Dienstag, 14. Februar 2017

P. K. D. #31

In Progeny werden die Kinder unmittelbar nach der Geburt Robotern übergeben, die sie, ohne dabei die Neurosen und Komplexe von Eltern zu hinterlassen, erziehen. Die Kinder entfremden sich dabei von den Menschen, aber da sie ja noch immer Menschen sind, muß das nicht grundsätzlich schlecht sein. In dieser Geschichte läuft nicht alles auf eine Pointe hinaus, das ist für sie von Vorteil.

Sonntag, 12. Februar 2017

P. K. D. #30

In The Cosmic Poachers / »Burglar« überfallen Terraner das Schiff einer Insektenspezies und entwenden die Fracht ‒ scheinbar Juwelen, aber es sind die Eier der Insekten, die nun auf die Erde gebracht werden. Auch hier ahnte man sofort, was kommen würde. Ich mußte an Starship Troopers und an Alien (wegen der Eier) denken. ‒ Auch wenn ich oft etwas zu bemäkeln habe, lese die Geschichten mit großem Genuß.

Samstag, 11. Februar 2017

P. K. D. #29

Jonʼs World / »Jon« schloß an die vorherige Erzählung an. Die Menschen hatten ihren Krieg, den Krieg gegen die Greifer und den Krieg der Greifer untereinander überstanden. Mit einer Zeitmaschine reisten sie zurück, um an wissenschaftliche Papiere zu kommen. Dabei bedachten sie nicht, daß sie damit die Vergangenheit so veränderten, daß es eine andere Gegenwart als die ihre geben würde. Das war der Schwachpunkt der Erzählung: diese Betriebsblindheit nahm man den Zeitreisenden nicht ab. Der Sohn des Zeitreisenden sah vor der Zeitreise in Visionen die neue Gegenwart, weshalb ihn sein Vater, der das nicht verstand, lobotomieren ließ. Den Gegenstand der Visionen ahnte man selber zu früh. Man möchte eigentlich beim Lesen von Dicks Erzählungen, daß die Erwartungen bezüglich des weiteren Verlaufs enttäuscht werden.

Donnerstag, 9. Februar 2017

P. K. D. #28

Auch in Second Variety kommt man zu früh auf die Pointe. Vieles ‒ außer den Zeitreisen ‒ der Terminator-Saga ist präfiguriert. Die Menschen haben Kampfmaschinen gebaut, die immer selbständiger werden und sich selber reproduzieren. Dabei kommen neue Varianten heraus. Man geht von drei Varianten aus, von denen die titelgebende unbekannt ist. Die Roboter (oder Terminatoren) infiltrieren die nach dem Atomkrieg letzten auf der Erde überlebenden Menschen. Vier bleiben übrig, Rudi und Klaus aus Geilheit, weil sie bei der jungen Russin Tasso waren, die sich anscheinend den Soldaten prostituiert (aber es fehlt der Sex in den Erzählungen …: Barbarella!). Klaus stellt sich als Roboter heraus, und am Ende fliegt Tasso allein zur Mondstation, der letzten Bastion der Menschheit. Der zurückgebliebene Protagonist kommt nun darauf, was man schon lange geahnt hat: Klaus war nicht II-V, sondern IV-V, die zweite Variante war Tasso. – Bei den Strugatzkis wurde, soweit ich mich erinnere, der dem zweiten Weltkrieg folgende Atomkrieg nie oder nur kaum thematisiert, es gab bei ihnen – außer der Zone – keine Schilderung unserer Welt nach der totalen Vernichtung.

Scream 2 (Wes Craven, 1997, Original mit portugisischen Untertiteln)

Über die Nasen von Engeln und ob man ihren Arsch betatschen kann

Wärme

P. K. D. #27

Beyond the Door lebt ein Kuckuck in einer original schwarzwälder Kuckucksuhr, ›Made in Germany‹. Der Mann, der sie seiner Geliebten schenkt, ist profan, weshalb der Kuckuck ihn am Ende tötet. Es war hauptsächlich die Geschichte einer Paarbeziehung, mit einer Ahnung von Erotik da, als der Hausfreund Bob ins Spiel kam.

Dienstag, 7. Februar 2017

P. K. D. #26

The Cookie Lady ist eine alte Dame, die einen verfressenen Jungen mit Keksen ködert, um ihm seine Jugend zu stehlen, die alte Lamia-Geschichte. Am Ende ist sie wieder drall und geil und der Junge vergangen. Man ahnt wieder zu früh, was passieren wird.

