Herbert Neidhöfer, homme de lettres
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Mittwoch, 29. März 2017
P. K. D. #65
In The Crawlers / »Foundling Home« kommen in der Nähe eines Strahlenlabors raupenartige Kinder zur Welt. Die Menschen reagieren mit Verunsicherung und Entsetzen, bis die Regierung die Mißgeburten alle auf eine unbewohnte Insel im Golf von Mexiko schafft. Dort bauen die Crawlers an einer Stadt und einem Ozeantunnel, stellen aber fest, daß es bei ihrem Nachwuchs zu Atavismen – es sind menschenartige Babys, auf die mit Verunsicherung und Entsetzen reagiert wird – kommt. Gut gelungen ist Dick der erste Absatz, in dem er in der Manier von Faulkner den Bau einer Höhle aus Sicht einer der Kreaturen schildert.
Montag, 27. März 2017
P. K. D. #64
In Exhibit Piece leidet ein für seinen Perfektionismus bekannter Museumsangestellter unter seinen Vorgesetzten. Er ist Experte für das 20. Jahrhundert im Museum für Geschichte. Als er eines Tages sein Exponat – das Haus eines mittleren Angestellten in Berkeley – betritt, da betritt er die Welt des mittleren Angestellten und seiner Familie. Irritiert konsultiert er dort einen Psychiater, weil die neue Welt ihm vertraut ist. Der Psychiater meint, er leide unter seinen Vorgesetzten und fliehe deshalb in die Welt der Zukunft. Der Protagonist kommt jedoch dahinter, daß beide Welten real sind und er mit seinem realistischen Exponat eine Zeitschleuse gebaut hat. Er entscheidet sich für die alte Welt, woraufhin ihm seine Vorgesetzten im Museum drohen, das Exponat zu vernichten. Er sagt, das mache ihm nichts, doch als er zu seinem 50er-Jahre-Couchtisch zurückkehrt, erfährt er aus der Zeitung, daß die Welt vor dem Untergang steht. – Bereits in mehreren Geschichten tauchte das Entsetzen von Ehefrauen auf, wenn ihre Männer ankündigten, sie würden heute nicht ins Büro fahren …
Sonntag, 26. März 2017
P. K. D. #63
To Serve The Master / »Be As Gods!« ist eine Blade Runner- und Terminator-Variation. Nach dem nuklearen Krieg, in dem alle Roboter vernichtet worden waren, findet ein niedriger, systematisch dumm gehaltener Angestellter einer unterirdischen Company einen nur halb zerstörten Roboter. Der beantwortet als Gegenleistung für die herbeigeschafften Ersatzteile alle Fragen des Angestellten: vor dem Krieg, so seine Geschichte, hätten Roboter alle Arbeit erledigt und die Menschen hätten Muße gehabt, ihren wirklichen Interessen nachzugehen (der junge Marx); dann sei aber eine fanatische Sekte mit der Ansicht gekommen, der Mensch müsse im Schweiße seines Angesichts seine Arbeit verrichten, es sei zu einem Krieg der Moralisten gegen die Hedonisten gekommen, den die Moralisten schließlich gewonnen hätten. Von dem Gedanken beseelt, die alten paradiesischen Zustände wiederherzustellen, besorgt der kleine Angestellte immer mehr technisches Material, bis er erwischt wird. Sein Vorgesetzter klärt ihn nun auf, der Krieg habe gegen die Androiden stattgefunden, die sich für die überlegene Spezies und die Menschen für Vieh gehalten hätten. Am Ende deutet Dick an, daß der kleine Angestellte gleichfalls ein Androide ist. ‒ Ich hätte der Geschichten des Roboters vor dem Auftauchen der Moralisten auch zu gerne geglaubt!
Samstag, 25. März 2017
Zu Lichtenberg
Wäre ich ein gläubiger Mensch, wäre ich anders, aber auch wenn ich verrückt wäre, wäre ich anders. Oder besser: Wenn ich ein anderer wäre, wäre ich anders.
(Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares, hrsg. von Richard Zenith, Zürich 2003, S. 422).
(Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares, hrsg. von Richard Zenith, Zürich 2003, S. 422).
