Dienstag, 9. Mai 2017

P. K. D. #92

In Whatʼll We Do With Ragland Park? / »No Ordinary Guy« tritt das Personal der vorherigen Geschichte wieder auf, der bauernschlaue Tyrann und der Nachrichtenclown. Protagonist ist der Betreiber eines Kultursenders, der den Nachrichtenclown aus dem Gefängnis holt und einen Folksänger engagiert, dessen Balladen kurz nach dem Vortrag Realität werden, also eine … du rissest dich denn ein.-Geschichte. Der Sänger ahnt nichts von seiner Gabe, und als der Intendant sie entdeckt, bekommt er es mit der Angst ob solcher Macht zu tun, und er fragt sich, wie man den Sänger unschädlich machen kann. Der erledigt das selber, indem er seinen eigenen Märtyrertod besingt. ‒ Häufig bleiben die Orte, an denen sich Dicks Figuren aufhalten, zu vage.

Samstag, 6. Mai 2017

P. K. D. #91

In Stand-by / »Top Stand-by Job« wird die USA von einem Elektronengehirn regiert. Für den Fall seines Ausfalls stellt die Gewerkschaft einen sogenannten Bereitschaftspräsidenten. Dieser bauernschlaue Dumpfmensch übernimmt während eines durch einen Alien-Angriff ausgelösten Computerausfalls die Herrschaft, nachdem er sich zuvor mit dem obersten Nachrichtenclown überworfen hat. Die beiden kämpfen um die Macht, bis das wieder reparierte Elektronengehirn sich zurückmeldet und dem Treiben ein Ende setzt. Ich mußte an Sopranos denken und die Scheinarbeitsplätze, die die Mafia auf diversen Baustellen betrieb.

Montag, 1. Mai 2017

Fenster #126

P. K. D. #90

In The Days of Perky Pat / »In the Days of Perky Pat« verbringen die Überlebenden eines globalen Krieges ihre Zeit damit, eine Art von Barbie-Puppen-Monopoly zu spielen, während ihre Kinder sich heimlich die basalen archaischen Überlebenstechniken aneignen. Es kommt bei dem Spiel zu einem Duell zweier Bunker, wobei die titelgebende Figur, die sich im Teenageralter befindet, gegen eine Figur antritt, die eine reife Frau ist, und zudem schwanger, was impliziert, daß sie Sex hatte. Es ging um Dekadenz und darum, sein Schicksal in die Hand zu nehmen. Ich mußte an Die Schnecke am Hang von den Strugatzkis denken. Dick kommt es immer, wie bereits desöfteren erwähnt, um die Ausarbeitung einer Idee für eine Geschichte an. Das Interessante, das zwischen Idee und Geschichte liegt und in dessen Ausfabulierung Borges ein Meister war, taucht bloß punktuell auf.

Fenster #125

P. K. D. #89

Orpheus With Clay Feet ist wie Waterspider eine autothematische Geschichte, was mit dem basalen Paradox der Zeitreisen in die Vergangenheit korreliert. Leute, die selbst nicht kreativ sind, reisen in die Vergangenheit, um Künstler zu ihren Werken zu inspirieren. Der Protagonist will einen SF-Autor zu dessen großem Epos inspirieren, was aber schiefläuft und das Epos aus der Geschichte verschwinden läßt. Der Autor verarbeitet sein Erlebnis mit dem Zeitreisenden in einer Geschichte mit dem Titel Orpheus With Clay Feet und stirbt verarmt. Der Protagonist muß daraufhin als Strafe in die Vergangenheit, um den Hitler der wiener Malerzeit zu deinspirieren.

Fenster #124

Fenster #123

Fenster #122

P. K. D. #88

What the Dead Men Say / »Man With a Broken Match« ist in einer Zeit angesiedelt, in der man nach dem Tod noch ein gewisses Quantum Halbleben hat, bevor man endgültig stirbt. Man kommt in Leichenhallen, in denen die Verwandten noch einige Zeit an sogenannten »Wiederauferstehungstagen« mit einem kommunizieren können. Als der mächtigste Mann der Erde stirbt, funktioniert sein Halbleben nicht, dafür hört man durch sämtliche Medien auf der Erde ununterbrochen seine Stimme aus dem All vor sich hinbrabbeln und kann dies Gebrabbel auch in sämtlichen Zeitungen lesen. Und als dann seine psychopathische und drogensüchtige Enkelin ihn beerbt und sein PR-Mann sich in die Erbin verliebt ‒ ein Novum bei den Geschichten bisher ‒, setzen die Verwicklungen ein. An deren Ende entpuppt sich die Erbin als Drahtzieherin des Komplotts, das man mitverfolgt hat, und unter denen, die sich ihr entgegenstellen und sie ausschalten wollen, zieht ausgerechnet der PR-Mann beim Losen um diese undankbare Aufgabe den Kürzeren. Die Erzählung ist etwas zu lang geraten.

P. K. D. #87

Waterspider ist eine autothematische satirische Erzählung: man hat ein Raumfahrtproblem und alles technische Wissen stammt aus Science-Fiction-Magazinen, deren Autoren man für Präkogs hält. Um das Raumfahrtproblem zu lösen, reist man in die Vergangenheit auf einen Kongreß der Science-Fiction-Autoren, wo Dick, Bradbury et cetera sich versammelt haben. Einen der Autoren holt man in die eigene Zeit, er löst das Problem, aber als man ihm vor der Rückreise in die Vergangenheit die Erinnerung an die Zeitreise löscht, ist auch die Lösung wieder verschwunden.

Sonntag, 30. April 2017

Fenster #121

P. K. D. #86

Novelty Act / »At Second Jug« spielt in der nicht ganz so entfernten Zukunft in den USA. Es gibt nur noch eine Partei, die republikanischen Demokraten, und Regierungsform ist das Matriarchat. Die Menschen leben in großen Wohneinheiten, die tribal straff organisiert sind und gegeneinander konkurrieren. Die First Lady ist in den Medien omnipräsent, gewählt wird – wie bei Ranke-Graves beschrieben ‒ ihr Gatte auf Zeit, und die einzige Möglichkeit, sie zu Gesicht zu bekommen, ist bei einem Talentwettbewerb zu gewinnen. Zwei Brüder versuchen es, indem sie auf sogenannten Jugs Bach blasen. Dabei kommt heraus, die First Lady ist ein Kunstprodukt, das seit Jahren von diversen Schauspielerinnen verkörpert wird.

Fenster #120

Fenster #119

Fenster #118

Samstag, 29. April 2017

P. K. D. #85

In If There Were No Benny Cemoli / »Had There Never Been a Benny Cemoli« landet eine intergalaktische Polizei- und Wiederaufbautruppe auf der nach einem Krieg völlig vernichteten Erde und besetzt sie. Den überlebenden Kriegsverbrechern soll – wie in Nürnberg – der Prozeß gemacht werden. Diese haben, um von sich abzulenken, die Figur des Benny Cemoli erfunden, quasi ein Yancy mit umgekehrten Vorzeichen, der an allem schuld gewesen sein soll, und diese Figur erfolgreich den Besatzern untergeschoben, indem sie die Nachrichten der vollautomatisch funktionierenden reaktivierten New York Times manipulierten.

Fenster #117

Dienstag, 25. April 2017

P. K. D. #84

In War Game / »Diversion« werden von Ganymed exportierte Spielzeuge Tests unterzogen, bevor der Import und Verkauf auf Terra erlaubt wird, da man den Produzenten Heimtücke unterstellt. Während der alle Aufmerksamkeit fesselnden Beobachtung eines komplexen Kriegsspielzeugs wird en passent ein Brettspiel zugelassen. Das Spiel ist eine Art von umgekehrtem Monopoly, bei dem der gewinnt, der am Ende alle seine Aktien verloren hat. Es bleibt offen, ob pädagogisch via Kinderzimmer ein Antikapitalismus etabliert werden soll, oder ob die Leute von Ganymed durch allmähliche Umerziehung die Raffgier auf Terra nur deshalb schwächen wollen, um anschließend die Terraner umso besser abzocken zu können.