Fenster #93

P. K. D. #25

In Nanny tragen die verschiedenen Hersteller von Roboter-Kindermädchen ihren Konkurrenzkampf derart aus, daß sie die Maschinen ohne das Wissen ihrer Käufer gegeneinander antreten lassen. Die Roboter werden zu Prestigeobjekten und immer größer, besser bewaffnet und teurer in der Anschaffung. Wenn Dick die satirischen Elemente seiner Plots zu arg betont, wird es vordergründig.

Montag, 6. Februar 2017

Samstag, 4. Februar 2017

P. K. D. #24

Prize Ship / »Globe from Ganymede« ist eine von den schwächeren Geschichten. In einem interplanetarischen Krieg fällt den Terranern ein Schiff des Gegners in die Hände. Vier Freiwillige probieren es aus und landen in einer Welt voller winziger Menschen. Sie vermuten sich in Swifts Liliput, legen den Hebel in die andere Richtung um und landen in der Welt der Riesen, wobei sie natürlich gleich an Brobdingnag denken. Am Ende kommt heraus: es war kein Raumschiff, sondern ein Zeitschiff, das die Terraner erbeutet hatten, und die verschiedenen Größen werden durch die Expansion des Universums erklärt, was aber nicht stimmt, wie ich erst kürzlich im Merkur lesen konnte: »Das Universum expandiert als Ganzes: Jeder Punkt im All entfernt sich von jedem anderen, sofern nicht lokale Kräfte entgegenwirken. Die Atome im Körper des Lesers dieser Zeilen entfernen sich nicht voneinander, die Erde bewegt sich nicht in zunehmend größerer Entfernung um die Sonne.« (Ernst-Wilhelm Händler, Das Universum ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Zur modernen Kosmologie der Möglichkeiten; in: Merkur Nr. 810, September 2016, S. 32). Ich glaube das einfach einmal …

Fenster #91

P. K. D. #23

In Colony erkundet ein Trupp einen unbekannten Planeten. Man sucht nach gefährlichen Lebensformen, aber man findet keine, der Planet erscheint als paradiesisch. Da taucht ein mimetisch begabtes Protoplasma auf und dezimiert die Mitglieder, indem es sie umhüllt und verdaut. Man ruft einen sich zufällig in der Nähe befindlichen Raumkreuzer zu Hilfe, um abgeholt zu werden, zieht sich nackt aus, um auch ja kein Stück Plasma mitzunehmen, und betritt den Kreuzer, der – man hat es geahnt – aus mimetisch begabtem und Menschen verdauendem Protoplasma besteht.

Fenster #90

P. K. D. #22

The King of the Elves / »Shadrach Jones« ist eine alberne Geschichte, die schwächste bisher: ein alter Tankwart bekommt Besuch von Elfen, die mit ihrem König von Trollen verfolgt Schutz bei ihm suchen. Als der alte König stirbt, machen sie ihn zu seinem Nachfolger. Als er sich vor seiner Umwelt damit brüstet, zweifelt man natürlich an seinem Verstand. Dann entpuppt sich sein bester Freund als der Herrscher der Trolle … Wenn Dick zweideutig hatte sein wollen, dann ist es ihm nicht gelungen.

P. K. D. #21

Out in the Garden ist eine eher amüsant makabre Geschichte. Ein Mann hat eine stille Frau, die sich stets in ihrem Garten aufhält und sich mit einem Erpel angefreundet hat. Eines Tages bekommt der Mann Besuch von einem Freund, der angesichts der Frau mit dem Erpel Verse von Keats über Zeus und Leda und die aus deren Vereinigung entsprossene Helena zitiert. Die Frau reagiert heftig darauf und bekennt ihrem Mann, schwanger zu sein. In dem ist von nun an allerdings der Keim des Mißtrauens gesät. Er kommt seinem Sohn nicht nahe, bis der ihn zu einem geheimen Fest einlädt. Erfreut denkt der Mann, der Bann sei gebrochen, doch auf dem geheimen Fest verzehrt der Junge mit Appetit Spinnen und Würmer, die Leckerbissen des Erpels.

