Donnerstag, 1. Oktober 2015

Dienstag, der 1. Oktober 2013


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Aber man sollte auch eine Einsicht Adam Thirlwells bedenken, nämlich die, daß die Selbstbefreiung durch die Kunstform des Romans eine besonders schwierige Angelegenheit sei. – Wie dem auch sei: mit dem Telosfragment hatte es die gleiche Bewandtnis wie mit dem Buch der Bücher, von dem Francis Bacon 1625, wie Borges in seiner Rechtfertigung der Kabbala angemerkt, geschrieben hatte, der Stift des heiligen Geistes habe bei den Trübsalen Hiobs länger verweilt als bei den Glückseligkeiten Salomonis, nun: wir hoffen für uns, für den Leser und nicht zuletzt für Hans Köberlin, daß es hier anders kommen wird …
»Lauter hohe Lieder …«
»… in paradisum angeli te deducant …«
O buono Appollo, a l’ultimo lavoro
fammi del tuo valor sì fatto vaso,
come dimandi a dar l’amato alloro.*
»Je crois qu’après le dîner Monsieur de Guermantes montrera le stéréoscope.«**
¡Arriba!***


* Dante Alighieri, Divina Commedia, Paradiso, Canto Primo.
** Marcel Proust, Le Balzac de monsieur de Guermantes; in: Contre Sainte-Beuve.
*** Wir haben für unseren Prolog den Zeitraum von Anbeginn der Schöpfung bis zum Dienstag, dem 1. Oktober 2013 veranschlagt. – Nun: »In der Schiffsbibel von Charles Darwin auf der ›Beagle‹, mit der er von 1831 bis 1836 die Welt bereiste, stand das Datum der Weltschöpfung eingetragen: 23. Oktober 4004 vor Christi Geburt, 9 Uhr vormittags.« (Hans Blumenberg, Die Sorge geht über den Fluß, Frankfurt am Main 1987, S. 47).

(aus: ¡Hans Koberlin vive!, Kapitel I [Prolog], Von Anbeginn der Schöpfung bis zum Dienstag, dem 1. Oktober 2013).

Sonntag, 27. September 2015

Aus dem Handbuch für Raumfahrer

Wenn man nicht weiß, was zu tun ist, darf man garnichts tun.

(Arthur C. Clarke, Sommer auf Ikarus).

Einst und jetzt

In unserem Jahrhundert erschießt man sich, weil man sich vor anderen schämt, vor der Gesellschaft, vor den Fremden … Im vorigen Jahrhundert erschoß man sich, weil man sich vor sich selber schämte. Komisch, heutzutage scheint man zu glauben, daß der Mensch mit sich selbst immer ins Reine kommt.

(Arkadi & Boris Strugatzki, Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang; in: Werkausgabe, hrsg. von Sascha Mamczak und Erik Simon, München 2010, Bd. 2, S. 380).

Freitag, 25. September 2015

No está en el tiempo sucesivio …

Nadie en las calles, pero no es un domingo.
No es un lunes,
el día que nos depara la ilusión de empezar.
No es un martes,
el día que preside el planeta rojo.
No es un miércoles,
el día de aquel dios de los laberintos
que en el Norte fue Odín.
No es jueves,
el día que ya se resigna al domingo.
No es un viernes,
el día regido por la divinidad que en las selvas
entreteje los cuerpos de los amantes.
No es un sábado.

(Jorge Luis Borges, Cambridge; in: Werke in 20 Bänden, hrsg. von Gisbert Haefs und Fritz Arnold, Bd. 12: Schatten und Tiger, Frankfurt am Main 1993, S. 20ff.).

(eine Fußnote aus: ¡Hans Koberlin vive!, Kapitel IV [Transfer complete], 10. bis 12. Oktober 2013).

Mittwoch, 23. September 2015

Nicht mehr und nicht weniger

The various modes of worship which prevailed in the Roman world were all considered by the people as equally true by the philosopher as equally false and by the magistrate as equally useful. And thus toleration produced not only mutual indulgence but even religious concord.

(Edward Gibbon, The History of the Decline and Fall of the Roman Empire, London 1776, Volume I, Chapter 2).

Samstag, 19. September 2015

In der Zone angesichts der goldenen Kugel

Glück für alle, umsonst, und niemand soll gekränkt fortgehen!

(Arkadi & Boris Strugatzki, Picknick am Wegesrand; in: Werkausgabe, hrsg. von Sascha Mamczak und Erik Simon, München 2010, Bd. 2, S. 232).

… not enough of nothing …

»There is too much there there.«

There is not enough of
nothing in it.

(John Cage, 45’ – Music for a Speaker; in: Silence. Lectures and writings by John Cage, Hanover / New England 1961, S. 153).

Mittwoch, 16. September 2015

Ja, früher …

Zu meiner Zeit hätt’ man zumindest getan, als ob man schläft.

(Arno Schmidt, Abend mit Goldrand. Eine MärchenPosse. 55 Bilder aus der Lä/Endlichkeit für Gönner der VerschreibKunst, Frankfurt am Main 1975, S. 32).

Zuvorkommende Begegnungen


(John Cage, 45’ – Music for a Speaker; in: Silence. Lectures and writings by John Cage, Hanover / New England 1961, S. 149).

Heute vor …

… einem Jahr wurde jenes Bild gemacht …

Noch ein Grund, warum ich nicht in den Himmel kommen möchte

Manche Verstorbene, die sich die irdischen Sitten noch nicht abgewöhnt haben, verlangen, wenn sie in den Himmel kommen schottischen Whisky und Zigarren. Für jede Möglichkeit gerüstet, führen die himmlischen Laboratorien die Bestellung aus. Die Seligen kosten die Erzeugnisse und bestellen sie nie wieder.

(Jules Dubosc, Avez-vous une Âme?, zit. n.: Jorge Luis Borges / Adolfo Bioy Casares, Die himmlischen Vorräte; in: Werke in 20 Bänden, hrsg. von Gisbert Haefs und Fritz Arnold, Bd. 11: Das Buch von Himmel und Hölle, Frankfurt am Main 1993, S. 159).

Montag, 14. September 2015

Souveraineté


Mémoires pour Simone (Chris Marker, 1986). – »Jede Theorie, die schlicht Freiheit gegen Zwang setzt, wäre angesichts der Komplexität dieses Sachverhalts verfehlt.« (Niklas Luhmann, Das Kunstwerk und die Selbstreproduktion der Kunst; in: Schriften zu Kunst und Literatur, hrsg. von Niels Werber, Frankfurt am Main 2008, S. 171).

(Fußnote aus: ¡Hans Koberlin vive!, Kapitel I [Prolog], Von Anbeginn der Schöpfung bis zum Dienstag, dem 1. Oktober 2013).

Blooms Hotel

16. Februar 2014

Nach dem Dauerlauf – es war sonnig aber windig – und dem Frühstück und dem Duschen setzte er sich an seinen Tisch im leeren Wintergarten, und um 12Uhr14 – ein gewichtiger Moment in seinem Leben, vielleicht nach seinen schicksalhaften Momenten mit bestimmten Frauen und nach dem Moment seiner Romanpublikation der gewichtigste Moment: »… and first I put my arms around him yes and drew him down to me so he could feel my breasts all perfume yes and his heart was going like mad and yes I said yes I will Yes.«
Nach 1977 und nach 1981 – 1997 war er (wie bei allem im Leben damals) im ersten Drittel steckengeblieben – vollendete Hans Köberlin zum dritten Mal die Lektüre des Ulysses, und er fühlte eine große Leere in sich, er spürte seine Zerrissenheit, die er über der Lektüre vergessen hatte können, es war ihm, als hätte man ihm eine Aufgabe genommen, nämlich die Aufgabe, ein aufmerksamer und liebevoller Leser zu sein, und er hätte am liebsten mit dem Roman gleich wieder von vorne begonnen, am Martello Tower …
Stately, plump Buck Mulligan came from the stairhead, bearing a bowl of lather on wich a mirror and a razor lay crossed. A yellow dressinggown, ungirdled, was sustained gently behind him by the mild morning air. He held the bowl aloft and intoned:
– Introibo ad altare Dei.
»Trieste-Zürich-Paris, 1914-1921.« … sieben Jahre hatte also Joyce daran geschrieben … (er hätte das bei der Siebeneraufzählung in Telos ergänzen sollen): einmal einen langen Atem haben, sich nicht kirre machen lassen von der Welt (die Frau und die Freunde vertrauten doch seinem diesbezüglichen Talent) …
»Die Idee zu meinem Roman hatte ich am heiligen Abend 1988, und zuerst publiziert wurde er kurz vor dem heiligen Abend 2007, wobei ich nicht sagen könnte, ich hätte neunzehn Jahre daran gearbeitet, und wobei ich zu meiner Schande auch nicht sagen könnte, sein Zustand sei lege artis.«
Was das mit dem Frühstück wohl auf sich hatte, das hatte sich Hans Köberlin das ganze letzte Kapitel über gefragt, dann anschließend war er bei Nabokov auf eine plausible Erklärung gestoßen, nämlich daß Mr Bloom der Ansicht sei, sein Wissen um die und seine sillschweigend Duldung der Fortsetzung dieser schmutzigen Geschichte mit Blazes Boylan gebe ihm die Oberhand über Molly. Und auch Nabokov kam, wie auch Thirlwell, zu der Ansicht, Molly liebe Bloom, allerdings mit der Einschränkung, wenn sie überhaupt jemanden liebe. Natürlich hatte Nabokov recht, wenn er schrieb, der sogenannte ›stream of concousness‹ sei eine Kunstform und ein Bewußtsein arbeite nicht so rein sprachlich. Woher er wissen solle, warum er seine Gedanken denke, hatte sich der Protagonist von The Third Policeman gefragt …
Hans Köberlin hielt inne und schloß – quasi um sich zu lesen – die Augen (wie Mr Bloom einmal die Augen geschlossen hatte, um sich nach der Begegnung mit dem blinden Klavierstimmer selber in eine Blindheit zu imaginieren und derart die Haut auf seinem Bauch zu befühlen) …: das permanente von einem hohen Ton gekrönte Rauschen des Blutes in seinen Ohren, Pochen in seinen Schläfen, irgendwo fuhr ein Auto, der Nachbar hupte, ein Hund bellte und eine Frau schimpfte im hiesigen Idiom, Lichtflecken sobald man die Lider lockerte, Geflacker sogar hinter den geschlossenen Lidern, »als wir auf dem Rückweg der Wanderung durch die Siedlungen von Albir gingen, sahen wir in einem Hof an einem komplizierten und mit Stahlseilen verankerten Gerüst aus Stahlrohren ein Artisten-Trapez hängen« … die Assoziation aus The Pale King: Stoppelfeld – Mädchen, das sich die Achselhöhlen selten rasiert … und die Frau nochmals (nicht als Wort), hier (irrealer Eindruck, gewollt zu wollüstigen Vorstellungen imaginiert), die Hauptstadt (multimediale Erinnerungsfetzen, durchgangene Straßenzüge, Baustellen, Kräne in spätsommerlichen Abendhimmeln …), Geld = Zukunft (nonverbal als Gefühl von Sorge und Bedrückung und Ärger über sich selber), der Krafthorizont, sein ›als-ob‹ … »fucked yes damn well fucked too up to my neck« … Finnegans Wake war da wohl näher dran, weil es noch artifizieller als Ulysses war. Beide Werke, Ulysses und noch mehr Finnegans Wake, das empfand Hans Köberlin später beim Hören einer Lesung einmal mehr, waren eigentlich große Poeme, die man eher fachkundig rezitiert hören sollte, denn sie für sich und vor sich hin leise zu lesen, sie waren logische Endpunkte ihrer Kunst, die alles übrige zu Zeitvertreib machten … Hans Köberlin öffnete seine Augen wieder, schaute vor sich auf das geschlossene Buch und damit auf Jonathan Barrys Gemälde der Halfpenny Bridge und die am Rand des Einbands sich durch den intensiven Gebrauch ablösende Schutzfolie, und er sprang damit von seinem Bewußtseinsstrom, beziehungsweise von der versuchten Imagination eines solchen, ab.
»Was nun?«