P. K. D. #83

In Explorers We schicken die Marsbewohner immer wieder Kopien einer eigentlich gescheiterten Marsmission zurück auf die Erde, warum bleibt unklar. Die sechs Astronauten haben kein Bewußtsein von ihrem Status als Kopien und werden jedesmal von einem FBI-Team in Empfang genommen und stante pede mit Napalm verbrannt. Ein sensibler Agent dieses Teams glaubt, daß die Marsbewohner – wie in Martians Come in Clouds / »The Buggies« – Kontakt aufnehmen wollen.

Montag, 24. April 2017

Fenster #116

P. K. D. #82

In The Unreconstructed M hat jemand einen Roboter konstruiert, der tötet, dann falsche Spuren legt und sich anschließend zur Tarnung in einen Fernseher verwandelt. Drumherum geht es um eine Frau, die eine Intrige spinnt, um die Scheidung zu erreichen. Interessant ist, daß die Killermaschine in einer altmodischen Hinterhofwerkstatt konstruiert wurde. Wieder einmal verreißt Dick das Ende, indem er es unnötig dehnt, aber man könnte sich auch wieder einmal vorstellen, daß Hollywood die Idee adaptierte.

P. K. D. #81

In Recall Mechanism konsultiert ein Mann einen Psychoanalytiker, weil er panische Angst hat, zu fallen. Der Therapeut findet heraus, daß das Trauma des Mannes nicht in der Vergangenheit liegt, sondern in der Zukunft, in der er in ein paar Monaten zutodegestürzt wird. Er ist ein latenter Präkog, wie sein Mörder, der gleichzeitig mit der panischen Angst, jemanden von irgendwo oben herunterzustoßen, zu einem anderen Psychoanalytiker geht. – Die Präkogs sind eine Erfindung Dicks, mit der er viele einfache Ideen komplex umsetzen kann.

Fenster #115

Freitag, 21. April 2017

Donnerstag, 20. April 2017

P. K. D. #80

The Minority Report ist die erste der bis jetzt gelesenen Geschichten, die ich verfilmt gesehen habe (die erste explizite Dick-Verfilmung, die ich bewußt gesehen habe, war Verhoevens Total Recall). Dunkle Erinnerung ans Kino, es war aber anders … Die bereits aus mehreren Erzählungen bekannten Präkogs – hier drei Stück in einer debilen Version – sagen Verbrechen voraus, die die Polizei prophylaktisch verhindert: man wird wegen einer rein potentiellen Tat ins Lager gesteckt. Eines Tages sieht der Polizeichef seinen Namen auf der Täterliste. Durch dieses Wissen um den Report bringt er die Prophezeiungen durcheinander. Es gibt hier keinen minority report, sondern drei individuelle Versionen. Der Moment als Anderton dahinterkommt, daß es minority reports gibt, ist in der Erzählung nicht gut dargestellt: Anderton hätte dies als einer der Initiatoren des gesamten Projekts vergessen können (im Sinne von: nicht präsent haben, was schon unwahrscheinlich genug wäre), aber es hätte keine wirkliche Information für ihn sein dürfen. Am Ende hat Dick zuviel Erklärungsbedürfnis.

P. K. D. #79

In The Mold of Yancy wird die Bevölkerung eines Mondes des Jupiters (oder des Saturns?) durch die in allen Medien verbreitete Kunstfigur Yancy gleichgeschaltet und manipuliert, um sie auf einen Krieg vorzubereiten. Dick hatte nach eigenem Bekunden dabei Eisenhower im Sinn.

Samstag, 15. April 2017

P. K. D. #78

In Captive Market hat eine alte Drugstorebetreiberin ein Zeitloch entdeckt, durch das nur sie kann. Auf der anderen Seite bauen Überlebende des nuklearen Krieges an einer Rakete, die sie von der lebensfeindlich gewordenen Erde zur Venus bringen soll. Für viel Geld übernimmt sie die Verproviantierung. Als die Rakete startet ist sie zunächst entsetzt, ihren lukrativen Markt verloren zu haben, wechselt aber dann das Zeitloch und geht in eine Zukunft, in der die Rakete wieder abstürzt. – In dieser Geschichte bricht Dick der Spanungsbogen. Sein Lektor bei Haffmanns bringt das Problem mit P. K. D. auf den Punkt: »Philip K. Dick fühlte sich nicht der Literatur verpflichtet, sondern den Ideen.« (Heiko Arntz, Philip K. Dick und einige seiner Bewunderer: Zur Neuausgabe der Sämtlichen SF-Geschichten; in: Der Philip K. Dick Companion, Beibuch zu Sämtliche 118 SF-Geschichten in fünf Bänden, Frankfurt am Main 3. Aufl. 2014, Bd. 5, S. 25).

Empirie, 9. Update

¡Hans Koberlin vive! in Daten (der Stand von heute):

  • Stand des Manuskripts:
    • Seiten: S. 1056 von ca. 1.800 Seiten
    • Fußnoten: 3098
  • Stand der Überarbeitung:
    • Seiten: S. 860 von ca. 1.800 Seiten
    • Fußnoten: 2487
    • Kapitel: XII (= Phase V – oder: Un gringo en Calpe) von XXIV Kapiteln nebst einem Anhang
    • Tag der Überarbeitung: Samstag, der 22. Februar 2014, der 144. von 324 konkreten und von allen möglichen Tagen
  • Beginn der Handlung: 23. Oktober 4004 vor unserer Zeitrechnung, 9 Uhr vormittags*
  • Ende der Handlung: fällt mit dem Ende der (oder bloß einer?) Welt zusammen
  • Beginn der Niederschrift: Mittwoch, den 2. Oktober 2013
  • Ende der Niederschrift: noch nicht abzusehen

* (= [nach einer Umstellung] die Fußnote 4 auf S. 7) »Non in tempore sed cum tempore Deus creavit caela et terram.« (Augustinus). ‒ Nun: »In der Schiffsbibel von Charles Darwin auf der ›Beagle‹, mit der er von 1831 bis 1836 die Welt bereiste, stand das Datum der Weltschöpfung eingetragen: 23. Oktober 4004 vor Christi Geburt, 9 Uhr vormittags.« (Hans Blumenberg, Die Sorge geht über den Fluß, Frankfurt am Main 1987, S. 47).

Wird aktualisiert!

Freitag, 14. April 2017

Bei mir ist das immer weniger möglich

Es muß immer möglich sein, zu sagen »Hast du die Geschichte über – – – – gelesen« und dann zusammenzufassen, worum es darin ging.

(Philip K. Dick, Afterthought by the Author; in: Sämtliche 118 SF-Geschichten in fünf Bänden, Frankfurt am Main 3. Aufl. 2014, Bd. 5, S. 628).

P. K. D. #77

In Service Call kommt ein Mechaniker aus der Zukunft, um ein Gerät, das es noch nicht gibt, zu warten. Es stellt sich heraus, daß das Gerät die Menschen kontrolliert und selber von dem Mechaniker kontrolliert wird, der also, ohne sich dessen bewußt zu sein (wie er sich auch der falschen Zeit nicht bewußt ist), so eine Art ›Super Mario‹ ist. Das ist die erste Geschichte, wenn ich das richtig erinnere, in der die Erzählinstanz, ohne diegetisch zu sein, explizit erscheint.