Freitag, 3. Februar 2017

P. K. D. #20

The Great C spielt wieder einmal in einer Welt nach dem Atomkrieg. Die überlebenden Menschen leben in tribal organisierten Sozialverbänden. Einmal im Jahr schicken sie einen der ihren mit drei Fragen, an denen sie das ganze Jahr gefeilt, zu einem noch arbeitenden Supercomputer. Der hält sich mittels Bioenergie am Laufen: wenn er die Fragen beantworten kann, müssen die Fragesteller in einen Säurebottich springen. Mir fielen die Sphinx des Οἰδίπους, The Wizzard of Oz und natürlich Hal 9000 ein.

Fenster #89

P. K. D. #19

Auch in Paycheck geht es um Zeitreisen. Hinzu kommt ein Element, das auch in Total Recall auftaucht: der Mann, der sich selber instruiert. Der Protagonist arbeitet zwei Jahre in einer Firma und bekommt anschließend diese Zeit aus seinem Gedächtnis gelöscht. In der Buchhaltung erfährt er, daß er auf den ihm zustehenden enorm hohen Lohn zugunsten von sieben alltäglichen Gegenständen verzichtet hat. Aber als er kurz darauf verhaftet wird, rettet ihn prompt einer dieser Gegenstände. Durch die restlichen sechs erfährt er, was aus seinem Gedächtnis gelöscht wurde, und er kann sich durch sie Zutritt zu der Firma verschaffen. Das Ende ist etwas biedermeierlich: die Sekretärin ist die Tochter des Firmenchefs, und es deutet sich an, daß der Protagonist sie heiraten wird und die Familientradition so fortsetzt. Als Hintergrund hat Dick eine Welt entworfen, die Politik und Wirtschaft unter sich aufgeteilt haben, also eine Welt wie wir sie haben. Die betreffende Firma bereitet heimlich eine Revolution vor, deren Subjekt der kleine Mann von der Straße sein soll. Nun: momentan erlebt man ja mit Grausen die Revolutionen des kleinen Mannes von der Straße …

Donnerstag, 2. Februar 2017

P. K. D. #18

Meddler ist wieder eine Geschichte, in der es um Zeitreisen geht: man erkundet die Zukunft, um die Folgen anstehender Entscheidungen zu sehen. Die Bilder, die die Zeitsonde mitbringt, wechseln, mal wird alles eher gutgehen, mal nicht so ganz. Als aber dann plötzlich alle Nachrichten aus der Zukunft auf ein Ende der Menschheit hindeuten, wird ein Mann in die Zukunft geschickt, der in time herausfinden soll, was die Menschheit vernichtet hat. Der Mann kommt dahinter, daß es eine bis dato unbekannte intelligente und tödliche Schmetterlingsart ist, und er schleppt aus Versehen einige Exemplare davon im Raupenstadium in die Gegenwart ein. Es ist das gleiche paradoxe Problem wie in Stability: wo kommen die Schmetterlinge her? Sie sind quasi Kreaturen der Zeit.

Fenster #88

Fenster #87

P. K. D. #17

Auch in The Builder ‒ einer modernen Noah-Geschichte ‒ kommt man zu früh auf die Pointe, nämlich wenn das Boot, das der von etwas, was er selber nicht versteht, getriebene Mann baut, als »Kasten« bezeichnet wird. Man hat Luthers Übersetzung von Gen 6.14f. im Ohr: »Mache dir einen Kasten von tennen Holtz vnd mache Kammern drinnen vnd verpiche sie mit Bech inwendig vnd auswendig vnd mache jn also.« Die Geschichte endet mit den ersten dicken Regentropfen und dem Verstehen des Mannes, dessen Zeit gekommen ist (man muß warten können). Sehr treffend wird die Stimmung beschrieben, als der Protagonist nach der Mittagspause einfach nicht zurück zu seiner Arbeit geht: man nimmt sich seine Zeit.

P. K. D. #16

In The Short Happy Life of the Brown Oxford gibt es ein Wiedersehen mit Doc Labyrinth aus The Preserving Machine. Hier entdeckt er das Prinzip der hinreichenden Belästigung und baut anschließend darauf aufbauend aus einem Backofen einen Animator. Mit einem Knopf funktioniert der Animator nicht, wohl aber mit einem braunen Herrenschuh. Der entflieht, kaum daß er animiert wurde, und animiert sich später selber einen Damenschuh. Am Ende treiben die Schuhe es in den Büschen.