(aus: ¡Hans Koberlin vive!, Kapitel XII [Phase V – oder: Un gringo en Calpe], 10. Februar bis 6. März 2014).

Pourquoi a-t-on appelé paradis le rang des troisièmes loges à la comédie et à l’opéra?

Il y a pourtant un peu de différence entre monter au ciel et monter aux troisièmes loges.

(Voltaire, Dictionnaire philosophique, Stichwort Paradis).

Sonntag, 13. September 2015

Das Paradies der Dichter

Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.
(1Kor 2.9).

Und was haben die Dichter Borges und Bioy Casares daraus gemacht? Natürlich eine Engführung auf die Sprache: »… sie werden unausprechliche Worte hören, die der Mensch nicht sagen kann«.
(Jorge Luis Borges / Adolfo Bioy Casares, Paradiese, Kapitel Jesus Christus; in: Werke in 20 Bänden, hrsg. von Gisbert Haefs und Fritz Arnold, Bd. 11: Das Buch von Himmel und Hölle, Frankfurt am Main 1993, S. 135).

Samstag, 12. September 2015

Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort (Typographie)


Im Tartaros (aka Kantstraße)
Im Кавказ (aka Wuhlheide)

Also: Vorsicht!

Nicht euch wird der Dämon erlosen, sondern ihr werdet den Dämon wählen.

(Platon, Politeia, X. Buch, zit. n.: Jorge Luis Borges / Adolfo Bioy Casares, Der Armenier Er; in: Werke in 20 Bänden, hrsg. von Gisbert Haefs und Fritz Arnold, Bd. 11: Das Buch von Himmel und Hölle, Frankfurt am Main 1993, S. 120).

Donnerstag, 10. September 2015

Pech

Ihr Unterrock war rot und blau sehr breit gestreift und sah aus, als wenn er aus einem Theater-Vorhang gemacht wäre. Ich hätte für den ersten Platz viel gegeben, aber es wurde nicht gespielt.

(Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher; in: Schriften und Briefe, München 1968ff., Bd 1, S. 105).

Sonntag, 6. September 2015

»Il faudrait du temps!«

Ah! Balzac! Balzac! Il faudrait du temps!

(Marcel Proust, Le Balzac de monsieur de Guermantes; in: Contre Sainte-Beuve).

Freitag, 4. September 2015

»Heva, naked Eve. She had no navel.«

Chateaubriands Génie du Christianisme zufolge war Adam dreißig Jahre alt, als er geschaffen wurde, und Eva sechzehn. Als Kreationist war Chateaubriand sicher auch ein Vertreter der Omphalos-Hypothese (…) Wenn es zuträfe, was die Kurzzeitkreationisten behaupten, daß Gott die Welt am 23. Oktober 4004 vor Christi Geburt, 9 Uhr vormittags, mit ihrer Vergangenheit und der Erinnerung daran erschaffen habe (siehe auch Russells Gedankenspiel in The Analysis of Mind), dann geschah dies also in dem gleichen Modus, in dem wir träumen. War das Erschaffen also ein Träumen? Sind wir ein Traum Gottes?
»Wohl zuviel Borges gelesen!«

(Fußnote aus: ¡Hans Koberlin vive!, Kapitel X [Phase IV – oder: modus vivendi], 7. bis zum 30. Januar 2014).

»Gott lauert in den Intervallen.«

Die Zukunft ist unvermeidlich, präzise; aber es mag sein, daß sie nicht zustande kommt.

(Jorge Luis Borges, Die Schöpfung und P. H. Gosse; in: Werke in 20 Bänden, hrsg. von Gisbert Haefs und Fritz Arnold, Bd. 7: Inquisitionen, Frankfurt am Main 1992, S. 34).

Mittwoch, 2. September 2015

Memento mori

Heute vor 141 Jahren starb am Berg Hancock durch die Hand eines Sioux Winnetou.

Dienstag, 1. September 2015

Heaven is a place where nothing ever happens (Talking Heads)

Die Seligen können nicht sündigen, weil sie es nicht wollen, und sie wollen es nicht, weil sie es nicht mehr können.

(Jorge Luis Borges / Adolfo Bioy Casares, Was die Kirche lehrt; in: Werke in 20 Bänden, hrsg. von Gisbert Haefs und Fritz Arnold, Bd. 11: Das Buch von Himmel und Hölle, Frankfurt am Main 1993, S. 29).

Sonntag, 30. August 2015

Wer lacht da?

Vor seinem Aufbruch zu den Sitzen der Unsterblichkeit übertrug der letzte Held die Aufgabe, die verbliebenen Ungeheuer zu töten, dem ersten Tragöden. Es war abgemacht, daß diese letzte Schlacht gegen die Ungeheuer nun nicht mehr mit Taten, sondern mit Worten stattfinden sollte. Wer lacht da? Das Wort kann tödlicher als die Tat sein.

(Alberto Savinio, Mein privates Lexikon, zusammengestellt und mit einem Nachwort versehen von Richard Schroetter, Frankfurt am Main 2005, Stichwort Tragödie, S. 406).

Freitag, 28. August 2015

Melancholie (20. Februar 2014, 19Uhr02)


(aus: ¡Hans Koberlin vive!, Kapitel XII [Phase V – oder: Un gringo en Calpe], 10. Februar bis 6. März 2014).

Reisen

Dazu (zu Telos, Kapitel XVIII [Reisen]) eine fragmentarische Notiz von Clemens Limbularius, die einzubauen Hans Köberlin übersehen hatte, eine Notiz datiert vom Mittwoch, dem 24. Januar 2007: »Es gibt einen guten (buddhistischen) Alltag und einen schlechten (protestantischen) Alltag und das Reisen dient dazu, dem guten Alltag den Rücken zu stärken, die eigenen bewußten Rituale, die den Alltag heiligen, gegen die fremdbestimmten gehetzten Gewohnheiten, die alles ins Profane ziehen.« Reisen sei eine Halluzination, hatte der Protagonist von Flann O’Briens The Third Policeman de Selby zitiert (vgl. Der dritte Polizist, Frankfurt am Main 1991, S. 66). So abstrus die referierten Theorien de Selbys auch sonst waren, hier gab ihm Hans Köberlin recht, aber wahrscheinlich nicht in dem Sinne de Selbys. Reisen war Hans Köberlin eine Halluzination, weil er sich durch das Reisen – = weg sein – in künftigen Sehnsuchtsorten bewegte, die mit dem empirischen Dortsein bloß die Entfernung von dem Zuhause gemein hatten. Und was sich Hans Köberlin mit seinen Reisehalluzinationen schaffte, das waren quasi Mikroalltage in der Fremde, und zwar Mikroalltage, die sich in jeder noch so divergierenden Fremde wiederholten. »Dahin kommen, dies ohne das Reisen zu können …« Aber da stand die gute alte Mutter Dialektik vor, und außerdem war es nicht verkehrt, ab und an einmal rauszukommen.

(eine Fußnote aus: ¡Hans Koberlin vive!, Kapitel V [Phase I – oder: Altlasten], 13. Oktober bis 2. November 2013).