P. K. D. #62
In Null-O / »Looney Lemuel« entwickeln empathielose Logiker, die das gesamte Universum in den Zustand der Entropie versetzen wollen, diverse Bomben. Sie wollen mit der Vernichtung Erde anfangen, dann mit der des Sonnensystems und dann mit der der Galaxis, um schließlich im Universum ihren Plan zu vollenden. Bevor sie jedoch soweit sind, werden sie von zehntausend gewöhnlichen Menschen zur Flucht auf die Venus veranlaßt. Dies ist eine der schwächeren Erzählungen, weil eine nicht völlig durchdachte Idee bloß dargestellt wird, anstatt daß sie andeutend umgesetzt wird.
Freitag, 24. März 2017
P. K. D. #61
In Tony and the Beetles kämpfen Menschen gegen insektenähnliche Aliens, also wieder die Starship Troopers-Konstellation. Die Menschen haben vor hundert Jahren die Aliens aus ihrem Lebensraum vertrieben, seit dem gibt es Krieg, aber nun wendet sich erstmals das Kriegsglück und die Aliens bekommen die Oberhand. Der Protagonist ist ein zehnjähriger Junge, der auf dem Alienplaneten geboren wurde und immer mit den Alienkindern gespielt hat. Diese begegnen ihm nach der Wende des Kriegsglücks plötzlich mit Haß und Gewalt. Für die Aliens könnten die Schwarzen stehen, die Inder oder die Indianer. Eine amüsante Idee in dieser düsteren Geschichte: »Tony war verlegen; weibliche Pas [das sind die Aliens] hatten eine gewisse telepathische Fähigkeit, die zu ihren Geschlechtsmerkmalen zählte. Sie wirkt bei Erdmenschen auf kurze Entfernung.«
Dienstag, 21. März 2017
P. K. D. #60
Mit Strange Eden / »Immolation« beginnt die zweite Hälfte der Geschichten. Eine unsterbliche Kirke verführt Männer, die auf ihrem Planeten landen (oder: läßt sich von ihnen verführen). Durch die Paarung verwandeln die Männer sich in harmlose Großkatzen. Die Kirke kündigt kurz vor dem Vögeln, wenn den Männern eh schon alle Folgen egal sind und es für sie kein zurück mehr gibt, warnend eine Metamorphose an, läßt aber deren Richtung offen.
Sonntag, 19. März 2017
P. K. D. #59
The Father-Thing ist aus einem Kokon geschlüpft den ein komischen Insekt – vermutlich aus dem All – hinterlassen hat. Es gibt auch ein Mother-Thing und ein Charles-Thing, also wieder einmal Body Snatchers. Der Sohn Charles, der dahinterkommt, schafft es mit zwei Freunden, die Invasion im Keim zu ersticken. ‒ Dies war jetzt die erste Hälfte der Geschichten.
P. K. D. #58
In The Last of the Master / »Protection Agency« hatte eine anarchistische Liga alle Regierungen gestürzt und alle Atomwaffen vernichtet, bevor es zu dem großen Krieg, der das Werk Dicks größtenteils bestimmt (Hatte ich bereits erwähnt, daß der dritte Weltkrieg, soweit ich das überblicke, für die fast zeitgleich schreibenden Strugatzkis kein Thema war?), kommen konnte. 300 Jahre später lebte noch ein Regierungsroboter, der die alte Ordnung samt Kriegsproduktion in einem abgeschiedenen Exil am Laufen hielt, bis auch ihm die Anarchisten den Garaus machten. Wie auch in der Geschichte davor – aber weitaus weniger – spielte die Frage, ob schöpfen gleich zerstören sei, eine Rolle, und der, der das Ende des letzten Regierungsroboters möglich gemacht hatte, behielt einen Teil von dessen Gedächtnisrollen in Verwahrung.
P. K. D. #57
The Turning Wheel beschreibt eine Kastengesellschaft, deren Herrscher an die Seelenwanderung glauben, die ganze Scheiße mit allem Drum und Dran: Auf- oder Abstieg im nächsten Leben je nach dem Verhalten in diesem, Schicksalsergebenheit (die aber leicht als Ideologie zu durchschauen ist) et cetera. Der Gott der obersten Barden-Kaste heißt Elron Hu, und ich dachte mir, daß da wer konkretes dahintersteckt (wie ich sicher viele Anspielungen nicht bemerkt habe): L. Ron Hubbard, der Gründer von Scientology. Der Protagonist hat die Möglichkeit, in die Zukunft und darüber hinaus zu schauen, und er erfährt, daß er in acht Monaten sterben und als Schmeißfliege auf dem übelsten aller Planeten wiedergeboren wird. Dann schickt man ihn zu einem Einsatz gegen die Tinker, eine Sekte, die ihre Umwelt beeinflußt. Am Ende verschweigt der Abgesandte ihre Stärke und bekommt dafür Penicillin, das ihn vielleicht vor dem Schmeißfliegenschicksal bewahren kann.