P. K. D. #15

The Crystal Crypt greift ein Motiv aus der ersten Erzählung – Stability – auf: die in einer kleinen Glaskugel gefangene Stadt. Auch hier weiß der Leser mehr als gut für die Geschichte ist. Terranische Terroristen kidnappen die Hauptstadt des Mars, mit dem die Erde kurz vor einem Krieg steht. Unmittelbar vor dem Abflug des letzten Terraner-Raumschiffes tauchen marsianische Grenzposten auf, um die Terroristen zu fassen. Alles geht gut, daß Schiff hebt ab und man trifft sich in der Bar, wo die Davongekommenen einem Mitreisenden die ganze Aktion erzählen. Der Mitreisende entpuppt sich am Ende – man hat es bereits seit längerem geahnt – als Spion vom Mars. Die Marsianer werden wie Orientalen beschrieben, es ist ein Orient, der ‒ wie von Borges beschrieben ‒ für Fremdheit steht.

Mittwoch, 1. Februar 2017

P. K. D. #14

In The Indefatigable Frog geht es um eines der Paradoxa Zenons, in dem ein hüpfender Frosch sein Ziel niemals erreichen kann, weil mit der Zeit seine Sprunglängen sich aus Erschöpfung heraus halbieren. Zwei sich streitende Hochschullehrer wollen diese These empirisch überprüfen, wobei der der eine den anderen in die Situation des Frosches bringt. Am Ende war man nicht weitergekommen, weil man zusätzliche Parameter in die Versuchsanordnung eingebracht hatte.

P. K. D. #13

In The Variable Man ist ab einem gewissen Punkt die Informationspolitik mißlungen. Man kann sich zu viel zu früh denken und wundert sich, daß die Figuren erst so spät auf die Lösung kommen. Die Erde steht vor dem Krieg mit einem galaktischen Imperium und will dann zuschlagen, wenn die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg höher ist denn für eine Niederlage. Als eine Superbombe kurz vor ihrer Vollendung steht, beginnt die Kriegstreiberei ihre hohe Phase, doch dann holen Historiker aus Versehen einen Menschen aus dem Jahr 1913 in das 22. Jahrhundert. Der ist für die Wahrscheinlichkeitscomputer nicht kalkulierbar und soll deshalb getötet werden. Doch der Konstrukteur der Superbombe erkennt in dem Mann einen MacGyver-Typen, denn er gut gebrauchen kann. Es folgen filmreife Action und ein happy end. Zum Schluß gibt es dann doch noch eine kleine Überraschung, als der variable Mann nämlich statt des Abfallprodukts Superbombe das urspünglich konzipierte, dann aber wegen unüberwindbarer Schwierigkeiten wieder aufgegebene Überlichtgeschwindigkeitsgefährt konstruiert.

Fenster #86

Dienstag, 31. Januar 2017

P. K. D. #12

In Expendable / »He Who Waits« herrscht Krieg zwischen den Insekten und den Menschen. Die Spinnen und die Vögel kämpfen dabei auf der Seite der Menschen. Anführer der Insekten sind die Ameisen, die die Erde beherrscht hatten, bevor die Menschen aus dem All kamen. Am Ende erklärt eine Spinne dem Protagonisten den Hintergrund und macht Hoffnung, aber nicht für ihn als Individuum, sondern nur für die Gattung.

Fenster #85

Fenster #84

Fenster #83

P. K. D. #11

In The Preserving Machine hat ein Mann – Doc Labyrinth (man wird ihm wiederbegegnen) – Angst, die Kulturgüter, vor allem die Musik, könnten in der allgemeinen sozialen Dekadenz vernichtet werden, und er läßt eine Maschine konstruieren, die die kanonisierten musikalischen Werke (erwähnt werden Komponisten von Mozart bis Wagner) in Lebewesen verwandelt. Doch diese Lebewesen unterliegen wie die Lebewesen in der Natur einer Evolution, und als er ein Bachtierchen zurück in die Maschine wirft, um zu hören, wie es nach der Zeit der Auswilderung klingt, hört man nur etwas als scheußlich beschriebenes (wahrscheinlich zeitgenössische Musik, die adäquat zu hören es einer Evolution beim Hörer bedarf). Dies ist eine Ideenerzählung und leider nicht bis ins Detail stimmig ausgeführt.

P. K. D. #10

In The Infinites wird eine Crew auf einem Asteroiden einer Strahlung ausgesetzt, die ihre Physis verändert. Allmählich kommen sie dahinter, daß sich ihre Gehirne auf Kosten der Physis erweitern, sie machen in Stunden die menschliche Evolution von Jahrmillionen durch. Dick schafft es nicht ganz, diesen Prozeß sprachlich adäquat darzustellen, es bleibt alles menschlich allzumenschlich. Am Ende kommen als deus ex machina die Meerschweinchen aus dem Labor und machen alles wieder gut. Das war die bisher schwächste Erzählung.