Warum man »die verzweifelte Traurigkeit der Dichter« ertragen kann

All dem, was in der Welt geschieht, und all den skeptischen Behauptungen der ›Realisten‹ zum Trotz darf der geistige Mensch niemals die Wiedereinrichtung des Paradieses auf Erden aus den Augen verlieren, und er darf auch nie aufhören, darin die einzige und wahre Bestimmung der Menschheit zu sehen. Die Kunst uist das Bild, die Stimme, der Gedanke dieser Idee – und das, wenigstens das, darf und kann niemand leugnen.

(Alberto Savinio, Mein privates Lexikon, zusammengestellt und mit einem Nachwort versehen von Richard Schroetter, Frankfurt am Main 2005, Stichwort Theater, S. 395).

André Breton hat bekanntlich den Surrealismus erfunden, um dem Zwang, durch Arbeit seinen Lebensunterhalt bestreiten zu müssen, zu entgehen; und der junge Faulkner hat das Schreiben als Mittel gesehen, nicht arbeiten zu müssen (vgl. seinen Brief an den Redakteur des Forum Anfang 1930 in: William Faulkner, Briefe; in: Werkausgabe in 29 Bänden, Zürich 1982, Bd. 28, S. 58.), vgl. auch Karl Marx’ vielzitiertes Diktum: »Das Reich der Freiheit (hier war der Begriff ›Freiheit‹ einmal angemessen, fand Clemens) beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion«, ein Diktum mit dem Wehrmutstropfen freilich, daß »das wahre Reich der Freiheit (…) aber nur auf jenem Reich der Notwendigkeit als seiner Basis aufblühn kann.« (Karl Marx / Friedrich Engels, Werke (MEW), hrsg. vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin 1956ff., Bd. 25, S. 828). Der nicht mehr junge Clemens wollte allerdings, das war seine Utopie (und hier würden die Marxisten sicher das Urteil »falsches Bewußtsein!« über ihn fällen), in der Manier von Mt 6.28 und Lk 12.27 und in der Manier des Oblomow, essen ohne dafür arbeiten zu müssen, Oblomowerei, ein Leben in einer bestimmten Art von (feminin angereichertem!) Schlaraffenland (in dem er sich jedoch nicht in der Ausprägung des prolligen »All you can eat!« überfressen würde; daß keine Not mehr sein würde implizierte nicht die Maßlosigkeit). Valéry sah das übrigens ähnlich und mit seinen Intentionen radikaler, wenn er in seinen Cahiers notierte, die Würde des Menschen liege ganz und gar in jenen Augenblicken begründet, in denen er für die Gegenstände der Reflexion ohne praktischen Nutzen und sogar ohne Reiz und ohne Zukunft ebensoviel Aufmerksamkeit und Hingabe abringe, wie er seiner Existenz zukommen lasse … – Bei dem Thema könnte man ein ganzes Faß aufmachen, wir werden sicherlich zu verschiede-nen Anlässen darauf zurückkommen.

(aus: Telos, Berlin 2013, S. 31 und dort der zweite Abschnitt der Fußnote 99).

Mittwoch, 26. August 2015

»You’re gonna need a bigger boat.« (Chief Brody)

Der Filmkalender präsentierte anläßlich des Geburtstags von Roy Scheider (*1932) ein Still aus der Verfilmung von William S. Burroughs’ Naked Lunch (1991), aber keines, das ihn, Scheider, zeigte, sondern den Robocop Peter Weller. In diesem Fall hätte Hans Köberlin ein Still mit Scheider als Chief Brody aus Spielbergs Jaws (1975) signifikanter gefunden. Aber an diesen Film wollte er aus nachvollziehbaren Gründen (er hatte das Poster »Peces del mar Mediterráneo« seines früher häufig konsultierten Fischladens in der Hauptstadt und den darauf unter den ganzen Eßfischen, die er sich hier im ›Consum‹ oder im ›Mercadona‹ kaufte, auch abgebildeten Carcharodon carcharias vor Augen) nicht zu intensiv denken. Am Dienstag, dem 25. August 2015, sollte er in der Hauptstadt mit der Frau im Kino eine Revision von Jaws vornehmen. Dabei kam er zu der Auffassung, daß Spielberg – so wenig er ihn sonst mochte – mit dem Film gelungen war, innerhalb des Genres, in dem es zuvor mehr oder weniger bloß Trash gegeben hatte, ein klassisches Werk zu schaffen. Und während sie nach dem Kinobesuch mit der Stadtbahn zu der Wohnung der Frau fuhren, da fielen Hans Köberlin lauter Bezüge ein, in deren Mitte sich wie eine Spinne in ihrem Netz Jaws befand: »Die ersten Konstellationen dieser Art – Mensch versus Tier oder Monster – gab es bereits in der Antike: Theseus und Herakles und ihre Kämpfe (der Minotauros, der Kerberos), dann die ganzen Drachentöter … Variationen: Mensch versus Alien (Alien, 1979) und Mensch versus Mensch (Cape Fear, 1962 und 1991), Hitchcocks Birds (1963) fiel heraus, weil da die rationale Erklärung verweigert wurde … aber Moby Dick, die Analogie Ahab – Quint lag auf der Hand … King Kong und Godzilla müßten verortet werden … dann Katastrophenfilme als andere Variation, das Motiv der Schicksalsgemeinschaft …«
Die weiteren Geburtstage dieses Tages waren Richard Burton (*1925), Ennio Morricone (*1928) – Hans Köberlin mochte dessen Musik (The Ballad of Hank McCain aus Gli intoccabili und Le clan des Siciliens hatten wir ja bereits erwähnt), vor allem wenn sie von John Zorn interpretiert wurde, und mit Chi Mai hatte Hans Köberlin einmal eine Frau rumbekommen –: »Mille grazie, Ennio!« – und François Périer (*1919), weshalb das Vorjahresblatt Stéphane Audran in Chabrols Juste avant la nuit (1971) zeigte, wie sie ihrem Mann das Laudanum verabreichte.
Weil dies der vorerst letzte Film von Chabrol war, der aus Hans Köberlins Filmkalenderblattsammelkiste anstand, wollen wir hier zu seinem größten Flopp Seeßlen zitieren: »Mit Quiet Days in Clichy (1990) trug auch Claude Chabrol etwas zu dem Spät-Boom des Genres (Softporno) bei (das man unter dem Motto zusammenfassen könnte: Ältere Herren drehen Filme über die Sehnsucht nach jungen Frauen und inszenieren vor allem ihre Ängste). Die Henry Miller-Variation, die Dietrich Kuhlbrodt den ›allerpeinlichsten Film von Chabrol‹ nannte, zeigt in einer Rückschau des greisen Schriftstellers Szenen aus dem Paris der 30er Jahre und reiht einige seiner erotischen Abenteuer aneinander. Der Schriftsteller Joey (Andrew McCarthy), der eigentlich nach Paris kam, um einen Roman zu schreiben, wird von seinem Verleger (Mario Adorf) in Bars und Bordelle geschleppt und fühlt sich dabei immer wohler. Der Film beginnt mit einem Todesbild; der greise Schriftsteller Joey sieht aus dem Fenster: dunkel gekleidete Gestalten sind da zu sehen, Todesvögel, ein junges nacktes Mädchen führt ihn dann zu einer langen Erinnerung an sein Leben in den dreißiger Jahren. Ein Abschiedstraum. Decken wir den Mantel des Mitleids über ihn.« (Erotik. Ästhetik des erotischen Films, Marburg 3. Auflage 1996, S. 145). Auch Hans Köberlin fand, daß der Film ein großes Ärgernis war, aber für ihn war mit einem Plakat geworben worden, das den Anbeter weiblicher unrasierter und rasierter Achselhöhlen (eine Leidenschaft, die er mit Raymond Queneau – man erinnere sich an dessen Schilderung in On est toujours trop bon avec les femmes, wie der arschigste der Osteraufständler, Larry O’Rourke, die an einen Stuhl gefesselte und während einer Schießerei mit den Angelsachsen umgekippte Gertie Girdle aufhob: er faßte sie unter die Arme und stellte das ganze wieder auf seine sechs Beine, und einen Augenblick ließ er seine Hände unter ihren Achselhöhlen, die warm und feucht waren, um anschließend mit ihnen, mit den Händen, als ob nichts wäre unter der Nase vorbeizufahren und blaß zu werden (vgl. Man ist immer zu gut zu den Frauen, Frankfurt am Main 1985, S. 54f.), – und mit Arno Schmidt – »Haarsträußchen id Achselhöhlen vorm Schoß« beschrieb er Ann’Ev’ (Abend mit Goldrand. Eine MärchenPosse. 55 Bilder aus der Lä/Endlichkeit für Gönner der VerschreibKunst, Frankfurt am Main 1975, S. 18) – teilte; und er nötigte die Frau, wann immer er konnte, kein Deodorant zu verwenden: »Don Giovanni singt, er rieche Frauenfleisch, nicht Deodorant!«) faszinierte: man sah den nackten Oberkörper von Barbara de Rossi von der Seite, den rechten Arm hielt sie hochgestreckt, in der Linken ein ausgeklapptes Rasiermesser und in der rechten rasierten Achselhöhle befanden sich noch Reste von Rasierschaum …
Das dritte zu diesem Tag vorhandene Kalenderblatt zeigte schließlich ein Still aus dem von Hans Köberlin nicht gekannten Film Lamerica (Gianni Amelio, 1994).

(eine Fußnote aus: ¡Hans Koberlin vive!, Kapitel VI [Phase II – oder: post Telos], 3. bis 14. November 2013).