P. K. D. #56
Bei The Golden Man / »The God Who Runs« ist die Diskrepanz zwischen angeblicher Autorenintension und meiner Lesart enorm. Dick schrieb, er habe in einer Zeit, als Mutanten überall als die überlegenen Retter der Menschheit dargestellt wurden, Mutanten vorführen wollen, die für die Menschheit eine Bedrohung darstellten und gnadenlos vernichtet werden müßten. Ich las die Geschichte zunächst ‒ auch wegen der negativen Darstellung der Agenten ‒ als eine Parabel auf die Kommunistenverfolgung unter McCarthy. Und dann kam, zum ersten Mal in den Geschichten, wirklich richtige Sexualität ins Spiel (nicht mit Bäumen), zunächst als erotische Photographie einer Frau mit acht Brüsten (das Plakat zu Fellinis Roma kam mir in den Sinn) und dann als sich die Verlobte eines der Agenten von dem Gott-Tier verführen ließ. Das hat mir gefallen, aber dann kam der Perspektivwechsel: es erschien, als habe sie sich nicht willentlich verführen lassen, sondern sei unwillentlich unter einem Bann verführt worden, daß also der Mutant sie bloß benutzt hatte, um aus dem Gebäude zu kommen. Ich hätte es poetischer gefunden, wenn es wie in der Mythologie gewesen wäre: ohne daß der Agent es ahnt, trägt die Frau einen Halbgott unter ihrem Herzen. ‒ Ich stieß bereits desöfteren auf Beispiele einer hingehudelten Übersetzung.
Samstag, 18. März 2017
Donnerstag, 16. März 2017
P. K. D. #55
In The Eyes Have It liest ein Ich-Erzähler einen Roman und nimmt plötzlich alle Metaphern mit Körperteilen – etwa: »… schließlich ließen seine Augen Julia [sic!] nicht mehr los.« ‒ wörtlich. Das bringt ihn zu dem Schluß, grauenhafte Außerirdische, die sich in ihre Körperteile auflösen und sich wieder zusammensetzen können, hätten heimlich die Herrschaft über die Erde übernommen.
Mittwoch, 15. März 2017
P. K. D. #54
The Hanging Stranger – eine Body Snatchers-Geschichte – dagegen ist sehr gelungen: ein Mann, der den ganzen Tag arbeitend im Keller verbracht hat, fährt zu seinem Geschäft und sieht dabei einen an einer Laterne aufgehängten Mann, den alle außer ihm wie selbstverständlich hinnehmen. Der Mann kommt schließlich darauf, daß Aliens sich in den Körpern der Bürger seiner Stadt einnisten. Er flieht in die Nachbarstadt und erzählt dort seine Geschichte der Polizei. Die ist jedoch bereits übernommen und man erzählt ihm, man hänge einen Fremden als Lockvogel an die Laterne, um herauszufinden, wer noch übrig sei, ein Schicksal, daß ihm nun selber blüht, um einen Bankdirektor zu entlarven, der den ganzen Tag in seinem Tresor gearbeitet hatte. Diesmal kam ich nicht vorzeitig darauf, worauf alles hinauslief.
Montag, 13. März 2017
P. K. D. #53
In Fair Game wird der größte Nuklearforscher der Erde von einem gigantischen Auge beobachtet und mit Fallen angelockt. Er und seine Freunde stellen verschiedene Theorien auf, der Mann flieht schließlich allein. Als er eitel zu dem Schluß kommt, daß eine fremde Intelligenz ihn verfolgt, weil er der größte Nuklearforscher der Erde ist, stellt er sich geschmeichelt den Aliens. Er landet jedoch nicht in deren Labors, sondern in einer Bratpfanne. Die Geschichte war zu arg an der Pointe ausgerichtet, den Weg dorthin gestaltete Dick nicht plausibel. Man würde anders reagieren, wenn einem solches passierte.