Donnerstag, 13. April 2017

P. K. D. #76

In Autofac produzieren nach dem großen Krieg die von Kybernetikern vor dem großen Krieg konstruierten automatischen Fabriken auf Teufel komm raus Waren und verbrauchen dabei die letzten Rohstoffe. Nach diversen Versuchen der überlebenden Menschen, dies zu stoppen, kommt man darauf, die automatischen Fabriken gegeneinander in einen Konkurrenzkampf um Ressourcen zu verwickeln. Am Ende ejakuliert die unterlegene Fabrik lauter Kugeln, die den Keim für neue automatische Fabriken in sich tragen.

Brecht läßt grüßen

Schaue fasziniert Fassbinders Familienserie Acht Stunden sind kein Tag (1972f.), »eine Alternative zum Heile-Welt-Fernsehen« heißt es auf der DVD-Hülle, aber als heile Welt kommt einem heute das vor, was er gezeigt hat: er hat ein mögliches richtiges Leben im falschen, das es ja nicht (und auch heute noch immer nicht, ja: heute gar weniger als jemals) geben kann, gezeigt, die Oma als deus ex machina. Er hatte wohl Mut machen wollen … Es blitzen aber auch Bilder und Szenen auf, die an den nichtdidaktischen Fassbinder erinnern, etwa die Beerdigung des Meisters oder die Reihe der duschenden Arbeiter oder der Striptease zu Morricones Musik oder wenn der entlarvte Denunziant in Ecce-Homo-Haltung vor dem Büro des Vorgesetzten steht.

P. K. D. #75

Psi-Man heal My Child! / »Outside Consultant« knüpft an die vorherige Geschichte an: die Welt nach dem Krieg (wir schreiben das Jahr 2017), es gibt die gleichen Mutanten wie zuvor und normale Überlebende. Alle Versuche eines Zeitreisenden, den Krieg a posteriori zu verhindern scheitern, der Zeitreisende zeigt dem General seine eigenen Knochen (siehe The Scull), ohne daß es etwas fruchtete. Am Ende verlassen die normalen Menschen ihre Kommunen und begeben sich in die Obhut der friedlichen Mutanten, in der Hoffnung, daß die ihnen helfen können. Die Stimmung nimmt an Esoterik zu.

Dienstag, 11. April 2017

»Fool To Cry« (Rolling Stones)

P. K. D. #74

A World of Talent / »Two Steps Right« ist eine Geschichte, bei der man froh ist, daß sie in aller letzter Sekunde (= auf den letzten Zeilen) ein happy end bekommt. Entfernte Kolonien haben sich von Terra losgesagt. Dort leben diverse Mutanten mit normalen Menschen in einem latenten Konflikt, wobei die Mutanten anscheinend mit ihren Fähigkeiten die Unabhängigkeit garantieren. Ein Paar, das eine halbe Stunde in die Zukunft schauen kann, hat einen Sohn, von dem man noch nicht weiß, ob er was kann und wenn ja was. Das Paar ist nur wegen seiner besonderen Fähigkeiten zusammengekommen, man hat sich über. Der Mann hat eine Geliebte, die eine genetische Reaktion auf die Mutanten ist: eine neue, nicht beeinflußbare Realität. Und es stellt sich heraus, daß der Sohn sich in der Zeit bewegen kann. Der Plot ist gut, das Format dafür aber eigentlich zu klein.

P. K. D. #73

In Misadjustment wird Jagd auf Mutanten gemacht. Die haben die Fähigkeit, ihr Wahnsystem über sich selber auszudehnen, das heißt also: um sich herum eine Wahnumwelt zu etablieren. Oft wissen sie selber nichts von ihrer Fähigkeit und sind sich ihres Wahns nicht bewußt. Immun dagegen sind bloß Frauen, weshalb ihnen die Wirtschaftsbosse ein Amt mit großen Machtbefugnissen eingerichtet haben. Als einer der Wirtschaftsbosse selbst in den Verdacht gerät, ein Mutant zu sein, versucht er, statt der Kontrolle durch das Amt eine gegenseitige Kontrolle – jeder überwacht jeden – zu etablieren.

P. K. D. #72

In The Chromium Fence bekämpfen sich Puristen und Naturalisten bis aufs Blut, wobei der Protagonist zwischen den Stühlen sitzt. Die Puristen haben sich als Partei aus dem Reinheitskult der Kosmetikindustrie entwickelt (Zähne, Mund- und Körpergeruch etc.), die Naturalisten trinken Bier und schwitzen. Als die Puristen gewinnen und restriktive Gesetze erlassen, nimmt der Protagonist im Sinne von Voltaire (»Je déteste ce que vous écrivez, mais je donnerai ma vie pour que vous puissiez continuer à écrire.« – Nicos Motto … es soll aber garnicht von Voltaire sein …) die Partei für die Verlierer ein. Zuvor geht er zu einem Roboteranalytiker, dessen Bescheinigung zerreißt er allerdings; zu sich stehend stirbt er.

Montag, 10. April 2017

Der Sommer (P. K. D.s Kommentar zu »A Little Something for Us Tempunauts«)

Addison Doug bringt den Wunsch zum Ausdruck, »keinen Sommer mehr zu erleben«. Wir sollten alle entschieden widersprechen; nichts und niemand sollte uns, mit welch spitzfindigen oder gutgemeinten Argumenten auch immer, dazu verleiten, so etwas zu wünschen: wir sollten uns vielmehr, individuell und kollektiv, danach sehnen, so viele Sommer zu erleben, wie es uns möglich ist, auch in dieser unvollkommenen Welt.

(Philip K. Dick, Sämtliche 118 SF-Geschichten in fünf Bänden, Frankfurt am Main 3. Aufl. 2014, Bd. 5, S. 631).

Der Frühling


P. K. D. #71

In War Veteran wurden die Unabhängigkeitskriege der Zeit der Verfassung auf interplanetarische Dimensionen vergrößert. Die ehemaligen menschlichen Kolonisatoren von Mars und Venus sind leicht verändert und werden vom irdischen Mob – aufgestachelt von einem Konzernchef – gejagt. Ein Krieg steht bevor, da taucht ein Veteran auf, der anscheinend aus der Zukunft in die Vergangenheit geschleudert wurde und der verkündet, daß die Erde den Krieg, den sie zu starten gerade sich anschickt, verloren haben wird. Der Konzernchef versucht mit Hilfe des Veteranen herauszubekommen, was in dem Krieg von den Terristen falsch gemacht wurde, als der Alte getötet wird. Am Ende kommt heraus, der Veteran war ein von der Venuskolonie geschickter Android, mittels dessen der Kriegstreiber zum Umdenken manipuliert werden sollte. Der Agent der Venus meinte als Abschluß, alle mit terrestrischem Ursprung sollten zusammenstehen, wenn einmal wirkliche Fremde auftauchen würden. Imperialismus und Xenophobie wurden also bloß weiter hinausgeschoben, nicht kategorisch abgelehnt. ‒ Man war mit der Androidenauflösung nicht ganz glücklich, weil sie aus dem Hut gezaubert wurde und mit der Darstellung des Veteranen nicht kongruierte, höchstens wenn man ihm mit einem künstlichen Bewußtsein ausgestattet hätte, was aber dann irgendwie angesprochen werden hätte müssen. Überhaupt ist die Geschichte etwas dahingehudelt, nicht gut in ihren zeitlichen Einheiten konstruiert.

Sonntag, 9. April 2017

P. K. D. #70

Der Schauplatz von Pay for the Printer / »Printerʼs Pay« ist einmal wieder die Welt nach dem alles vernichtenden Krieg. Eine außerirdische Intelligenz hat sich altruistisch eingefunden, um die überlebenden Menschen zu retten, indem sie ihre verschlissenen Gegenstände kopiert. Doch dann sterben die Aliens aus, ohne sich reproduzieren zu können. In dieser Krisensituation taucht einer auf, der sagt, es ginge nicht ums Kopieren, sondern um das selber Schaffen, und die Artefakte, die nach dem Krieg übriggeblieben wären, seien nicht die Referenz, sondern das anzustrebende Ideal.