Samstag, 22. August 2015

Heute vor …

Am ersten Abend des Epilogs besuchte Hans Köberlin ein Weinfest, das in dem Bezirk, in dem die Frau lebte, veranstaltet wurde.


(aus: ¡Hans Koberlin vive!, Kapitel XXIV [Epilog], vom 22. August 2014 bis zum Ende der Welt).

Freitag, 21. August 2015

Heute vor …

Und schließlich sah Hans Köberlin das gelbe Schild mit dem Namen der Hauptstadt …


(aus: ¡Hans Koberlin vive!, Kapitel XXIII [Transfer retour], 13. bis 21. August 2014).

Und zu diesem denkwürdigen Anlaß: ¡Hans Koberlin vive! in Daten (der Stand von heute):
  • Stand des Manuskripts: S. 808 von ca. 1.800 Seiten
  • Stand der Überarbeitung:
    • Seiten: S. 713 von ca. 1.800 Seiten
    • Kapitel: XII (= Phase V – oder: Un gringo en Calpe) von XXIV Kapiteln nebst einem Anhang
    • Tag der Überarbeitung: Freitag, der 14. Februar 2014, der 136. von 324 konkreten und von allen möglichen Tagen
  • Fußnoten Stand des Manuskripts: 2286
  • Fußnoten am Stand der Überarbeitung: 1948
  • Beginn der Handlung: 23. Oktober 4004 vor unserer Zeitrechnung, 9 Uhr vormittags*
  • Ende der Handlung: fällt mit dem Ende der (oder bloß einer?) Welt zusammen
  • Beginn der Niederschrift: Mittwoch, den 2. Oktober 2013
  • Ende der Niederschrift: noch nicht abzusehen


* (= die momentane Fußnote 299 auf S. 62) Wir haben für unseren Prolog den Zeitraum von Anbeginn der Schöpfung bis zum Dienstag, dem 1. Oktober 2013 veranschlagt. – Nun: »In der Schiffsbibel von Charles Darwin auf der ›Beagle‹, mit der er von 1831 bis 1836 die Welt bereiste, stand das Datum der Weltschöpfung eingetragen: 23. Oktober 4004 vor Christi Geburt, 9 Uhr vormittags.« (Hans Blumenberg, Die Sorge geht über den Fluß, Frankfurt am Main 1987, S. 47).

Wird aktualisiert!

Donnerstag, 20. August 2015

Eine kleine Geschichte von Lanfranconi

Wie der Mensch seine Uhr verlieren kann

Der Mensch geht spazieren und trägt seine Uhr in der Westentasche. Plötzlich bleibt die Uhr stehen, und der Mensch geht weiter.

(Alberto Savinio, Mein privates Lexikon, zusammengestellt und mit einem Nachwort versehen von Richard Schroetter, Frankfurt am Main 2005, Stichwort Seele, S. 351).

Samstag, 15. August 2015

… mit übertriebener Rührung


Ich empfinde die Zeit als etwas überaus Schmerzliches. Was auch immer ich verlasse, ich verlasse es mit übertriebener Rührung: Das ärmliche Zimmer, in dem ich einige Monate zur Miete wohnte, den Tisch eines Hotels auf dem Land, in dem ich sechs Tage verbrachte, sogar den traurigen Wartesaal des Bahnhofs, in dem ich zwei Stunden mit Warten auf den Zug vertat – ja, so ist es, und die schönen Dinge des Lebens schmerzen mich metaphysisch, muß ich sie verlassen.

(Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares, hrsg. von Richard Zenith, Zürich 2003, S. 200).

Montag, 10. August 2015

Zu spät

Denn die Menschen lernen nur, was für ihre bereits verstorbenen Vorfahren von Nutzen gewesen wäre. Nur den Toten vermögen wir die wahren Lebensregeln zu vermitteln.

(Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares, hrsg. von Richard Zenith, Zürich 2003, S.194).

Freitag, 7. August 2015

… quelle insouciance!

… ce soir, quelle insouciance, quelle belle non-conscience du lendemain,
de ce lendemain, où …

 (Aus dem Journal der Gebrüder de Goncourt, Eintrag vom 11. September 1870).

Donnerstag, 6. August 2015

Zum Sitzen



Lamp, table, and bed, and a chair —

a chair for sitting.

Where I might even bring a thought

to a problem or two.

Draw up a chair, draw out a plan.

Process the plan by lamplight,

with your elbows on the table.

Then rest in the bed and dream

of sitting in the chair.

Regardless of room size,

have a lamp, table, and bed, and a chair —

furniture for furnishing answers to questions

… or at least a place to sit.

(David Garland, Furniture; von: Control Songs, 1986; http://davidgarland.bandcamp.com/track/furniture).

Eine Definition von »Klassik«

Alberto Savinio definiert die Funktion der Klassik als Reaktion auf die Romantik darin, »alle (von den Romantikern angehäuften) Werte auf die höchste Potenz und das geringste Volumen zu bringen« (Mein privates Lexikon, zusammengestellt und mit einem Nachwort versehen von Richard Schroetter, Frankfurt am Main 2005, Stichwort Romantik, S. 325). Über die Funktion der Romantik als Reaktion auf die Klassik schreibt er an dieser Stelle nichts.

Mittwoch, 5. August 2015

Artillerie

»Ein Lacher zum falschen Zeitpunkt kann eine wichtige Sache leicht verderben.«
(Flann O’Brien, Aus Dalkeys Archiven. Aus dem Englischen von Harry Rowohlt, Frankfurt am Main 3. Auflage 1996, S. 228).

Man bedenke den Autor, seinen spezifischen Stil und den Gegenstand (siehe Bergson).

Montag, 3. August 2015

… (4 [Fahrrad])


Der Sergeant trank zierlich, tief in Gedanken versunken.
»Michael Gilhaney, einer meiner Bekannten«, sagte er schließlich, »ist ein Mensch, den das Wirken der Mollykül-Theorie schon fast erledigt hat. Würde es Sie ominös verwundern, wenn Sie erführen, daß er auf dem besten Wege in der Gefahr schwebt, ein Fahrrad zu sein?«
Mick schüttelte in höflichem Unverständnis den Kopf.

(Flann O’Brien, Aus Dalkeys Archiven. Aus dem Englischen von Harry Rowohlt, Frankfurt am Main 3. Auflage 1996, S. 109f.).

… (3 [Beton])

Sonntag, 2. August 2015

Montag, 27. Juli 2015

Samstag, 18. Juli 2015

Kinderfragen


»Du Papa, was ist eine ›herrschende Klasse‹?«

Freitag, 17. Juli 2015

Sirtaki

1964 ging ein okzidentaler Möchtegern-Unternehmer nach Griechenland, um eine Geschäftsidee umzusetzen. Er mußte von dem Griechen Zorba lernen, daß die Welt nicht immer so funktioniert, wie man sich das gedacht hat. Und die Botschaft 1964 war: vergiß deinen Ärger und deine ökonomischen Verluste und tanze. Das wurde der Welt damals als vorbildliche Haltung vorgeführt.
Ein halbes Jahrhundert später sieht die Welt anders aus: es hat sich ausgetanzt, man holt sich im Okzident seine wohlfeilen Vorbilder für das Feierabend- und Wochenendgutsein und -wohlfühlen aus dem ferneren Osten.
Es sei  der Phantasie anheimgestellt, wie ein Remake von Zorba the Greek (wenn man es denn überhaupt noch drehte und nicht etwas äquivalentes ferneröstliches daraus machte) aussehen würde … so verlogen, wie die Kulturindustrie ist, würde man auch heute den Antikapitalisten tanzen lassen.

Donnerstag, 16. Juli 2015

Mænd & høns


Das war ein sehr, sehr intelligent gemachter Film (man glaube der Kritik des Tagesspiegel nicht: der Kritiker hat – zumindest bei diesem Film – nicht verstanden, um was es geht), ich sah eine subtile Groteske, und ich wunderte mich nicht, als ich las, daß der Regisseur Anders Thomas Jensen auch das Drehbuch zu Hævnen (Susanne Bier, 2010; vgl. Telos, Berlin 2013, S. 81ff.) geschrieben hatte. Die Frauen sind es, die die Zivilisation in die Welt gebracht haben, das war mein erster Gedanke angesichts dieser Brüderbande und angesichts der Auflösung (vgl. ebd., S. 103 und dort die Fußnote 349), und meine ersten Assoziationen nach dem Film bezüglich der Themen und der Quellen waren: Mythologie, Wissenschaft (vor allem die Biologie von Darwin bis zur Gegenwart), H. G. Wells’ The Island of Dr. Moreau (wegen des Plots am ehesten und wegen der Wissenschaft), Maurice Renards Le Docteur Lernen (wegen der Sexualität, wegen der Chimären und wegen des Stiers – nebenbei bemerkt: der Roman ist eines jener Juwele, die gute Freunde oder der Zufall an einen herantragen und die man dann, nach der Lektüre, sein Leben lang bei sich behält), Raymond Queneaus Saint Glinglin (wegen der Mythologie en miniature: den Berg Ida kann man überall finden) und Arno Schmidts Die Gelehrtenrepublik (wegen all dem zusammen).
Wenn ich mehr dazu sagen würde, würde ich zuviel verraten, mehr würde ich also dann erst dazu sagen wollen, wenn alle von mir aus infrage kommenden Personen den Film gesehen haben und wenn ich ausreichend Zeit zur Reflektion gehabt haben würde.