Nachtrag vom Freitag, dem 9. Juni 2017
Aus Versehen erhielt dieser Beitrag die Kategorie Fenster, wodurch das Fenster #103 übergangen wurde. Hier nun das betreffende Bild …
Fenster #103
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Nachtrag vom Freitag, dem 9. Juni 2017
Aus Versehen erhielt dieser Beitrag die Kategorie Fenster, wodurch das Fenster #103 übergangen wurde. Hier nun das betreffende Bild …
Fenster #103
P. K. D. #52
Der Prominent Author entpuppt sich als niemand anderes als Jahwe in Gestalt eines Angestellten, der täglich durch die vierte Dimension zu seiner Arbeit pendelt. Dabei trifft er in einem Leck seines Wurmlochs auf kleine Gestalten, die ihm auf winzigen Blättern Fragen stellen. Mittels einer Übersetzungsmaschine und der Bibliothek seines Amtes beantwortet er die Fragen und übergibt sie den kleinen Menschen. Es stellt sich heraus, daß die Sprache Althebräisch ist und die Fragen über Jahrhunderte gestellt werden, weil die Zeit eine andere ist. Deswegen sind die Israeliten auch so klein, es ist das gleiche falsche Argument wie in Prize Ship. Jedenfalls befriedigt den Angestellten, das alte Testament verfaßt zu haben.
Donnerstag, 9. März 2017
8. September 1933
Alles, was existiert, existiert möglicherweise, weil etwas anderes existiert. Nichts ist, alles koexistiert: So und nicht anders ist es vielleicht.
(Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares, hrsg. von Richard Zenith, Zürich 2003, S. 416).
(Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares, hrsg. von Richard Zenith, Zürich 2003, S. 416).
P. K. D. #51
In Survey Team wollen die Menschen, nachdem sie die Erde unbewohnbar gemacht haben, auf den Mars umsiedeln. Denn Mars finden sie gleichsam ausgeplündert vor und die Zivilisation, die dies getan, gleichsam umgesiedelt. Es stellt sich heraus: die Marsausbeuter haben vor ein paar hunderttausend Jahren die Erde besiedelt.
Mittwoch, 8. März 2017
P. K. D. #50
In Souvenier geht es um die Galaxierung (analog zu Globalisierung). Die universale Gesellschaft ist funktional differenziert und es darf dabei keine Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen geben. Als eine bewußt regressive Gesellschaft den Anschluß verweigert, wird sie vernichtet. Aber einer der Söldner bringt seiner Familie archaische Artefakte mit, die einer seltsame Faszination ausüben. Die Außenseite des Systems ist immer auch im System.
P. K. D. #49
Auch in Small Town / »Engineer« ahnte ich sehr früh in etwa, auf was es hinauslaufen würde. Es war aber dann keine Art von Voodoo, wie ich gedacht hatte ‒ er entfernt gezielt Institutionen und Personen auf seiner Modelleisenbahn ‒, sondern das Modell trat in toto an die Stelle der Wirklichkeit, wobei wohl nur diejenigen die Metamorphose spürten, die ihre Zeugen waren: die untreue Gattin und ihr Geliebter.
Montag, 6. März 2017
P. K. D. #48
In Planet for Transmits / »The Itinerants« geht es einmal mehr um die nach dem nuklearen Krieg für die überlebenden Menschen unbewohnbar gewordene Erde. Es gibt allerdings Mutantionen, die sich angepaßt haben. Der Protagonist ist ein Mensch, der nur mit schwerer Ausrüstung überleben kann. Er trifft auf Artgenossen, die sich anschicken, die Erde, die ihnen keine Heimat mehr sein kann, zu verlassen. Es geht nicht an, sie wieder menschenbekömmlich zu machen, damit würde man all die Vielfalt, die sich gebildet hat, töten. Man hat sich durch seinen Krieg selber zum bloßen Gast hier gemacht.
Sonntag, 5. März 2017
P. K. D. #47
In James P. Crow sind die Roboter die Herren und die Menschen deren Knechte. Der Protagonist ‒ mit dessen Name es eine Bewandtnis hat, die ich recherchieren muß: Jim Crow war im 19. Jahrhundert eine durch einen Komiker berühmt gewordene Projektionsfigur der Weißen zur Rassendiskriminierung in den USA; nach ihr wurden die Gesetzte der Rassentrennung benannt ‒ kann sich mittels Schummelei bei den Eignungstests bis in die Regierung hochschaffen. Dort erklärt er den Robotern ihre ursprüngliche Herkunft aus Menschenhand und nötigt sie, die Erde zu verlassen, die er nun vermutlich allein beherrschen wird. Die Erzählung funktioniert nicht, weil die Roboter wie eine menschliche Herrenkaste dargestellt werden. Warum sollten sie eitel sein und gekränkt reagieren? Reine Rationalität würde anders funktionieren. Die Idee ist gut, aber nicht bis zu Ende gedacht und literarisch nicht adäquat umgesetzt.