Dienstag, 4. April 2017

P. K. D. #69

In Foster, Youʼre Dead geht es – wie in Nanny – um einen ökonomischen Wettlauf, diesmal mit Schutzbunkern. Mr. Foster verweigert sich diesem Wettlauf solange es geht, knickt aber dann ein, als er sieht, wie sein Sohn darunter leidet, weil er der einzige in seiner Klasse ist, der nicht … Der Junge bekommt dann endlich sein Sanktuarium, aber dann muß der Vater den Bunker wieder zurückgeben, weil er die Raten nicht bezahlen kann. Der Junge wollte in seinem Bunker eine Lesung von The Wind and the Willows hören …

Montag, 3. April 2017

Samstag, 1. April 2017

P. K. D. #68

In Upon The Dull Earth hatte eine neurotische junge Frau – Silvia – einen Draht zu einem Jenseits. Sie wollte unbedingt hinüber, aber als sie nach einem Mißgeschick tatsächlich dorthin kam, wollte sie wieder zurück (es hatte sich als Fehler herausgestellt, sie hinüber zu rufen). Ihr Freund rief die Geister wie Odysseus in der Unterwelt mit Blut, doch als er Silvia zurückholte, passierte ein Mißgeschick: in Ermangelung eines eigenen Körpers manifestierte sie sich im Körper ihrer Schwester, dann in dem ihrer Mutter, dann in dem ihres Vaters … am Ende gab es eine Welt nur bestehend aus Silvias, und sogar der Freund wurde zu Silvia. Ich war so gespannt, wie Dick die Geschichte auflösen würde, daß ich sie auf dem Bahnhof Zoo stehend zuende las.

»… writ in water.«

Fenster #112

P. K. D. #67

In Shell Game wird eine Siedlung bedroht. Angeblich leben dort den Menschen überlegene Mutanten, die von Menschen angegriffen werden. Es kommt heraus, daß es sich um die Passagiere eines Krankentransports handelt, der auf dem Weg in eine Klinik abgestürzt ist, wobei die Patienten sämtlich Paranoiker sind. Am Ende – das nicht so überzeugt – gibt es zwei Fraktionen, die sich bekriegen, und die Sieger bereiten die Invasion der Erde vor.

P. K. D. #66

In Sales Pitch erinnern manche Beschreibungen an die Jetsons: der Alltag der Gegenwart wird in einem futuristischen Gewand beschrieben. Die allgegenwärtige Werbung hat gigantische Dimensionen angenommen. Der Protagonist glaubt am Ende, ihr bloß durch Selbstmord entkommen zu können, doch sterbend muß er sich die Anpreisungen eines Roboters anhören, der sich selber verkauft.

Überraschende Begegnung

Mittwoch, 29. März 2017

P. K. D. #65

In The Crawlers / »Foundling Home« kommen in der Nähe eines Strahlenlabors raupenartige Kinder zur Welt. Die Menschen reagieren mit Verunsicherung und Entsetzen, bis die Regierung die Mißgeburten alle auf eine unbewohnte Insel im Golf von Mexiko schafft. Dort bauen die Crawlers an einer Stadt und einem Ozeantunnel, stellen aber fest, daß es bei ihrem Nachwuchs zu Atavismen – es sind menschenartige Babys, auf die mit Verunsicherung und Entsetzen reagiert wird – kommt. Gut gelungen ist Dick der erste Absatz, in dem er in der Manier von Faulkner den Bau einer Höhle aus Sicht einer der Kreaturen schildert.

Montag, 27. März 2017

P. K. D. #64

In Exhibit Piece leidet ein für seinen Perfektionismus bekannter Museumsangestellter unter seinen Vorgesetzten. Er ist Experte für das 20. Jahrhundert im Museum für Geschichte. Als er eines Tages sein Exponat – das Haus eines mittleren Angestellten in Berkeley – betritt, da betritt er die Welt des mittleren Angestellten und seiner Familie. Irritiert konsultiert er dort einen Psychiater, weil die neue Welt ihm vertraut ist. Der Psychiater meint, er leide unter seinen Vorgesetzten und fliehe deshalb in die Welt der Zukunft. Der Protagonist kommt jedoch dahinter, daß beide Welten real sind und er mit seinem realistischen Exponat eine Zeitschleuse gebaut hat. Er entscheidet sich für die alte Welt, woraufhin ihm seine Vorgesetzten im Museum drohen, das Exponat zu vernichten. Er sagt, das mache ihm nichts, doch als er zu seinem 50er-Jahre-Couchtisch zurückkehrt, erfährt er aus der Zeitung, daß die Welt vor dem Untergang steht. – Bereits in mehreren Geschichten tauchte das Entsetzen von Ehefrauen auf, wenn ihre Männer ankündigten, sie würden heute nicht ins Büro fahren …

Sonntag, 26. März 2017

P. K. D. #63

To Serve The Master / »Be As Gods!« ist eine Blade Runner- und Terminator-Variation. Nach dem nuklearen Krieg, in dem alle Roboter vernichtet worden waren, findet ein niedriger, systematisch dumm gehaltener Angestellter einer unterirdischen Company einen nur halb zerstörten Roboter. Der beantwortet als Gegenleistung für die herbeigeschafften Ersatzteile alle Fragen des Angestellten: vor dem Krieg, so seine Geschichte, hätten Roboter alle Arbeit erledigt und die Menschen hätten Muße gehabt, ihren wirklichen Interessen nachzugehen (der junge Marx); dann sei aber eine fanatische Sekte mit der Ansicht gekommen, der Mensch müsse im Schweiße seines Angesichts seine Arbeit verrichten, es sei zu einem Krieg der Moralisten gegen die Hedonisten gekommen, den die Moralisten schließlich gewonnen hätten. Von dem Gedanken beseelt, die alten paradiesischen Zustände wiederherzustellen, besorgt der kleine Angestellte immer mehr technisches Material, bis er erwischt wird. Sein Vorgesetzter klärt ihn nun auf, der Krieg habe gegen die Androiden stattgefunden, die sich für die überlegene Spezies und die Menschen für Vieh gehalten hätten. Am Ende deutet Dick an, daß der kleine Angestellte gleichfalls ein Androide ist. ‒ Ich hätte der Geschichten des Roboters vor dem Auftauchen der Moralisten auch zu gerne geglaubt!

»It is the evening of the day …«

Samstag, 25. März 2017

Zu Lichtenberg

Wäre ich ein gläubiger Mensch, wäre ich anders, aber auch wenn ich verrückt wäre, wäre ich anders. Oder besser: Wenn ich ein anderer wäre, wäre ich anders.

(Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares, hrsg. von Richard Zenith, Zürich 2003, S. 422).

P. K. D. #62

In Null-O / »Looney Lemuel« entwickeln empathielose Logiker, die das gesamte Universum in den Zustand der Entropie versetzen wollen, diverse Bomben. Sie wollen mit der Vernichtung Erde anfangen, dann mit der des Sonnensystems und dann mit der der Galaxis, um schließlich im Universum ihren Plan zu vollenden. Bevor sie jedoch soweit sind, werden sie von zehntausend gewöhnlichen Menschen zur Flucht auf die Venus veranlaßt. Dies ist eine der schwächeren Erzählungen, weil eine nicht völlig durchdachte Idee bloß dargestellt wird, anstatt daß sie andeutend umgesetzt wird.