Dienstag, 14. Juli 2015

Die Herberge zur Vernunft

Auf halbem Wege zwischen Glaube und Kritik liegt die Herberge zur Vernunft. Die Vernunft ist der Glaube an etwas, das man ohne Glauben verstehen kann; doch bleibt es noch immer ein Glaube, denn verstehen setzt voraus, daß es etwas Verstehbares gibt.

(Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares, hrsg. von Richard Zenith, Zürich 2003, S.182).

Montag, 13. Juli 2015

Gewinn aus der Beirrung

Ein Kriterium für intellektuelle Gesundheit ist die Spannweite von Unvereinbarkeiten im Hinblick auf ein und dieselbe Sache, die ausgehalten wird und dazu noch Anreiz bietet, Gewinn aus der Beirrung zu ziehen.

(Hans Blumenberg)

Donnerstag, 9. Juli 2015

Vor der Suche

Nachdem ich bei den Gebrüdern de Goncourt bereits so viel Schlechtes über ihn gelesen habe …


Ich bin an einen Punkt gelangt, oder besser: ich befinde mich in einer Lage, in der man fürchten muß, daß man die Dinge, die zu sagen man am meisten wünschte – oder in Ermangelung solcher, falls das Nachlassen der Sensibilität, das den Bankrott des Talents bedeutet, dies nicht mehr erlauben sollte, mindestens die danach kommenden, die man allerdings im Vergleich zu dem höchsten und heiligsten Ideal nicht sehr hoch einzuschätzen geneigt war, die man aber immerhin nirgends gelesen hat, von denen man annehmen kann, daß sie nicht gesagt werden, wenn man selbst sie nicht sagt, und von denen man erkennt, daß sie doch mit einem, wenn auch weniger tiefen Teil unseres Geistes verbunden sind – plötzlich nicht mehr sagen kann. Man betrachtet sich nur noch als den Träger von geistigen Geheimnissen, der jeden Augenblick verschwinden kann, wobei diese mit ihm verschwinden werden. Und man möchte das Beharrungsvermögen der früheren Trägheit überwinden, indem man ein schönes Gebot Christi aus dem Johannesevangelium befolgt: »Arbeitet, dieweil ihr das Licht habt.«

(Marcel Proust, Gegen Sainte-Beuve, Frankfurt am Main 1962, S. 7).

Dienstag, 7. Juli 2015

b, c, d und Konsorten

Die Verfeinerung des Geistes führt zum geistigen ›Konsonantismus‹.

(Alberto Savinio, Mein privates Lexikon, zusammengestellt und mit einem Nachwort versehen von Richard Schroetter, Frankfurt am Main 2005, Stichwort Naphthalin, S. 268).

Montag, 6. Juli 2015

Eine Melancholie, poetisch artikuliert

La nuit tombait doucement, et la parole du vieillard devenait, de plus en plus, une parole de clair-obscur, une parole s'approchant du grand silence.

(Aus dem Journal der Gebrüder de Goncourt, Eintrag vom 19. Februar 1869).

… et vice versa

Kalt is draus, des miasma ausnützen, bleima herinn.

(Gerhard Polt).

Samstag, 4. Juli 2015

Damals wie heute

21. Oktober [1868] – Als man Mornys [Charles-Auguste-Louis-Joseph Duc de Morny, 1811-1865, Politiker] Autopsie machte, als man sein Gehirn aus der Knochenhülle zog und nichts hatte, um die Leere wieder zu füllen, stopfte man ein paar Nummern des Figaro und des Petit Journal hinein. Der Inhalt dieses Hauptes wurde damit kaum verändert …

(Edmond & Jules de Goncourt, Journal. Erinnerungen aus dem literarischen Leben, Leipzig 2013, Bd. 4, S. 616).

Donnerstag, 2. Juli 2015

Nochmals zu Harry Rowohlt und James Joyce

Am 16. Juni hieß es hier:

Heute ist Bloomsday, ein Feiertag, es gilt aber auch, zweier Verstorbener zu gedenken (es ist ja auch der Tag von Paddy Dignams Beisetzung): am 16. Juni 1955 starb in Triest James Joyces Bruder Stanislaus, seines Bruders Hüter …: eine seltsame Koinzidenz … und hätte Harry Rowohlt noch einen Tag gewartet, dann wäre der Bloomsday sein Todestag gewesen …

Nun, zu dem zweiten Verstorbenen:

Auch Harry Rowohlt hatte zu dem Thema Dichotomien etwas gesagt: »Immer wieder fragen mich Menschen, ob ich nicht mal Lust hätte, den Ulysses neu zu übersetzen. Das ist völlig undenkbar, denn man ist entweder Flann-O’Brien-Fan oder Joyce-Fan. Beides zugleich geht nicht. Man steht entweder auf Beatles oder Stones, man steht entweder auf Gina Lollobrigida oder auf Sophia Loren, man steht entweder auf Paris oder London. Beides hat in einem Menschenherzen keinen Platz. So ist das eben auch mit Flann O’Brien und Joyce. Das ist wie St. Pauli und HSV. Entweder oder.« (In Schlucken-zwei-Spechte. Harry Rowohlt erzählt Ralf Sotscheck sein Leben von der Wiege bis zur Biege, Berlin 2002, S. 146f.). – Nun, im Herzen von Hans Köberlin waren viele Kammern, er war sowohl Flann-O’Brien-Fan als auch Joyce-Fan, das ging beides bei ihm sehr gut. Was die beiden Combos anging, das hatten wir eben (…) geklärt, und nach allem, was er über Georg Seeßlen von den beiden Diven wußte (vgl. * und **), würde Hans Köberlin die Lollobrigida der Loren vorziehen, bei der Stadt der Liebe und der Hauptstadt der Angeln und der Sachsen würde er wieder nicht entscheiden wollen und die Frage, ob St. Pauli oder HSV ging ihm so ziemlich am Arsch vorbei.


* Man erinnere sich: Moses (The Ten Commandments, 1956) & Ben Hur (1959) Charlton ›get your gun‹ Heston als El Cid (neben Sophia Loren, vgl. Georg Seeßlen, Erotik. Ästhetik des erotischen Films, Marburg 3. Auflage 1996, S. 83f.: »In den Historienfilmen wie etwa Attila, flagello di dio (Pietro Francesci, 1954) oder, später, El Cid (Anthony Mann, 1961) ist sie (Sophia Loren) von einer mehr aristokratischen Ausstrahlung als Gina Lollobrigida (auf die kommen wir noch); sie ist nicht, wie diese, unbewußte Auslöserin, sondern denkende und handelnde Person im geschichtlichen Drama, und ihre erotische Triebkraft ist an moralischen Rastern gebrochen. War Gina Lollobrigida eine unschuldige Provokation gegen die Hierarchie die Männerwelt (… [das hier ausgelassene präsentieren wir unten, wenn es um Gina Lollobrigida geht]), so entwickelt sich der Loren-Typus zu einer Art der weiblichen Bestätigung des dynastischen Prinzips.«) … – Nebenbei bemerkt: es gab bei allen Vorbehalten gegen Heston drei wirklich gute Filme mit ihm, nämlich der weiter oben bereits erwähnte Film von Orson Welles, Touch of Evil (1958), Franklin J. Schaffners Originalversion von Planet of the Apes (1968) und, an der Seite von Edward G. Robinson, Richard Fleischers Soylent Green (1973).
** Wegen Jean Delannoys Verfilmung von Hugos Notre-Dame de Paris aus dem Jahr 1957, in der Anthony Quinn den Quasimodo spielte … Gina Lollobrigida … hier das eben bei Sophia Loren ausgelassene: »… wie sie als schöne Zigeunerin Esmeralda als ein ›natürlicher Mensch‹ inmitten einer bizarren, besessenen und erstickenden (Männer-)Welt erschienen war, der die mühsam unterdrückten Triebregungen wieder erweckt, zugleich aber auch die Fähigkeit zu reiner Liebe schafft« (Seeßlen, Ästhetik des erotischen Films, a. a. O., S. 84.). Wie bei der Adaption von Ecos Roman, so blieb auch bei dieser Hugoverfilmung der weiblichen Protagonistin der im Roman vorgesehene Tod auf dem Scheiterhaufen erspart, vielleicht aus ähnlichen Motiven, die Schiller dazu veranlaßten, seine Johanna nicht verbrennen, sondern enthaupten zu lassen.

(aus: ¡Hans Koberlin vive!, Kapitel V [Phase I – oder: Altlasten], 13. Oktober bis 2. November 2013 und Kapitel X [Phase IV – oder: modus vivendi], 7. bis zum 30. Januar 2014).

Montag, 29. Juni 2015

Did you see I’m running?

Zur Urteilskraft

Wir, die wir schreiben, messen die Qualität eines Buches in seinem Nährwert.

(Alberto Savinio, Mein privates Lexikon, zusammengestellt und mit einem Nachwort versehen von Richard Schroetter, Frankfurt am Main 2005, Stichwort Metamorphoseon, S. 250).

Mittwoch, 24. Juni 2015

NO EXIT

am Mittwoch, dem 12. Februar 2014, um 18Uhr42

Dienstag, 23. Juni 2015

Was ist Wahrheit?

Blumenberg über das Uhrengleichnis von Schopenhauer: »Der einsame Besitzer der wahren Zeit in einer Stadt mit lauter falsch gehenden Turmuhren ist kein Weiser, sondern ein Narr.«

Mutter Natur

Hebbel fragte sich am 29. November 1836 in seinem Tagebuch, »ob ein mystisches Gefühl im Menschen liegt, was ihm sagt, ob die öconomisch=umsichtige Natur ihn schon in ihre Pläne verwendet hat, oder nicht?« Das Gefühl mag ja da sein, ich glaube aber nicht, daß es einen Grund außer in dem es Fühlenden hat, denn die Natur hat keinen Plan und agiert auch nicht ökonomisch. Manche sprechen vom »Zufall« und tun dabei so, als wäre das etwas Anrüchiges, was nicht statthaben darf. Und was meinte Hebbel mit »schon«? Wenn schon, dann doch immer, oder?