Samstag, 4. März 2017
P. K. D. #46
In Impostor geht es wieder um Dicks großes Thema, das Blade Runner-Thema. Außerirdische haben einen Menschen durch einen Androiden ersetzt. Der Androide hat ein künstliches Bewußtsein, das ihn glauben läßt, er wäre der Mensch, und nicht jene Überreste in dem Wrack. Erst der Anblick des ermordeten Originals läßt ihn die Wahrheit erkennen, und die Wortfolge, die er dabei mit (diegetischer) Notwendigkeit äußert, läßt die Bombe, die der Android in sich trägt, hochgehen.
P. K. D. #45
In The Impossible Planet / »Legend« möchte eine uralte Frau auf die Erde, die sei aus Erzählungen ihres Großvaters kennt. Aus Geldgier wird sie von einem Raumschiffkapitän zu dem nächsten Planeten, der den Legenden über einen Urplaneten entspricht (es mußte der dritte Planet eines Sonnensystems mit neun Planeten sein) gebracht. Es ist der unwirtlichste Ort des bekannten Universums. Die uralte Frau will es nicht glauben, der Kapitän versichert, sie läßt sich zu dem stinkenden Ozean bringen und stirbt. Der Kapitän findet auf dem Weg zurück zum Schiff eine Medaille mit der Inschrift E PLURIBUS UNUM, erkennt aber nicht den alten Wahlspruch der USA (die Resolution 396 des Kongresses machte 1956 IN GOD WE TRUST zum neuen Wahlspruch) und wirft das Ding in den Müll.
Freitag, 3. März 2017
P. K. D. #44
Adjustment Team ist wieder so eine Welt am Draht- oder Matrix-Geschichte: in unsere Realität wird von außen eingegriffen, nicht von einem Gott, sondern von einem Demiurgen, einer behördenhaft organisierten Instanz. Die Schwäche bei dieser Variante der Geschichte ist, daß eine einzige Kausalkette herausgegriffen wird, an den Rändern zerfranst dadurch die Schlüssigkeit, weil es in unserer Realität keine Kausalketten, sondern nur Kausalgeflechte oder schier unendlich viele Kausalitäten gibt. Was zum Beispiel ist mit dem veränderten Douglas? Wurden alle Leute, die den alten Douglas kannten, auch adjustiert? Dann war aber dieser räumliche Aspekt der Veränderung (nur der Sektor T137) nicht schlüssig. ‒ Auch bei dieser Geschichte sieht man trotz oder gerade wegen den Inkonsistenzen eine mögliche Hollywood-Adaption vor sich.
Mittwoch, 1. März 2017
P. K. D. #43
In Human Is … kehrt ein Ekelpaket von Mann verändert von einem anderen Planeten zurück. Der Körper wurde nämlich von einem freundlichen Alien übernommen. Die Frau des Ekels soll nun vor der zuständigen Behörde aussagen, damit der status quo ante wieder hergestellt wird. Das möchte sie aber nicht, sie zieht das freundliche Alien dem menschlichen Ekel vor. Eine Variation von Balzacs Le Colonel Chabert.
P. K. D. #42
In Of Withered Apples fühlt sich eine Frau von einem alten und fast schon toten Apfelbaum eindeutig sexuell angezogen. Sie ißt einen seiner kleinen verschrumpelten Äpfel und stirbt anschließend an einer Blinddarmentzündung. Auf ihrem Grab wächst ‒ man ahnte es bereits bei der Mitteilung, daß sie gestorben war ‒ ein Apfelbaum, dessen Früchte frühreif die Farbe ihrer Wangen haben. Was sonst über die Verdauung passieren soll, geschah hier über den Tod (vgl. Joh 12.24), weil ein Koitus nicht zustande kommen konnte.
P. K. D. #41
In The Hood Maker / »Immunity« kontrollieren Telepathen im Auftrag des herrschenden Systems die Loyalität der Bürger, streben darüber hinaus aber die Macht im Staat für sich selber an. Ein Mann entdeckt ein Mittel gegen die Gedankenkontrolle und daß die Telepathen keine Mutanten sind, sondern infertile Mißgeburten. Als er ihnen das sagt, bringen sie – Γνῶθι σεαυτόν – sich um.
Sonntag, 26. Februar 2017
P. K. D. #40
A Present for Pat ist ein Gott von dem Jupitermond Ganymed. Es ist eine alberne Geschichte, am Ende stellt sich heraus, daß der Gott sich auf die Erde bringen ließ, um einen Schurken aus seiner Dimension zu jagen.
