzt auch die elektronische Ordnung und Speicherung von Daten durchbrechen diese Regel – und reproduzieren zugleich die in ihr liegende Einsicht. Man kann mit Hilfe dieser Medien eine Kommunikation anfangen – und ihre Vollendung im Verstehen aufschieben. Damit ändert sich die Form, die eine Differenz macht, und damit auch die Unform der Unsichtbarkeit des Unbeteiligten. Auf eigentümliche Weise wird dadurch das Verhältnis zur Geschichte selektiv, und jede Bemühung um Reaktualisierung des Vergangenen verschärft diese Selektivität. Die Texte sind zugänglich, aber der Zugang selbst wird zur Selektion. Die Differenz von Reden und Schweigen, von Kommunikation und Nichtkommunikation läßt sich nicht auflösen. Jedes Reden wiederholt das Schweigen.« (Niklas Luhmann, Reden und Schweigen; in: Ders. / Peter Fuchs, Reden und Schweigen, Frankfurt am Main 1989 S. 15).
   Noch ein Apropos zu Abend mit Goldrand, eine Anekdote, die wir zu gegebenen Anlässen (siehe u. a. oben die Fußnote 2331 auf S. 799f. und S. 1432) anzuführen vergessen haben: »John Woods, wie gesagt, wählte die Übersetzung ›Evening Edged in Gold‹; die von Arno Schmidt gewünschte Übertragung war ›Evening Gold-Rimmed‹ gewesen […] John Woods’ Entscheidung für die Übersetzung war einmal mit dem (jedenfalls für amerikanische Ohren) unidiomatischen Klang von ›Evening Gold-Rimmed‹ begründet, zum anderen mit dem Hinweis, daß ›to rim‹ im Amerikanischen eine für die Titelgebung nicht wünschbare Slang-Nebenbedeutung habe.« (Jan Philipp Reemtsma, »Der Klappendorfer BadeTeich, plärrend bunt auf grün«. Gedanken zur Ästhetik des Romans ›Abend mit Goldrand‹; in: Der Vorgang des Ertaubens nach dem Urknall. 10 Reden und Aufsätze, München 1998, S. 197, Fußnote 3). Nach Sitara und wegen der ›Stellen‹ des Romans stellte sich natürlich die Frage, ob gerade diese Nebenbedeutung von dem Autor nicht gewollt gewesen wäre …
**** Álvaro de Campos, Ode Marítima. – Am Freitag, dem 24. Juli 2026, in der Zeit also, während der wir an diesem Kapitel arbeiteten, sollte der Zitatenkalender die Autorin Zeruya Shalev mit der Einsicht zitieren, die Beschäftigung mit der Vergangenheit sei nützlich für das Schreiben, aber hinderlich im Alltag. Hans Köberlins Erfahrung war, daß sie hinderlich nicht allein für den Alltag, sondern für das Existieren war.

(¡Hans Koberlin vive! oder Schreiben als Ausziehtanz. Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014, nebst einem Prolog, anhebend bei der Schöpfung der Welt, und einem Epilog, fortdauernd bis zu deren Ende, Calpe, Berlin, Heide und wieder Berlin 2013ff., Dritter Teil. Vom 28. April bis 21. August 2014, XVII [Siebente Phase – darin: Besuch von Freunden] Vom 28. April bis zum 15. Mai 2014, S. 2119f.).