Montag, 22. Juni 2015

Sinn?

Die Frau: Am Ende des achten Gesangs der Odyssee gibt der König der Phäaken Alkinoos eine Antwort auf die Frage, warum ein Held all die Unbill ertragen muß. Und das kam so: Alkinoos sieht seinen Gast, dessen Identität er noch nicht kennt, erschüttert. Die Erschütterung rührt daher, daß Odysseus (…) mit seiner eigenen Geschichte konfrontiert wird, als während des Gastmahls der blinde Sänger Demodokos ein Epos vom trojanischen Krieg vorträgt. Der Held ist erschüttert, als er mitanhört, was er selbst doch miterlebt hat, es ist, als käme ihm jetzt erst zu Bewußtsein, was alles er da durchgemacht hat, vor Troja und wegen Troja. Daraufhin also Alkinoos …
Alkinoos, König der Phäaken: Sage mir auch, was weinst du, und warum trauerst du so herzlich, wenn du von der Achäer und Ilions Schicksale hörest? Dieses beschloß der Unsterblichen Rat und bestimmte der Menschen Untergang, daß er würd ein Gesang der Enkelgeschlechter.
Die Frau: Das Schicksal und die Widrigkeiten, die den Helden begegnen, werden dadurch motiviert, daß sie den späteren Generationen als Stoff für ihre Geschichten dienen können …
Der Mann: Homer war REALIST. (…)
Lionel Trilling: … die grausame Irrationalität der Bedingungen des menschlichen Lebens, die von einem Idioten erzählte Geschichte, die kindischen Götter, die uns nicht um der Strafe, sondern um des Zeitvertreibs willen martern …
Die Frau: Es ist klar, daß diese Erklärung auf Dauer nicht haltbar war. Denn die Motive lagen hier quasi außen …


* Hans Köberlin, »… schön ist das nicht …« oder: Apologie des Mysteriums; in: Arbeitsgruppe »menschen formen« (Hg.), Ver-Schiede der Kultur. Aufsätze zur Kippe kulturanthropologischen Nachdenkens, Marburg 2002, S. 271f.; siehe dort auch die Nachweise der im Hörstück eingefügten Zitate. Ein ähnliches Beispiel – nicht für die oben aufgezählten re-entries, sondern für den Hohn metaphysischer Instanzen – war natürlich noch die Geschichte Hiobs, dessen Leiden einzig einer Wette Jahwes mit seinem Widersacher entsprangen (siehe Hi 1.6ff.).

(aus: ¡Hans Koberlin vive!, Kapitel XII [Phase V – oder: Un gringo en Calpe], 10. Februar bis 6. März 2014).

Freitag, 19. Juni 2015

Was passiert

Bei guten Büchern ist die Handlung völlig wurscht, wenn Sie Handlung wollen, gehen Sie zum Catchen.

(Harry Rowohlt, vgl. In Schlucken-zwei-Spechte. Harry Rowohlt erzählt Ralf Sotscheck sein Leben von der Wiege bis zur Biege, Berlin 2002, S. 59).

Dienstag, 16. Juni 2015

Eine Kompetenz

MARTINA: (…) ich kann mächtich schweign, wenn’s an der Zeit iss …

(Arno Schmidt, Abend mit Goldrand. Eine MärchenPosse. 55 Bilder aus der Lä/Endlichkeit für Gönner der VerschreibKunst, Frankfurt am Main 1975, S. 30).

Auch dies beim Aufräumen gefunden …

The past is never dead. It’s not even past.
William Faulkner

Zwei frühe Selfies …

Wiesbaden 1986 (?)
Wiesbaden 1987

Die 80er Jahre waren nicht so schlecht wie ihr Ruf jetzt annehmen läßt!

John Cage: Afternote to LECTURE ON NOTHING

In keeping with the thought expressed above that a discussion is nothing more than an entertainment, I prepared six answers for the first six questions asked, regardless of what they were. In 1949 or '50, when the lecture was first delivered (at the Artists' Club as described in the Foreword), there were six questions. In 1960, however, when the speech was delivered for the second time, the audience got the point after two questions and, not wishing to be entertained, refrained from asking anything more.
The answers are:
  1. That is a very good question. I should not want to spoil it with an answer.
  2. My head wants to ache.
  3. Had you heard Marya Freund last April in Palermo singing Arnold Schoenberg's Pierrot Lunaire, I doubt whether you would ask that question.
  4. According to the Farmers' Almanac this is False Spring.
  5. Please repeat the question …
    And again …
    And again …
  6. I have no more answers.
(John Cage, Silence. Lecture on Nothing; in: Silence. Lectures and writings by John Cage, Hanover / New England 1961, S. 126).

Today is Bloomsday!

Heute ist Bloomsday, ein Feiertag, es gilt aber auch, zweier Verstorbener zu gedenken (es ist ja auch der Tag von Paddy Dignams Beisetzung): am 16. Juni 1955 starb in Triest James Joyces Bruder Stanislaus, seines Bruders Hüter …: eine seltsame Koinzidenz … und hätte Harry Rowohlt noch einen Tag gewartet, dann wäre der Bloomsday sein Todestag gewesen … »Gin Tonic – das war für mich der Inbegriff der Zivilisation, mit klirrenden Eiswürfeln zu heißen Soul-Rhythmen die Knochen geschüttelt. Danach war wieder eine Woche lang Beschaulichkeit angesagt.« (In Schlucken-zwei-Spechte. Harry Rowohlt erzählt Ralf Sotscheck sein Leben von der Wiege bis zur Biege, Berlin 2002, S. 210).

*

Und als Hans Köberlin nach dem Duschen schließlich am Schreibtisch saß und sich gerade den Kierkegaard vornehmen wollte, da klingelte es, das dritte Mal, nach dem Gemeindemann und nachdem einmal – wir haben vergessen, das zu erwähnen – seine vom Busenfreund per Eischreiben geschickte neue EC-Karte angekommen war, und wie die beiden Male zuvor erschrak Hans Köberlin. Es war diesmal keine neuerliche Umfrage ob des Status der Häuser (initiiert etwa von der Guardia Civil nach deren Inquirieren neulich), es war wieder el cartero, der ihm das bestellte Exemplar von James Joyces Ulysses im Originalidiom brachte … Wordsworth Classics … auf dem schwarzen Cover ein Gemälde, das die Halfpenny Bridge in Dublin zeigte, von einem Jonathan Barry, der als »Contemporary Irish Artist« vorgestellt wurde … Hans Köberlin freute sich sehr darüber und las gleich dort und in seinen beiden Ausgaben (den Übersetzungen von Goyert und Wollschläger) die berühmten ersten Sätze, man schrieb Donnerstag, den 16 Juni 1904 …

(aus: ¡Hans Koberlin vive!, Kapitel VIII [Phase III – oder: Konsolidierung], 19. November bis 19. Dezember 2013).

Montag, 15. Juni 2015

Beim Aufräumen gefunden …

Verfällt die Wirkung chinesischer Glückskeksprophezeiungen?

Über das romantische Empfinden

Das romantische Empfinden setzt die Dinge jenseits der Dinge fort. Wie der Schatten den Körper. Wie die an den Gegenständen haftende Erinnerung an sie. Die Fortsetzung des Dinges. Lebendig, gegenwärtig, greifbar. Das Ding und zugleich die Erinnerung an das Ding ›in der Gegenwart‹. Sonst haben die Dinge keinen Schatten, keine Erinnerung.

(Alberto Savinio, Mein privates Lexikon, zusammengestellt und mit einem Nachwort versehen von Richard Schroetter, Frankfurt am Main 2005, Stichwort Kometen-Wörter, S. 208).