Freitag, 24. März 2017

P. K. D. #61

In Tony and the Beetles kämpfen Menschen gegen insektenähnliche Aliens, also wieder die Starship Troopers-Konstellation. Die Menschen haben vor hundert Jahren die Aliens aus ihrem Lebensraum vertrieben, seit dem gibt es Krieg, aber nun wendet sich erstmals das Kriegsglück und die Aliens bekommen die Oberhand. Der Protagonist ist ein zehnjähriger Junge, der auf dem Alienplaneten geboren wurde und immer mit den Alienkindern gespielt hat. Diese begegnen ihm nach der Wende des Kriegsglücks plötzlich mit Haß und Gewalt. Für die Aliens könnten die Schwarzen stehen, die Inder oder die Indianer. Eine amüsante Idee in dieser düsteren Geschichte: »Tony war verlegen; weibliche Pas [das sind die Aliens] hatten eine gewisse telepathische Fähigkeit, die zu ihren Geschlechtsmerkmalen zählte. Sie wirkt bei Erdmenschen auf kurze Entfernung.«

Dienstag, 21. März 2017

P. K. D. #60

Mit Strange Eden / »Immolation« beginnt die zweite Hälfte der Geschichten. Eine unsterbliche Kirke verführt Männer, die auf ihrem Planeten landen (oder: läßt sich von ihnen verführen). Durch die Paarung verwandeln die Männer sich in harmlose Großkatzen. Die Kirke kündigt kurz vor dem Vögeln, wenn den Männern eh schon alle Folgen egal sind und es für sie kein zurück mehr gibt, warnend eine Metamorphose an, läßt aber deren Richtung offen.

Sonntag, 19. März 2017

P. K. D. #59

The Father-Thing ist aus einem Kokon geschlüpft den ein komischen Insekt – vermutlich aus dem All – hinterlassen hat. Es gibt auch ein Mother-Thing und ein Charles-Thing, also wieder einmal Body Snatchers. Der Sohn Charles, der dahinterkommt, schafft es mit zwei Freunden, die Invasion im Keim zu ersticken. ‒ Dies war jetzt die erste Hälfte der Geschichten.

Fenster #111

Fenster #110

Fenster #109

P. K. D. #58

In The Last of the Master / »Protection Agency« hatte eine anarchistische Liga alle Regierungen gestürzt und alle Atomwaffen vernichtet, bevor es zu dem großen Krieg, der das Werk Dicks größtenteils bestimmt (Hatte ich bereits erwähnt, daß der dritte Weltkrieg, soweit ich das überblicke, für die fast zeitgleich schreibenden Strugatzkis kein Thema war?), kommen konnte. 300 Jahre später lebte noch ein Regierungsroboter, der die alte Ordnung samt Kriegsproduktion in einem abgeschiedenen Exil am Laufen hielt, bis auch ihm die Anarchisten den Garaus machten. Wie auch in der Geschichte davor – aber weitaus weniger – spielte die Frage, ob schöpfen gleich zerstören sei, eine Rolle, und der, der das Ende des letzten Regierungsroboters möglich gemacht hatte, behielt einen Teil von dessen Gedächtnisrollen in Verwahrung.

Fenster #108

P. K. D. #57

The Turning Wheel beschreibt eine Kastengesellschaft, deren Herrscher an die Seelenwanderung glauben, die ganze Scheiße mit allem Drum und Dran: Auf- oder Abstieg im nächsten Leben je nach dem Verhalten in diesem, Schicksalsergebenheit (die aber leicht als Ideologie zu durchschauen ist) et cetera. Der Gott der obersten Barden-Kaste heißt Elron Hu, und ich dachte mir, daß da wer konkretes dahintersteckt (wie ich sicher viele Anspielungen nicht bemerkt habe): L. Ron Hubbard, der Gründer von Scientology. Der Protagonist hat die Möglichkeit, in die Zukunft und darüber hinaus zu schauen, und er erfährt, daß er in acht Monaten sterben und als Schmeißfliege auf dem übelsten aller Planeten wiedergeboren wird. Dann schickt man ihn zu einem Einsatz gegen die Tinker, eine Sekte, die ihre Umwelt beeinflußt. Am Ende verschweigt der Abgesandte ihre Stärke und bekommt dafür Penicillin, das ihn vielleicht vor dem Schmeißfliegenschicksal bewahren kann.

Fenster #107

Fenster #106

P. K. D. #56

Bei The Golden Man / »The God Who Runs« ist die Diskrepanz zwischen angeblicher Autorenintension und meiner Lesart enorm. Dick schrieb, er habe in einer Zeit, als Mutanten überall als die überlegenen Retter der Menschheit dargestellt wurden, Mutanten vorführen wollen, die für die Menschheit eine Bedrohung darstellten und gnadenlos vernichtet werden müßten. Ich las die Geschichte zunächst ‒ auch wegen der negativen Darstellung der Agenten ‒ als eine Parabel auf die Kommunistenverfolgung unter McCarthy. Und dann kam, zum ersten Mal in den Geschichten, wirklich richtige Sexualität ins Spiel (nicht mit Bäumen), zunächst als erotische Photographie einer Frau mit acht Brüsten (das Plakat zu Fellinis Roma kam mir in den Sinn) und dann als sich die Verlobte eines der Agenten von dem Gott-Tier verführen ließ. Das hat mir gefallen, aber dann kam der Perspektivwechsel: es erschien, als habe sie sich nicht willentlich verführen lassen, sondern sei unwillentlich unter einem Bann verführt worden, daß also der Mutant sie bloß benutzt hatte, um aus dem Gebäude zu kommen. Ich hätte es poetischer gefunden, wenn es wie in der Mythologie gewesen wäre: ohne daß der Agent es ahnt, trägt die Frau einen Halbgott unter ihrem Herzen. ‒ Ich stieß bereits desöfteren auf Beispiele einer hingehudelten Übersetzung.

Donnerstag, 16. März 2017

Fenster #104 (»Das Drama im Menschen«)

Fenster #1 Reprise

P. K. D. #55

In The Eyes Have It liest ein Ich-Erzähler einen Roman und nimmt plötzlich alle Metaphern mit Körperteilen – etwa: »… schließlich ließen seine Augen Julia [sic!] nicht mehr los.« ‒ wörtlich. Das bringt ihn zu dem Schluß, grauenhafte Außerirdische, die sich in ihre Körperteile auflösen und sich wieder zusammensetzen können, hätten heimlich die Herrschaft über die Erde übernommen.

Mittwoch, 15. März 2017

P. K. D. #54

The Hanging Stranger – eine Body Snatchers-Geschichte – dagegen ist sehr gelungen: ein Mann, der den ganzen Tag arbeitend im Keller verbracht hat, fährt zu seinem Geschäft und sieht dabei einen an einer Laterne aufgehängten Mann, den alle außer ihm wie selbstverständlich hinnehmen. Der Mann kommt schließlich darauf, daß Aliens sich in den Körpern der Bürger seiner Stadt einnisten. Er flieht in die Nachbarstadt und erzählt dort seine Geschichte der Polizei. Die ist jedoch bereits übernommen und man erzählt ihm, man hänge einen Fremden als Lockvogel an die Laterne, um herauszufinden, wer noch übrig sei, ein Schicksal, daß ihm nun selber blüht, um einen Bankdirektor zu entlarven, der den ganzen Tag in seinem Tresor gearbeitet hatte. Diesmal kam ich nicht vorzeitig darauf, worauf alles hinauslief.

Montag, 13. März 2017

P. K. D. #53

In Fair Game wird der größte Nuklearforscher der Erde von einem gigantischen Auge beobachtet und mit Fallen angelockt. Er und seine Freunde stellen verschiedene Theorien auf, der Mann flieht schließlich allein. Als er eitel zu dem Schluß kommt, daß eine fremde Intelligenz ihn verfolgt, weil er der größte Nuklearforscher der Erde ist, stellt er sich geschmeichelt den Aliens. Er landet jedoch nicht in deren Labors, sondern in einer Bratpfanne. Die Geschichte war zu arg an der Pointe ausgerichtet, den Weg dorthin gestaltete Dick nicht plausibel. Man würde anders reagieren, wenn einem solches passierte.