Fenster #82

Fenster #81

Fenster #80

P. K. D. #9

In Piper in the Woods behaupten in einer Garnison auf einem Asteroiden immer mehr Menschen, sie wären Pflanzen, und sie verhalten sich dann auch so, das heißt: sie leben bloß noch vegetativ ‒ also sogar noch eine Steigerung des Lebensmodus der homerischen Lotophagen. Ein Psychologe sucht nach den Ursachen und kommt zu dem Schluß, daß es keine Pfeifer im Wald gibt, die diesen Moduswechsel ins Vegetative veranlassen, was einer der Modifizierten behauptet hatte, sondern daß es sich um einen kollektiven Wahn handelt, der eine Reaktion auf das totale Eingebundensein in die Maschinerie ist. Am Ende ist der Psychologe ‒ was man erwartet hat ‒ selber eine Pflanze. Offen bleibt ‒ wenn es denn tatsächlich keine Pfeifer geben sollte ‒, wohin im Wald das schöne Mädchen den Psychologen geführt hat. Ich kam durch den Titel darauf, einmal The Wind in the Willow zu lesen.

Fenster #79

P. K. D. #8

In Mr. Spaceship befindet sich die Menschheit in einem interplanetarischen Krieg, in dem die Gegner mit ihren biologisch gesteuerten Waffen den mechanischen Waffen der Menschen überlegen sind. Deswegen statten die einen Raumkreuzer mit einem menschlichen Gehirn als Steuerungselement aus. Der Spender ist der alte Professor des Konstrukteurs, ein Pazifist. Der Konstrukteur geht davon aus, daß das Gehirn außerhalb des Körpers kein Bewußtsein mehr hat, der Professor vertritt dagegen die These, daß Denken das Bewußtsein konstituiert. Es ist also quasi die umgekehrte Fragestellung von Blade Runner. Das Ende ist wieder etwas kitschig: das menschliche Raumschiff entführt den Konstrukteur und dessen Ex-Frau, um auf einem abgelegenen Planeten mit den beiden als Ur-Eltern eine friedliche Menschheit heranzuzüchten.

Fenster #78

Montag, 30. Januar 2017

Fenster #77

Fenster #76

P. K. D. #7

In The Defenders erlebt man die Welt aus The Gun: die Menschheit hat sich nach dem finalen atomaren Schlagabtausch unter die Erde verzogen und Roboter führen in der radioaktiv verseuchten Welt den Krieg für sie weiter. So scheint es, denn man kommt dahinter, daß die Erde nie unbewohnbar war und die Roboter die Vernichtung bloß simuliert haben. Sie halten die Menschheit in ihrem subterranen Exil, bis sie reif genug ist, eine Welt zu bevölkern (eine pädagogische Variante von Terminator). Das hoffnungsvolle pastorale Ende war allerdings enttäuschend.

P. K. D. #6

In The Skull schicken im 22. Jahrhundert Sozialdarwinisten, Naturwissenschaftler und Kriegstreiber einen Häftling in das 20. Jahrhundert, um einen pazifistischen Kirchengründer zu töten. Der Häftling trifft den Kirchengründer nicht an, erkennt in dem zur Identifizierung mitgenommenen Schädel des Kirchengründers seinen eigenen (eine wunderbare Hamlet-Reminiszenz) und übernimmt daraufhin seine Rolle und predigt allein folgende Worte, angekündigt als Paradox und bezogen auf seine Zeitreise: »Those who take lives will lose their own. Those who kill, will die. But he who gives his own life away will live again!« Sehr schön auch die Erklärung der Wiederauferstehung: der Häftling stoppte zunächst seine Zeitmaschine ein paar Monate zu früh und wurde von Zeugen seiner Predigt wiedererkannt. Die Referenz ist natürlich das Leben Jesu, Dick hatte ähnliches bezüglich der Zeitreisen in Stability versucht. Und mir fiel natürlich gleich Michael Moorcocks Behold the Man ein (siehe Telos oder Beiträge zu einer Mythologie des Clemens Limularius. Fragment, Berlin 2013, S. 89 und dort die Fußnote 315; ich schaue nach: Moorcocks Roman ist aus dem Jahr 1966) und natürlich fielen mir gleich der Terminator ein und Terry Gilliams Twelve Monkeys.