*

Er verließ also das Haus durch das untere der beiden Tore, schloß es wieder hinter sich ab, hielt sich links (die untere, wie gesagt, adreßgebende Straße war eine Sackgasse, das hatten sie gestern am Abend festgestellt, als sie auf die alte Nachbarin gewartet), auf der Straße Schwellen aus Kunststoff, dead policemen, wie man sie in der neuen Welt nannte, kam bis zu einer Einfallsstraße und ging dort rechts auf einem schotterigen Streifen – aber dennoch auf einer elementareren Erde, wie Borges dieses Empfinden des Gehens in einem Ausnahmezustand einmal komperativ ausgedrückt hatte – neben der Fahrbahn bergab. Mit überhöhter Geschwindigkeit – ein Schild gemahnte 40 – rasten Autos die Einfallstraße hinauf (sie nahmen Anlauf für die Steigung) und hinab (man befand sich Abfahrtsrausch), nach ein paar Metern stand auf dem Schotter neben der Straße das Ortseingangsschild, auf dem, wie auf vielen Schildern in der Region, mit Übermalungen und Überschreibungen der Übermalungen et cetera ad infinitum der bereits erwähnte absurde Kampf um das e ausgetragen wurde.
Hans Köberlin blickte – Achtung: erster Eindruck! – auf eine nach dem hiesigen König – der, das sei hier nur nebenbei bereits verraten, im Verlauf von Hans Köberlins Exil seinen Thron räumen sollte – benannte vierspurige Straße mit einem von der Sonne gedörrten begrünten aber durch Staub gebräunten Mittelstreifen, zu der sich als Fortsetzung die zweispurige Einfallstraße, die er hinabgegangen, hinter einem Kreisverkehr erweiterte, an deren Ende sich ein phallusartiges Hochhaus, ein Teil des bereits erwähnten ›Ifach Parc‹, wie er später herausfinden sollte, erhob. Hans Köberlin dachte, das Gebäude habe die Gestalt eines auf den Kopf gestellten Ypsilons (Sie können der Phallusassoziation folgen?), doch was er von weitem gesehen für die Öffnung zwischen den Schenkeln des kopfstehenden Buchstabens gehalten (Schenkel … jetzt kamen feminine Assoziationen ins Spiel, aber nicht wegen des Anblicks des Gebäudes, sondern wegen der Begriffe seiner Beschreibung), stellte sich später, als er das Gebäude zum ersten Mal von nahem passierte, als verglaster dreieckiger Lobbyvorbau heraus.
(…)
Hans Köberlin empfand angenehm die hier herrschende und anscheinend zu Alliterationen verleitende und eine allgemeine Wollust verbreitende Hitze. Hans Köberlin besah sein Exil im äußersten Maße unkritisch, denn dadurch, daß es ihm Exil war und dadurch, daß es das Meer gab und dadurch, daß die Sonne schien, war der Ort ihm, Hans Köberlin, über jede Kritik – auch die der Frau …
»¡Vive Dios, que me espanta esta grandeza!«
– erhaben. Es galt ihm hier, was die Differenz zwischen Wahrnehmung beziehungsweise Empfindung und die als ›Wirklichkeit‹ an ihn herangetragene Fremdwahrnehmung betraf, Hegels berüchtigtes Diktum: »Umso schlimmer für die Wirklichkeit.« Der Schluß von Borges’ Essay La muralla y los libros fiel ihm ein: die Musik, die Zustände des Glücks, die Mythologie, die von der Zeit gewirkten Gesichter, gewisse Dämmerungen und gewisse Orte, so Borges in einer seiner genialen Aufzählungen, wollten einem etwas sagen oder hätten einem etwas gesagt, was man nicht hätte verlieren dürfen (eine Option à la Baudelaire; H. K.), oder schickten sich an, einem etwas zu sagen, und dieses Bevorstehen einer Offenbarung, zu der es nicht käme (dito; H. K.), sei vielleicht der ästhetische Vorgang.
Linkerhand der vierspurigen Straße reihten sich die Hochhäuser, die er von der Dachterrasse aus gesehen hatte, und rechts lag eine große Brachfläche (»el terreno baldío que se deshace en yuyos y alambres« sollte Hans Köberlin später in Borges’ Luna de enfrente lesen). Die beiden Supermärkte – ›Consum‹ (ein Name, der – anders betont als hier üblich ausgesprochen – bei der Frau Assoziationen an ihre Kindheit auslöste …) und ›Mercadona‹ – lagen links und rechts des Kreisverkehrs.

(aus: ¡Hans Koberlin vive!, Kapitel III [Ankunft], 5. bis 9. Oktober 2013).

Sonntag, 14. Juni 2015

Der Antagonist des ersten Romans betitelt den vierten Roman

Auf der anderen Seite der Wand stand, ebenfalls auf einem Rest der Decke, der allerdings, wegen des unmittelbar daran stoßenden Treppenhauses, etwas breiter war, der Pfarrer, zu dessen Füßen Wolfram kauerte, den Stiefel des Gottesmannes unbarmherzig im Nacken, ein Bild wie von Sankt Georg dem Drachentöter, dachte Clemens da. Wolfram versuchte einige Befreiungsbewegungen, aber das nützte ihm nichts, und sich in seine Lage fügend begann also der Schiffskoch nun, laut und immer wieder ohne Unterbrechung schreiend zu verkünden, Hans Köberlin sei nicht tot, Hans Köberlin lebe, was in Verbindung mit seinem rußgeschwärzten Gesicht einen schauerlichen Eindruck machte und was sicher mit dazu beitrug, daß er später in der Klapsmühle landete.

(HannaH & SesyluS, aus der E-Book-Fassung, die demnächst erscheinen wird).

Freitag, 12. Juni 2015

re-entries

In seinem Essay Magias parciales del Quijote hatte Borges die These aufgestellt, Cervantes habe sich darin gefallen, die Welt des Lesers und die Welt des Buches zu vermischen, und er brachte als Beispiel, wie Cervantes den Barbier, eine seiner Figuren, eines seiner, Cervantes’, Werke – die Galatea – der Kritik unterzogen habe, und daß die Protagonisten zu Beginn des zweiten Teils den ersten Teil der Beschreibung ihrer Abenteuer gelesen hatten. Anschließend brachte er weitere Beispiele, in denen das Werk im Werk nochmals auftauchte …
  • Hamlet als Theaterstück in Hamlet,
  • das Ramayana und sein Autor Valmiki am Ende der Ramayana,
  • das Märchen der 602. Nacht in Tausendundeiner Nacht,
  • Josiah Royces The World and the Individual, wo die vollständige Karte eines Landes im Maßstab 1:1 ihre Karte enthalte, die wiederum ihre Karte enthalte, die wiederum ihre Karte … (subitil aufgegriffen von Michel Houellebecq in La Carte et le territoire, Paris 2010),
  • der Teppich, den Helena wie in der Ilias beschrieben in Troja gewebt hatte und der die in der Ilias geschilderten Kriegsszenen darstellte, und
  • Aeneas, der in der Aeneis in Karthago Reliefs mit Szenen aus dem trojanischen Krieg sah, unter anderem solchen mit sich selber,
… wir würden noch ergänzen …
  • nochmals die Ilias, die nämlich Odysseus in der Odyssee von dem blinden Rhapsoden der Phäaken vorgetragen hörte,
  • la recherche du temps perdu, die sich Marcel, wie eben bereits erwähnt, am Ende von À la recherche du temps perdu anschickte, zu beschreiben,
  • der in der Ilias beschriebene Schild des Achilles, der die gesamte Welt darstellte und also eine Art von Proto-Aleph war*, und schließlich
  • wir, die wir von dem Autor Hans Köberlin berichten, der die Fragmente unseres Berichts über die seltsamen Abenteuer seines, Hans Köberlins kommentierenden Herausgebers, kommentiert und herausgibt.
»It’s a Mad Mad Mad Mad World!«
»… lisant au livre de lui-même …«**
… wie Borges selber, am Ende von La busca de Averroes, gefühlt hatte, nämlich daß seine Erzählung ein Symbol des Menschen war, der er gewesen war, während er sie geschrieben hatte, und daß er, um diese Erzählung zu schreiben, dieser Mensch habe sein müssen, und um dieser Mensch zu sein, diese Erzählung habe verfassen müssen, und so ad infinitum.


* Vgl. dazu auch vom Verf. … du rissest dich denn ein., Berlin 2010, S. 491: »… angefangen mit der Abbildung der Welt auf dem von Hephaistos verfertigten Schild des Achilleus bei Homer – wo die Welterschließung in toto noch deskriptiv geschehen konnte, weil die Welt noch überschaubar war; Realismus fände immer an einem gewissen Komplexitätsgrad seine Grenze, wenn er nicht die Komplexität selber als Gegenstand nähme …«
** Stéphane Mallarmé, Hamlet et Fortinbras.

(aus: ¡Hans Koberlin vive!, Kapitel XII [Phase V – oder: Un gringo en Calpe], 10. Februar bis 6. März 2014).

Mittwoch, 10. Juni 2015

John Cage, Indeterminacy

[57 / 267]
Hans Köberlin hörte während seines Dauerlaufs tatsächlich John Cages Indeterminacy, er schaffte die ersten beiden Teile und zehn Minuten des dritten Teils, das hieß, daß er in den vergangenen eineinhalb Wochen der großen Dauerlaufstrecke schneller geworden war. In einer dieser Geschichten erzählte Cage (während Hans Köberlin südlich hinter der Hauptstraße Treppenstufen hinunter zum Strand lief) von einem Freund aus der Stadt des Lichts, der seinen alten Ford (wohl so ein Kleinbus, ›Transit‹ oder wie die Dinger geheißen) mit Möbeln und Topfpflanzen zu einem mobilen Wohnzimmer gemacht hatte. Eines Tages dann sei er damit vor einer Hamburgerbude vorgefahren, habe einen roten Teppich ausgerollt, sei darüber in die Bude gegangen, habe einen Hamburger gegessen, habe anschließend den Teppich wieder eingerollt und sei weitergefahren. – Mit dem Hören von John Cages Geschichten, während des Dauerlaufens im Hinterland, vorbei an den beiden Discountern aus Hans Köberlins Herkunftsland, die zu boykottieren er sich entschlossen hatte, und vorbei an dem dazwischen liegenden nach Odysseus benannten Trailerpark und den beiden vereinzelten Hochhäusern im Hinterland, und über die Brücke über das ausgetrocknete Flußbett (wir vergessen immer, wie diese hier häufig vorkommenden ausgetrockneten Flußbetten genannt wurden) am Ende des Hinterlande und am Anfang des Ortes, und vorbei an den beiden Tankstellen und über die Straße, die wegen der sie flankierenden Allee als einzige Avenida des Ortes in Hans Köberlins Imagination die Bezeichnung Avenida verdient hatte und auf deren Zebrastreifen er wegen des hiesigen Fahrstils stets befürchtete, daß ihn hier einmal sein Schicksal ereilen könne …: mit John Cage im Ohr von einem dieser protzigen SUVs, wie man die dämlich nannte, überrollt … – aber das mit der Avenida stimmte nicht ganz: es gab noch die ein oder andere Stelle, die sich ihre Berechtigung aus anderen (Re-)Imaginationen Hans Köberlins holen konnte – und weiter durch den Ort an die Promenade und dann am Meer entlang – mit dem Hören von John Cages Geschichten also sollte es seine besondere Bewandtnis haben, aber dazu später mehr. (…)