*

Nachtrag vom Freitag, dem 9. Juni 2017

Aus Versehen erhielt dieser Beitrag die Kategorie Fenster, wodurch das Fenster #103 übergangen wurde. Hier nun das betreffende Bild …

Fenster #103

P. K. D. #52

Der Prominent Author entpuppt sich als niemand anderes als Jahwe in Gestalt eines Angestellten, der täglich durch die vierte Dimension zu seiner Arbeit pendelt. Dabei trifft er in einem Leck seines Wurmlochs auf kleine Gestalten, die ihm auf winzigen Blättern Fragen stellen. Mittels einer Übersetzungsmaschine und der Bibliothek seines Amtes beantwortet er die Fragen und übergibt sie den kleinen Menschen. Es stellt sich heraus, daß die Sprache Althebräisch ist und die Fragen über Jahrhunderte gestellt werden, weil die Zeit eine andere ist. Deswegen sind die Israeliten auch so klein, es ist das gleiche falsche Argument wie in Prize Ship. Jedenfalls befriedigt den Angestellten, das alte Testament verfaßt zu haben.

Mond überm Spindlersfeld

Donnerstag, 9. März 2017

8. September 1933

Alles, was existiert, existiert möglicherweise, weil etwas anderes existiert. Nichts ist, alles koexistiert: So und nicht anders ist es vielleicht.

(Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares, hrsg. von Richard Zenith, Zürich 2003, S. 416).

P. K. D. #51

In Survey Team wollen die Menschen, nachdem sie die Erde unbewohnbar gemacht haben, auf den Mars umsiedeln. Denn Mars finden sie gleichsam ausgeplündert vor und die Zivilisation, die dies getan, gleichsam umgesiedelt. Es stellt sich heraus: die Marsausbeuter haben vor ein paar hunderttausend Jahren die Erde besiedelt.

Mittwoch, 8. März 2017

P. K. D. #50

In Souvenier geht es um die Galaxierung (analog zu Globalisierung). Die universale Gesellschaft ist funktional differenziert und es darf dabei keine Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen geben. Als eine bewußt regressive Gesellschaft den Anschluß verweigert, wird sie vernichtet. Aber einer der Söldner bringt seiner Familie archaische Artefakte mit, die einer seltsame Faszination ausüben. Die Außenseite des Systems ist immer auch im System.

P. K. D. #49

Auch in Small Town / »Engineer« ahnte ich sehr früh in etwa, auf was es hinauslaufen würde. Es war aber dann keine Art von Voodoo, wie ich gedacht hatte ‒ er entfernt gezielt Institutionen und Personen auf seiner Modelleisenbahn ‒, sondern das Modell trat in toto an die Stelle der Wirklichkeit, wobei wohl nur diejenigen die Metamorphose spürten, die ihre Zeugen waren: die untreue Gattin und ihr Geliebter.

Recherche zum Kontext des Mottos von Queneaus »Les Fleurs bleues«


Montag, 6. März 2017

P. K. D. #48

In Planet for Transmits / »The Itinerants« geht es einmal mehr um die nach dem nuklearen Krieg für die überlebenden Menschen unbewohnbar gewordene Erde. Es gibt allerdings Mutantionen, die sich angepaßt haben. Der Protagonist ist ein Mensch, der nur mit schwerer Ausrüstung überleben kann. Er trifft auf Artgenossen, die sich anschicken, die Erde, die ihnen keine Heimat mehr sein kann, zu verlassen. Es geht nicht an, sie wieder menschenbekömmlich zu machen, damit würde man all die Vielfalt, die sich gebildet hat, töten. Man hat sich durch seinen Krieg selber zum bloßen Gast hier gemacht.

Sonntag, 5. März 2017

P. K. D. #47

In James P. Crow sind die Roboter die Herren und die Menschen deren Knechte. Der Protagonist ‒ mit dessen Name es eine Bewandtnis hat, die ich recherchieren muß: Jim Crow war im 19. Jahrhundert eine durch einen Komiker berühmt gewordene Projektionsfigur der Weißen zur Rassendiskriminierung in den USA; nach ihr wurden die Gesetzte der Rassentrennung benannt ‒ kann sich mittels Schummelei bei den Eignungstests bis in die Regierung hochschaffen. Dort erklärt er den Robotern ihre ursprüngliche Herkunft aus Menschenhand und nötigt sie, die Erde zu verlassen, die er nun vermutlich allein beherrschen wird. Die Erzählung funktioniert nicht, weil die Roboter wie eine menschliche Herrenkaste dargestellt werden. Warum sollten sie eitel sein und gekränkt reagieren? Reine Rationalität würde anders funktionieren. Die Idee ist gut, aber nicht bis zu Ende gedacht und literarisch nicht adäquat umgesetzt.

Samstag, 4. März 2017

P. K. D. #46

In Impostor geht es wieder um Dicks großes Thema, das Blade Runner-Thema. Außerirdische haben einen Menschen durch einen Androiden ersetzt. Der Androide hat ein künstliches Bewußtsein, das ihn glauben läßt, er wäre der Mensch, und nicht jene Überreste in dem Wrack. Erst der Anblick des ermordeten Originals läßt ihn die Wahrheit erkennen, und die Wortfolge, die er dabei mit (diegetischer) Notwendigkeit äußert, läßt die Bombe, die der Android in sich trägt, hochgehen.

Fenster #102

P. K. D. #45

In The Impossible Planet / »Legend« möchte eine uralte Frau auf die Erde, die sei aus Erzählungen ihres Großvaters kennt. Aus Geldgier wird sie von einem Raumschiffkapitän zu dem nächsten Planeten, der den Legenden über einen Urplaneten entspricht (es mußte der dritte Planet eines Sonnensystems mit neun Planeten sein) gebracht. Es ist der unwirtlichste Ort des bekannten Universums. Die uralte Frau will es nicht glauben, der Kapitän versichert, sie läßt sich zu dem stinkenden Ozean bringen und stirbt. Der Kapitän findet auf dem Weg zurück zum Schiff eine Medaille mit der Inschrift E PLURIBUS UNUM, erkennt aber nicht den alten Wahlspruch der USA (die Resolution 396 des Kongresses machte 1956 IN GOD WE TRUST zum neuen Wahlspruch) und wirft das Ding in den Müll.

Freitag, 3. März 2017

P. K. D. #44

Adjustment Team ist wieder so eine Welt am Draht- oder Matrix-Geschichte: in unsere Realität wird von außen eingegriffen, nicht von einem Gott, sondern von einem Demiurgen, einer behördenhaft organisierten Instanz. Die Schwäche bei dieser Variante der Geschichte ist, daß eine einzige Kausalkette herausgegriffen wird, an den Rändern zerfranst dadurch die Schlüssigkeit, weil es in unserer Realität keine Kausalketten, sondern nur Kausalgeflechte oder schier unendlich viele Kausalitäten gibt. Was zum Beispiel ist mit dem veränderten Douglas? Wurden alle Leute, die den alten Douglas kannten, auch adjustiert? Dann war aber dieser räumliche Aspekt der Veränderung (nur der Sektor T137) nicht schlüssig. ‒ Auch bei dieser Geschichte sieht man trotz oder gerade wegen den Inkonsistenzen eine mögliche Hollywood-Adaption vor sich.

Mittwoch, 1. März 2017

P. K. D. #43

In Human Is … kehrt ein Ekelpaket von Mann verändert von einem anderen Planeten zurück. Der Körper wurde nämlich von einem freundlichen Alien übernommen. Die Frau des Ekels soll nun vor der zuständigen Behörde aussagen, damit der status quo ante wieder hergestellt wird. Das möchte sie aber nicht, sie zieht das freundliche Alien dem menschlichen Ekel vor. Eine Variation von Balzacs Le Colonel Chabert.