Fenster #75

Sonntag, 29. Januar 2017

Fenster #74

Fenster #73

Fenster #72

P. K. D. #5

In The Gun landen Menschen (?) auf der nach einem Krieg mit nuklearen Waffen vollkommen zerstörten Erde (?). Als beim Start ihr Raumschiff beschossen wird, stoßen sie auf eine automatische Kanone, die das Kulturarchiv der hier untergegangenen Zivilisation bewacht. Die Besucher zerstören die Kanone und fliegen mit dem Vorsatz davon, zurückzukehren und dieses Archiv zu bergen. Als sie weg sind, rücken automatische Reparaturtrupps aus, um die automatische Kanone wieder zu reparieren. – Diese Geschichte stand bestimmt bei Planet of the Apes Pate. Interessant der Gedanke: man hinterläßt etwas, aber man läßt keinen daran. Ein Archiv wird immer auch durch seine Zugänglichkeit bestimmt. Dick hätte das Vokabular und die Andeutungen noch unbestimmter lassen können, aber vielleicht ging da auch etwas in der Übersetzung verloren.

Fenster #71

P. K. D. #4

In Beyound Lies the Wub übernimmt ein telepathisch begabtes intelligentes Marsschwein den Körper eines Raumschiffkapitäns, der es zum Verzehr erschießen will, genau in dem Augenblick, als der Schuß fällt. Anschließend verspeist es mit Genuß seinen ehemaligen Wirtskörper.

Mittwoch, 25. Januar 2017

»Ein merkwürdiger Gedanke«

Die Vergangenheit änderte sich, nachdem sie bereits geschehen war.

(Philip K. Dick, Der Pendler; in: Sämtliche 118 SF-Geschichten in fünf Bänden, Leipzig 3. Aufl. 2014, Bd. 2, S. 217).

Montag, 23. Januar 2017

P. K. D. #3

In The Little Movement versuchen Kriegsspielzeuge über ihre kindlichen Besitzer die Weltherrschaft an sich zu reißen. Aber die guten Spielsachen machen dem Blechsoldaten den Garaus. Eine Art Toy Story.

Donnerstag, 19. Januar 2017

P. K. D. #2

In Roog geht es um die Welt aus der Perspektive eines Hundes, aber nicht so konsequent wie bei Kafka. Man weiß nicht, was man von den Roogs halten soll, denn die Perspektive des Hundes wird durch das Verhalten der Müllmänner, so wie man es erwartet, konterkariert.

Dienstag, 17. Januar 2017

P. K. D. #1

In Stability geht es um Zeitreisen und um einen Umsturz im Stabilisierten. Dabei ist der Protagonist das Instrument, dessen sich der Umsturz bedient. Die Zeitmaschine selber hat keinen Ursprung. Vielleicht hatte Terry Gilliam ja an die Eingangssequenz der Erzählung gedacht, als er in Brazil seinen Protagonisten in dessen Tagträumen als geflügelten Heros gezeigt hatte.

Sonntag, 15. Januar 2017

Das ist schon etwas anderes!

»Der ganze Planet ist anscheinend völlig harmlos. Wissen Sie, ich frage mich, ob dies nicht der Garten Eden ist, den unsere Vorfahren verlassen haben.«
»Vertrieben worden sind sie«, präzisierte Hall.

(Philip K. Dick, Kolonie; in: Sämtliche 118 SF-Geschichten in fünf Bänden, Leipzig 3. Aufl. 2014, Bd. 1, S. 551).

Fenster #68

Fenster #2 Reprise

Donnerstag, 5. Januar 2017

Das Prinzip der hinreichenden Belästigung

Ich hatte den Ursprung des Lebens gefunden. Vor Äonen, irgendwann in der fernen Vergangenheit, war ein Stück lebloser Materie durch irgend etwas derart belästigt worden, daß es sich gereizt erhob und davonkroch.

(Philip K. Dick, Das kurze glückliche Leben des braunen Halbschuhs; in: Sämtliche 118 SF-Geschichten in fünf Bänden, Leipzig 3. Aufl. 2014, Bd. 1, S. 400).

Samstag, 31. Dezember 2016

Kein Ausblick

da, wo räusche angerührt werden, gibt es keine fenster, in kirchen, brauereien und theatern.