[58 / 266]
Auch an diesem Morgen, nachdem er nach Aktualisierung des Filmkalenders ein Still aus Max Ophüls’ Adaption der Stevan-Zweig-Novelle Brief einer Unbekannten goutiert hatte, hörte Hans Köberlin während seines Dauerlaufs Cages Indeterminacy, er begann aber diesmal mit dem zweiten Teil, um mit dem Hören weiter als gestern zu kommen. Das hatte den Nebeneffekt – der Cage bestimmt gefallen hätte –, daß es zu einer Art von Phasenverschiebung betreffs des Hörens bestimmter Geschichten und den Orten des Hörens dieser Geschichten kam, weil Hans Köberlin sich beim jeweiligen Hören an die Orte des vormaligen Hörens erinnerte, die spezifische Rezeptionssituation war ihm ja – was einen bei Hans Köberlin sicher nicht wunderte – Teil der Rezeption. So hörte er zum Beispiel heute die Geschichte von Cages Freund mit dem alten Ford, die er gestern an den Stufen zum Strand südlich hinter der Hauptstraße gehört hatte, bereits auf einer der Straßen im Hinterland. Er hörte die Geschichte also aktuell und simultan, quasi als Echo aus der Vergangenheit … Und er sollte sich fürder, wenn er die Rezeptionsorte auch ohne Cage zu hören passierte, an die Cage-Rezeptionssituation während seines Dauerlaufs erinnern.
In einer anderen Geschichte, die Hans Köberlin diesmal überhört hatte oder die sich im ersten, diesmal nicht gehörten Teil befand (der Erinnerung der Rezeptionssituation nach war der erste Fall, also das Überhören, wahrscheinlicher), ging es um ein Mädchen, das in einer schulischen Situation nie ihre Aufgaben erledigte. Als sie gefragt wurde, warum sie das nicht täte, antwortete sie, sie habe keine Zeit dafür gehabt. Was sie denn glaube, so der Lehrer weiter, wie viele Stunden ein Tag habe? – Na, vierundzwanzig. – Nein, so der Lehrer weiter, der Tag habe so viele Stunden, wie man ihm geben würde. – Da war etwas dran, so Hans Köberlin, aber wie bei allen solchen Geschichten: nur etwas, der Hauch einer Metapher, denn der Tag hatte nun einmal bloß vierundzwanzig Stunden, da biß die Maus keinen Faden ab.
Noch eine andere Geschichte gefiel Hans Köberlin außerordentlich: »Artists talk a lot about freedom«, so Cage, und man gebrauche häufig den Vergleich »free as a bird«, nun, Morton Feldman habe neulich im Park Vögel beobachtet (»our feathered friends«, nannte sie Cage) und sei zu der Einsicht gekommen: »They’re not free: they’re fighting over bits of food«, eine Erfahrung, die Hans Köberlin auch mit den Spatzen und den Tauben und den Möwen auf der Terrasse der ›Tango Bar‹ machte, und er, Hans Köberlin, war auch nicht frei, denn er mußte seine Nüßchen zum Wein gegen seine gefiederten Freunde, die er eher als seine gefiederten Feinde betrachtete, verteidigen (und natürlich sympathisierte er mit dem Taubenvergifter im Park).
Und wenn Cage von einer Einladung zu einem Essen bei einer indischen Freundin erzählte, zu dem außer ihm noch Dr. Suzuki, Gertrude Stein und James Joyce gekommen,* da dachte Hans Köberlin: »Ach …!«


* Da aber hatte Hans Köberlin nicht aufmerksam zugehört …
»An Indian lady invited me to dinner and said Dr. Suzuki would be there. He was. Before dinner I mentioned Gertrude Stein. Suzuki had never heard of her. I described aspects of her work, which he said sounded very interesting. Stimulated, I mentioned James Joyce, whose name was also new to him. At dinner he was unable to eat the curries that were offered, so a few uncooked vegetables and fruits were brought, which he enjoyed. After dinner the talk turned to metaphysical problems, and there were many questions, for the hostess was a follower of a certain Indian yogi and her guests were more or less equally divided between allegiance to Indian thought and to Japanese thought. About eleven o’clock we were out on the street walking along, and an American lady said, ›How is it, Dr. Suzuki? We spend the evening asking you questions and nothing is decided.‹ Dr. Suzuki smiled and said, ›That’s why I love philosophy; no one wins.‹« (Composition as Process; in: Silence. Lectures and writings by John Cage, Hanover / New England 1961, S. 41).

(aus: ¡Hans Koberlin vive!, Kapitel VIII [Phase III – oder: Konsolidierung], 19. November bis 19. Dezember 2013). 

Verleser

Anschließend unterlief Hans Köberlin ein Verleser, der ihm sehr gut gefiel: »Cioran hat oft darauf aufmerksam gemacht, daß die charakteristische Regung seines Denkens und Schreibens die Umkehrung eines Fluchs in eine Aufzeichnung gewesen sei«, las er, aber Sloterdijk hatte natürlich geschrieben: »Cioran hat oft darauf aufmerksam gemacht, daß die charakteristische Regung seines Denkens und Schreibens die Umkehrung eines Fluchs in eine Auszeichnung gewesen sei.«
(aus: ¡Hans Koberlin vive!, Kapitel I [Prolog], Von Anbeginn der Schöpfung bis zum Dienstag, dem 1. Oktober 2013).

*

Statt »Das Denkmal an der Grenze seiner Sprachfähigkeit« (ein Buchtitel) las ich ›Das Denkmal für die Grenze der Sprachfähigkeit‹ und dachte, das sei der Titel eines Kunstwerks.

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Hans Blumenberg: »Diese Verlesung (statt ›si fractus illabatur / impavidum ferient ruinae‹ ›sic fratus illabitur …‹) ist die Wunschhandlung eines Theologen, den Konjunktiv des antiken Autors zum eschatologischen Indikativ seiner spezifischen Gewißheit zu machen.«

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Verleser bei einem Gedicht von Heinrich Heine: »… klingt das Lied auch nicht ergötzlich, / hat’s mich doch von Arbeit befreit.« Bei Heine steht jedoch: »hat’s mich doch von Angst befreit.«

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»Ich korrigiere die Fahnen der Lukian-Auswahl, die ich für Bompiani gemacht habe. In meiner Anmerkung zu Eine wahre Geschichte hatte ich geschrieben: ›Der Homer der Legende ist blind, weil der Tradition zufolge die Muse dem Dichter den Gesang (il canto) gibt und ihm das Augenlicht nimmt.‹ Aber der Setzer hat statt canto (Gesang) conto (Rechnung) gesetzt.«
(Alberto Savinio, Mein privates Lexikon, zusammengestellt und mit einem Nachwort versehen von Richard Schroetter, Frankfurt am Main 2005, Stichwort Kalauer, S. 187).

Und dies ist der 132. Eintrag


(John Cage, Silence. Lecture on Nothing; in: Silence. Lectures and writings by John Cage, Hanover / New England 1961, S. 112).

*

This is the first verse
This is the first verse
This is the first verse
This is the first verse …
And this is the chorus
Or perhaps it’s a bridge
Or just another part
of the song that I'm singing

This is the second verse
Or it may the last verse
This is the second verse
Or it may the last one
And this is the chorus
Or perhaps it’s a bridge
Or just another key change …

(Matching Mole, Signed Curtain; Words & Music by Robert Wyatt).

Dienstag, 9. Juni 2015

Das kann einem so passieren


(aus: ¡Hans Koberlin vive!, Kapitel XII [Phase V – oder: Un gringo en Calpe], 10. Februar bis 6. März 2014).

Montag, 8. Juni 2015

Form und Welt

Was ist die Einheit einer Zweiheit?

(Niklas Luhmann, Die Welt der Kunst; in: Schriften zu Kunst und Literatur, hrsg. von Niels Werber, Frankfurt am Main 2008, S. 301).

Samstag, 6. Juni 2015

Jules et Edmond en Rome

Ah! le peuple heureux que ce peuple gai de la gaieté de son ciel, avec ses bonheurs à bon marché, achetant la viande de première qualité, douze baïoques, et le vin rien, pour ainsi dire, et sans la conscription, et sans presque d’impôts, et sans humiliation dans la pauvreté, et sans amertume dans la misère, soulagé qu’il est par tant d’institutions de bienfaisance, et aussi par la main à la poche des un peu moins pauvres que les plus pauvres.
Quand je compare ce peuple aux peuples de progrès et de liberté, marqués au signe de ce sinistre affairement moderne, en lutte avec le budget de chaque jour, massacrés d’impôts, y compris celui du sang, je trouve vraiment que les mots se payent bien cher.

(Aus dem Journal der Gebrüder de Goncourt, Eintrag vom 15. April 1867).

Freitag, 5. Juni 2015

Nöte

Wie gerne hätten wir in Bezug auf Hans Köberlin jene Verse aus Borges’ Sonett über den Chronisten des Ritters von der traurigen Gestalt zitiert …
Contemplaría, hundido el sol, el ancho
Campo en que dura un resplandor de cobre;
Se creía acabado, solo y pobre,

Sin saber de qué música era dueño …
Allein: wir waren dazu nicht Nachwelt genug.

(aus: ¡Hans Koberlin vive!, Kapitel XII [Phase V – oder: Un gringo en Calpe], 10. Februar bis 6. März 2014).