P. K. D. #42

In Of Withered Apples fühlt sich eine Frau von einem alten und fast schon toten Apfelbaum eindeutig sexuell angezogen. Sie ißt einen seiner kleinen verschrumpelten Äpfel und stirbt anschließend an einer Blinddarmentzündung. Auf ihrem Grab wächst ‒ man ahnte es bereits bei der Mitteilung, daß sie gestorben war ‒ ein Apfelbaum, dessen Früchte frühreif die Farbe ihrer Wangen haben. Was sonst über die Verdauung passieren soll, geschah hier über den Tod (vgl. Joh 12.24), weil ein Koitus nicht zustande kommen konnte.

P. K. D. #41

In The Hood Maker / »Immunity« kontrollieren Telepathen im Auftrag des herrschenden Systems die Loyalität der Bürger, streben darüber hinaus aber die Macht im Staat für sich selber an. Ein Mann entdeckt ein Mittel gegen die Gedankenkontrolle und daß die Telepathen keine Mutanten sind, sondern infertile Mißgeburten. Als er ihnen das sagt, bringen sie – Γνῶθι σεαυτόν – sich um.

Sonntag, 26. Februar 2017

Fenster #101

P. K. D. #40

A Present for Pat ist ein Gott von dem Jupitermond Ganymed. Es ist eine alberne Geschichte, am Ende stellt sich heraus, daß der Gott sich auf die Erde bringen ließ, um einen Schurken aus seiner Dimension zu jagen.

P. K. D. #39

Breakfast at Twilight ist eine sehr düstere Geschichte, ich mußte an Godards Carabinieri denken: eine Familie findet sich plötzlich sieben Jahre in der Zukunft wieder, in der auß dem vermeintlich bloß kalten ein heißer Krieg geworden ist. Auch als sie dann glücklich zurück in ihre Zeit kommen – wobei der Erzähler den kleinen Earl vergißt –, wissen sie doch, daß das Grauen bald beginnen wird.

Fenster #100

Fenster #99

Fenster #98

Fenster #97

Samstag, 25. Februar 2017

P. K. D. #38

In The Trouble with Bubbles / »Plaything« geht es darum, daß die raumfahrenden Menschen aus Enttäuschung darüber, daß es keine bewohnten Welten in ihrem Umkreis gibt, künstliche Welten schaffen und mit denen nach ihrem neurotischen Gutdünken umgehen. Am Ende erlebt der Protagonist diese Willkür auf der Erde. Es ist das Thema von Welt am Draht, das Platons Gleichnis freisetzt: wenn es künstliche Welten gibt, woher weiß man dann, daß die eigene Welt natürlich ist? Für mich ist das bloß literarisch von Interesse, es machte mir nichts aus, ein künstliches Geschöpf zu sein, ich habe, was die Zuschreibung von Übel angeht, ein Autoimmunsystem, das jede Externalisierung der Ursachen abwendet. Ein gewisser Soame Jenyns (1704 ‒ 1786) hatte wohl, wie ich bei Pessoa gelesen, solches in seinem Essay A Free Enquiry into Nature of Origin of Evil beschrieben: »So wie wir in das Leben uns unterlegener Wesen eingreifen […], so, darf man auch annehmen, verfahren Wesen mit uns, die uns überlegen sind wie wir dem Vieh auf unseren Weiden oder den Vögeln in unseren Lüften.« (Fernando Pessoa, Baron von Teive. Die Erziehung zum Stoiker, hrsg. von Richard Zenith, Frankfurt am Main 2008, S. 29).

Fenster #96

Freitag, 24. Februar 2017

P. K. D. #37

In Project Earth / »One Who Stole« beobachten Kinder einen Assistenten des Demiurgen beim Verfassen des Abschlußberichts über den zweiten Versuch, eine Spezies zu etablieren. Der erste Versuch – wohl die Engel – war gescheitert, der zweite Versuch – die Menschheit – sollte abgebrochen werden und der dritte Versuch wurde von einem neugierigem und diebischem und habgierigem Jungen sabotiert. Im dritten Versuch gab es neun fünf Zentimeter große humanoide Wesen mit Fühlern und mehr Rationalität, als uns gegeben ist. Die Freundin des Jungen verpaßte ihnen Kleider, was den Assistenten des Demiurgen an die Anfänge des zweiten Versuchs erinnerte.

Fenster #95

P. K. D. #36

In A Surface Raid geht es wieder einmal um die Welt nach dem dritten, nuklearen Krieg. Unter der Erde leben die Technos, auf der Erde die Saps. Ab und an entführen Technos Saps (von homo sapiens), vor allem Weibchen. Bei einer solchen Entführungstour verliebt sich der Sohn des Techno-Anführers in ein Sap-Weibchen und zeigt sich ihr (d. d.: er schaltet seine Tarnkappe aus). Das Weibchen rennt schreiend davon, und später erzählt ein Alter, sie habe einen Kobold gesehen. Die Bezüge zu Wellsʼ Time Machine (Morlocks und Eloi) sind offenbar, obwohl es hier ja nur eine Reise im Raum ist.

Einbahn (Support)

Fenster #94

Donnerstag, 23. Februar 2017

P. K. D. #35

The World She Wanted ist ein Spiel mit Leibnizʼ bester aller möglichen Welten und mit dem Konstruktivismus. Das Ganze erinnerte mich an Diotima: eine Frau glaubt, die ganze Welt sei nur für sie da. Es gelingt ihr alles, bis der Mann sie aus seiner Welt herauswirft (es könnte natürlich auch der Mann glauben etc. und die Frau herauswerfen).

Sonntag, 19. Februar 2017

P. K. D. #34

In The Commuter verändert sich die Vergangenheit von einem gewissen Punkt aus, die Veränderung wirkt aber von da weiter in die Gegenwart. Das Ende dieser Geschichte ist nicht bedrohlich, der Protagonist hat plötzlich ein in einem parallelen Universum gezeugtes Kind.

Samstag, 18. Februar 2017

P. K. D. #33

In Martians Come in Clouds / »The Buggies« suchen die Marsianer Asyl auf der Erde, ihre Bitten werden aber nicht wahrgenommen und die Bittsteller vernichtet.

Freitag, 17. Februar 2017

Empirie, 8. Update

¡Hans Koberlin vive! in Daten (der Stand von heute):

  • Stand des Manuskripts:
    • Seiten: S. 1042 von ca. 1.800 Seiten
    • Fußnoten: 3063
  • Stand der Überarbeitung:
    • Seiten: S. 852 von ca. 1.800 Seiten
    • Fußnoten: 2456
    • Kapitel: XII (= Phase V – oder: Un gringo en Calpe) von XXIV Kapiteln nebst einem Anhang
    • Tag der Überarbeitung: Samstag, der 22. Februar 2014, der 144. von 324 konkreten und von allen möglichen Tagen
  • Beginn der Handlung: 23. Oktober 4004 vor unserer Zeitrechnung, 9 Uhr vormittags*
  • Ende der Handlung: fällt mit dem Ende der (oder bloß einer?) Welt zusammen
  • Beginn der Niederschrift: Mittwoch, den 2. Oktober 2013
  • Ende der Niederschrift: noch nicht abzusehen

* (= die momentane Fußnote 361 auf S. 75) Wir haben für unseren Prolog den Zeitraum von Anbeginn der Schöpfung bis zum Dienstag, dem 1. Oktober 2013 veranschlagt. – Nun: »In der Schiffsbibel von Charles Darwin auf der ›Beagle‹, mit der er von 1831 bis 1836 die Welt bereiste, stand das Datum der Weltschöpfung eingetragen: 23. Oktober 4004 vor Christi Geburt, 9 Uhr vormittags.« (Hans Blumenberg, Die Sorge geht über den Fluß, Frankfurt am Main 1987, S. 47).