(Bertolt Brecht, Arbeitsjournal. 2 Supplementbände zu den gesammelten Werken, Frankfurt am Main 1974, S. 571).

Ewig & überall #2

Ewig & überall #1

Dienstag, 27. Dezember 2016

Sonntag, 25. Dezember 2016

Samstag, 17. Dezember 2016

VANITAS (24. September 2013 bis heute)

Kein Unterschied

Wir haben diese beiden Vorstellungen: daß die Träume Teil des Wachens sind, und die andere, die blendende, die der Dichter, daß alles Wachen ein Traum ist. Zwischen beidem gibt es keinen Unterschied.

(Jorge Luis Borges, Der Albtraum; in: Werke in 20 Bänden, hrsg. von Gisbert Haefs und Fritz Arnold, Bd. 16: Die letzte Reise des Odysseus, Frankfurt am Main 1992, S. 102).

Sonntag, 11. Dezember 2016

Seite 31 (Ausschnitt)

Das wahre Paradies findet man nur in der Hölle

Es gibt etwas, was Dante nicht ausspricht, was durch die ganze Episode hindurch zu spüren ist und ihr vielleicht ihre Gültigkeit verleiht. Mit unendlicher Milde berichtet Dante uns vom Geschick der beiden Liebenden, und wir fühlen, daß er sie um dieses Geschick beneidet. Paolo und Francesca befinden sich in der Hölle, Dante wird erlöst werden, sie jedoch haben einander geliebt, er dagegen hat die Liebe der Frau, die er liebt, Beatrices Liebe, nicht erringen können. Es ist etwas von erhabenem Trotz darin, und Dante muß es als schrecklich empfunden haben, denn er ist längst fern von Beatrice. Diese beiden Verworfenen hingegen sind zusammen, können nicht miteinander sprechen, kreisen im schwarzen Wirbel ohne jede Hoffnung, nicht einmal dann, sagt uns Dante, enden die Leiden, aber sie sind zusammen. Wenn Francesca spricht, sagt sie »wir«: Sie spricht für beide, eine andere Form des Zusammenseins. Sie sind in Ewigkeit vereint, teilen die Hölle miteinander, und für Dante muß das eine Art von Paradies gewesen sein.
Wir wissen, daß er sehr bewegt ist. Alsbald fällt er wie ein toter Körper.

(Jorge Luis Borges, Die göttliche Komödie; in: Werke in 20 Bänden, hrsg. von Gisbert Haefs und Fritz Arnold, Bd. 16: Die letzte Reise des Odysseus, Frankfurt am Main 1992, S. 90f.).

Die Erde ist keine Scheibe, sie ist auch keine Kugel, sie ist eine Büchse

Nebeneinanderliegende Büchsen bilden eine Wohnung. Übereinanderliegende Büchsen ein Haus. Es werden Löcher hineingemacht, um den Bewohnern, der Kälte und dem Regen Einlaß zu gewähren. Drehscheiben aus einem undurchsichtigen Stoff bewerkstelligen das Aussondern der Bewohner einer Büchse, vorausgesetzt, daß diese Drehscheiben mit einem Loch versehen sind, Schlüsselloch genannt. Es gibt verschiedene Büchsenkategorien. Im allgemeinen verheiraten sich die Ausländer in der Büchse, in der sie schlafen und umgekehrt. Es ist selten, daß sie sich in einer Büchse zu anderem Gebrauch verheiraten, in der Küche zum Beispiel (in dieser Büchse finden die kleinen Büchsen ihren Platz, dazu dient sie nämlich: Konservenbüchsen, Bohnerwachsbüchsen, Radieschenbüchsen). Es gibt Büchsen, die sie mehr oder weniger mit Wasser vollaufen lassen, das sind die Badezimmer. Diese letzteren sind selten. Die Ausländer, die keine haben, nennt man die Armen. Die andern nennen sich die Reichen. Man sieht es nicht oft, daß Reiche und Arme in dem gleichen Büchsenhaufen wohnen. Manchmal wird eine Familie von Reichen durch eine weibliche Person der armen Gattung vervollständigt. Diese schläft dann in einer Spezialbüchse, die unter dem Dach hängt.
Die Leute, die sich in ein Bettlaken wickeln, um aus dem Verkehr zu kommen, werden in eine Büchse gelegt, die man vergräbt. Zwei zusammengefügte Büchsen, deren gemeinsame Zwischenwand herausgebrochen ist, nennt man Theater. In der linken Büchse drängen sich die Zuschauer, in der rechten Büchse die Schauspieler. Die Zuschauer sind Leute, die sich versammeln, um Lärm zu machen, indem sie mit den Händen gegeneinanderschlagen. Die Schauspieler sind Leute, die zwischen den Pausen, die ihnen die Zuschauer lassen, laut miteinander sprechen. Unter den großen Büchsen, die für die Menschen bestimmt sind und den kleinen Büchsen, die für die Stoffe bestimmt sind, gibt es die kleinen, für die Menschen bestimmten Büchsen, die man Gefängnisse nennt und die großen, für die Stoffe bestimmten Büchsen, die man Lagerspeicher nennt. Die Büchsen von mittlerem Umfang heißen Möbel, die meisten Möbel sind äußerst verdrehte Büchsen. Ein Tisch ist eine plattgeschlagene Büchse auf vier Beinen. Der Stuhl ist ein ehemaliger 'Behälter von sehr kleinem Ausmaß, der zusätzlich mit einer Lehne versehen wurde; da der Rezipient, ähnlich wie beim Tisch, verschwunden ist, hat man ihn durch vier Beine gestützt. Der Kamm stellt die letzte Spur einer verschwundenen Gattung dar: die Grätenbüchse. Manche runden Büchsen enthalten Bohnerwachs, andere Zeitfragmente. Ein Stück von der Welt abgetrennte Zeit, in einen kleinen Kerker eingeschlossen, dreht sich wie ein Karussell im Kreise herum. Die Ausländer bringen in der Mitte Zeiger an und erfassen sodann das genaue Pensum. Manchmal jedoch siecht das Stück Zeit dahin und stirbt. Daraufhin bringt man es vor die Stadttore auf kleine Märkte voller Flöhe, wo es sich in alle Winde verstreut. Die zylindrischen Büchsen enthalten Stoffe, die einen bald am Schlafen hindern, bald einschläfern. Die kubischen Büchsen sind, wenn man sie den Kindern gibt, mit Zeichnungen geschmückt, die die Ausländer Buchstaben nennen, wenn man sie den Erwachsenen gibt, sind sie mit kleinen Kreisen geschmückt, deren Zahl sechs nie übersteigt. Die Ausländer schütteln sie hin und her und lassen sie dann rollen, aber sie können tun was sie wollen, es sind nie mehr als sechs Kreise auf ihren kubischen Büchsen. Auf die runden Büchsen malen die Ausländer unzählige kleine Kreise, von denen sie sagen, es seien Sterne oder aber sie bestreichen sie mit bunten Klecksen, von denen sie behaupten, es seien Festland und Ozeane. Die ovalen Büchsen enthalten ein Sperma, das beim Kochen hart wird, mit einem Auge ohne Augapfel in der Mitte. Man muß sie zerbrechen, um das alles zu finden, und dann ißt man es. In den Büchsen, deren eine weiße Fläche von einem Tuch ersetzt wird, walzt man menschliche Wesen bis zur äußersten Möglichkeit der Plattheit platt und projiziert sie dann durch ein Loch auf das phosphoreszierende Leintuch. Lange Zeit hindurch hat diese Operation die Schauspieler ihrer Stimme beraubt, ohne ihnen jedoch ihre Beweglichkeit zu nehmen. Die neuesten Fortschritte der ausländischen Chirurgie haben sie ihnen zurückgegeben. Manche Ausländer möchten ihnen ihr Volumen wiedergeben, aber andere Ausländer fragen daraufhin: warum das Plattwalzen?

(Raymond Queneau, Heiliger Bimbam, Frankfurt am Main 1987, S. 185ff.).

Freitag, 9. Dezember 2016

Samstag, 3. Dezember 2016

Fenster #63

Borges über Swedenborg

Danach gelangt er zu der Idee, daß die ganze Welt auf Entsprechungen beruhe. Die Schöpfung ist eine geheime Aufzeichnung, eine Kryptographie, die wir auszulegen haben. Alle Dinge sind in Wahrheit Wörter, außer jenen, die wir nicht begreifen können und deshalb wörtlich nehmen müssen.

(Jorge Luis Borges, Werke in 20 Bänden, hrsg. von Gisbert Haefs und Fritz Arnold, Frankfurt am Main 1991ff., Bd. 16: Die letzte Reise des Odysseus, S. 46).

Seite 26 (Ausschnitt)