Wird aktualisiert!

Donnerstag, 16. Februar 2017

P. K. D. #32

In Some Kinds of Life / »The Beleaguered« werden zuerst der Mann, dann der Sohn und schließlich die Frau mit der Begründung der Wohlstands- beziehungsweise Komfortwahrung in Kriege um diverse Rohstoffe eingezogen. Am Ende existiert die automatisierte Zivilisation weiter, aber es gibt keine Menschen mehr. Das ergäbe mit seinen Wiederholungen eher einen »Kein Blut für Öl!«-Song denn eine Geschichte.

Dienstag, 14. Februar 2017

P. K. D. #31

In Progeny werden die Kinder unmittelbar nach der Geburt Robotern übergeben, die sie, ohne dabei die Neurosen und Komplexe von Eltern zu hinterlassen, erziehen. Die Kinder entfremden sich dabei von den Menschen, aber da sie ja noch immer Menschen sind, muß das nicht grundsätzlich schlecht sein. In dieser Geschichte läuft nicht alles auf eine Pointe hinaus, das ist für sie von Vorteil.

Sonntag, 12. Februar 2017

P. K. D. #30

In The Cosmic Poachers / »Burglar« überfallen Terraner das Schiff einer Insektenspezies und entwenden die Fracht ‒ scheinbar Juwelen, aber es sind die Eier der Insekten, die nun auf die Erde gebracht werden. Auch hier ahnte man sofort, was kommen würde. Ich mußte an Starship Troopers und an Alien (wegen der Eier) denken. ‒ Auch wenn ich oft etwas zu bemäkeln habe, lese die Geschichten mit großem Genuß.

Samstag, 11. Februar 2017

P. K. D. #29

Jonʼs World / »Jon« schloß an die vorherige Erzählung an. Die Menschen hatten ihren Krieg, den Krieg gegen die Greifer und den Krieg der Greifer untereinander überstanden. Mit einer Zeitmaschine reisten sie zurück, um an wissenschaftliche Papiere zu kommen. Dabei bedachten sie nicht, daß sie damit die Vergangenheit so veränderten, daß es eine andere Gegenwart als die ihre geben würde. Das war der Schwachpunkt der Erzählung: diese Betriebsblindheit nahm man den Zeitreisenden nicht ab. Der Sohn des Zeitreisenden sah vor der Zeitreise in Visionen die neue Gegenwart, weshalb ihn sein Vater, der das nicht verstand, lobotomieren ließ. Den Gegenstand der Visionen ahnte man selber zu früh. Man möchte eigentlich beim Lesen von Dicks Erzählungen, daß die Erwartungen bezüglich des weiteren Verlaufs enttäuscht werden.

Donnerstag, 9. Februar 2017

P. K. D. #28

Auch in Second Variety kommt man zu früh auf die Pointe. Vieles ‒ außer den Zeitreisen ‒ der Terminator-Saga ist präfiguriert. Die Menschen haben Kampfmaschinen gebaut, die immer selbständiger werden und sich selber reproduzieren. Dabei kommen neue Varianten heraus. Man geht von drei Varianten aus, von denen die titelgebende unbekannt ist. Die Roboter (oder Terminatoren) infiltrieren die nach dem Atomkrieg letzten auf der Erde überlebenden Menschen. Vier bleiben übrig, Rudi und Klaus aus Geilheit, weil sie bei der jungen Russin Tasso waren, die sich anscheinend den Soldaten prostituiert (aber es fehlt der Sex in den Erzählungen …: Barbarella!). Klaus stellt sich als Roboter heraus, und am Ende fliegt Tasso allein zur Mondstation, der letzten Bastion der Menschheit. Der zurückgebliebene Protagonist kommt nun darauf, was man schon lange geahnt hat: Klaus war nicht II-V, sondern IV-V, die zweite Variante war Tasso. – Bei den Strugatzkis wurde, soweit ich mich erinnere, der dem zweiten Weltkrieg folgende Atomkrieg nie oder nur kaum thematisiert, es gab bei ihnen – außer der Zone – keine Schilderung unserer Welt nach der totalen Vernichtung.

Scream 2 (Wes Craven, 1997, Original mit portugisischen Untertiteln)

Über die Nasen von Engeln und ob man ihren Arsch betatschen kann

Wärme

P. K. D. #27

Beyond the Door lebt ein Kuckuck in einer original schwarzwälder Kuckucksuhr, ›Made in Germany‹. Der Mann, der sie seiner Geliebten schenkt, ist profan, weshalb der Kuckuck ihn am Ende tötet. Es war hauptsächlich die Geschichte einer Paarbeziehung, mit einer Ahnung von Erotik da, als der Hausfreund Bob ins Spiel kam.

Dienstag, 7. Februar 2017

P. K. D. #26

The Cookie Lady ist eine alte Dame, die einen verfressenen Jungen mit Keksen ködert, um ihm seine Jugend zu stehlen, die alte Lamia-Geschichte. Am Ende ist sie wieder drall und geil und der Junge vergangen. Man ahnt wieder zu früh, was passieren wird.

Fenster #93

P. K. D. #25

In Nanny tragen die verschiedenen Hersteller von Roboter-Kindermädchen ihren Konkurrenzkampf derart aus, daß sie die Maschinen ohne das Wissen ihrer Käufer gegeneinander antreten lassen. Die Roboter werden zu Prestigeobjekten und immer größer, besser bewaffnet und teurer in der Anschaffung. Wenn Dick die satirischen Elemente seiner Plots zu arg betont, wird es vordergründig.

Montag, 6. Februar 2017

Samstag, 4. Februar 2017

P. K. D. #24

Prize Ship / »Globe from Ganymede« ist eine von den schwächeren Geschichten. In einem interplanetarischen Krieg fällt den Terranern ein Schiff des Gegners in die Hände. Vier Freiwillige probieren es aus und landen in einer Welt voller winziger Menschen. Sie vermuten sich in Swifts Liliput, legen den Hebel in die andere Richtung um und landen in der Welt der Riesen, wobei sie natürlich gleich an Brobdingnag denken. Am Ende kommt heraus: es war kein Raumschiff, sondern ein Zeitschiff, das die Terraner erbeutet hatten, und die verschiedenen Größen werden durch die Expansion des Universums erklärt, was aber nicht stimmt, wie ich erst kürzlich im Merkur lesen konnte: »Das Universum expandiert als Ganzes: Jeder Punkt im All entfernt sich von jedem anderen, sofern nicht lokale Kräfte entgegenwirken. Die Atome im Körper des Lesers dieser Zeilen entfernen sich nicht voneinander, die Erde bewegt sich nicht in zunehmend größerer Entfernung um die Sonne.« (Ernst-Wilhelm Händler, Das Universum ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Zur modernen Kosmologie der Möglichkeiten; in: Merkur Nr. 810, September 2016, S. 32). Ich glaube das einfach einmal …

Fenster #91

P. K. D. #23

In Colony erkundet ein Trupp einen unbekannten Planeten. Man sucht nach gefährlichen Lebensformen, aber man findet keine, der Planet erscheint als paradiesisch. Da taucht ein mimetisch begabtes Protoplasma auf und dezimiert die Mitglieder, indem es sie umhüllt und verdaut. Man ruft einen sich zufällig in der Nähe befindlichen Raumkreuzer zu Hilfe, um abgeholt zu werden, zieht sich nackt aus, um auch ja kein Stück Plasma mitzunehmen, und betritt den Kreuzer, der – man hat es geahnt – aus mimetisch begabtem und Menschen verdauendem Protoplasma besteht.

Fenster #90