P. K. D. #39
Breakfast at Twilight ist eine sehr düstere Geschichte, ich mußte an Godards Carabinieri denken: eine Familie findet sich plötzlich sieben Jahre in der Zukunft wieder, in der auß dem vermeintlich bloß kalten ein heißer Krieg geworden ist. Auch als sie dann glücklich zurück in ihre Zeit kommen – wobei der Erzähler den kleinen Earl vergißt –, wissen sie doch, daß das Grauen bald beginnen wird.
Samstag, 25. Februar 2017
P. K. D. #38
In The Trouble with Bubbles / »Plaything« geht es darum, daß die raumfahrenden Menschen aus Enttäuschung darüber, daß es keine bewohnten Welten in ihrem Umkreis gibt, künstliche Welten schaffen und mit denen nach ihrem neurotischen Gutdünken umgehen. Am Ende erlebt der Protagonist diese Willkür auf der Erde. Es ist das Thema von Welt am Draht, das Platons Gleichnis freisetzt: wenn es künstliche Welten gibt, woher weiß man dann, daß die eigene Welt natürlich ist? Für mich ist das bloß literarisch von Interesse, es machte mir nichts aus, ein künstliches Geschöpf zu sein, ich habe, was die Zuschreibung von Übel angeht, ein Autoimmunsystem, das jede Externalisierung der Ursachen abwendet. Ein gewisser Soame Jenyns (1704 ‒ 1786) hatte wohl, wie ich bei Pessoa gelesen, solches in seinem Essay A Free Enquiry into Nature of Origin of Evil beschrieben: »So wie wir in das Leben uns unterlegener Wesen eingreifen […], so, darf man auch annehmen, verfahren Wesen mit uns, die uns überlegen sind wie wir dem Vieh auf unseren Weiden oder den Vögeln in unseren Lüften.« (Fernando Pessoa, Baron von Teive. Die Erziehung zum Stoiker, hrsg. von Richard Zenith, Frankfurt am Main 2008, S. 29).
Freitag, 24. Februar 2017
P. K. D. #37
In Project Earth / »One Who Stole« beobachten Kinder einen Assistenten des Demiurgen beim Verfassen des Abschlußberichts über den zweiten Versuch, eine Spezies zu etablieren. Der erste Versuch – wohl die Engel – war gescheitert, der zweite Versuch – die Menschheit – sollte abgebrochen werden und der dritte Versuch wurde von einem neugierigem und diebischem und habgierigem Jungen sabotiert. Im dritten Versuch gab es neun fünf Zentimeter große humanoide Wesen mit Fühlern und mehr Rationalität, als uns gegeben ist. Die Freundin des Jungen verpaßte ihnen Kleider, was den Assistenten des Demiurgen an die Anfänge des zweiten Versuchs erinnerte.
P. K. D. #36
In A Surface Raid geht es wieder einmal um die Welt nach dem dritten, nuklearen Krieg. Unter der Erde leben die Technos, auf der Erde die Saps. Ab und an entführen Technos Saps (von homo sapiens), vor allem Weibchen. Bei einer solchen Entführungstour verliebt sich der Sohn des Techno-Anführers in ein Sap-Weibchen und zeigt sich ihr (d. d.: er schaltet seine Tarnkappe aus). Das Weibchen rennt schreiend davon, und später erzählt ein Alter, sie habe einen Kobold gesehen. Die Bezüge zu Wellsʼ Time Machine (Morlocks und Eloi) sind offenbar, obwohl es hier ja nur eine Reise im Raum ist.
Donnerstag, 23. Februar 2017
P. K. D. #35
The World She Wanted ist ein Spiel mit Leibnizʼ bester aller möglichen Welten und mit dem Konstruktivismus. Das Ganze erinnerte mich an Diotima: eine Frau glaubt, die ganze Welt sei nur für sie da. Es gelingt ihr alles, bis der Mann sie aus seiner Welt herauswirft (es könnte natürlich auch der Mann glauben etc. und die Frau herauswerfen).
Sonntag, 19. Februar 2017
P. K. D. #34
In The Commuter verändert sich die Vergangenheit von einem gewissen Punkt aus, die Veränderung wirkt aber von da weiter in die Gegenwart. Das Ende dieser Geschichte ist nicht bedrohlich, der Protagonist hat plötzlich ein in einem parallelen Universum gezeugtes Kind.
Samstag, 18. Februar 2017
P. K. D. #33
In Martians Come in Clouds / »The Buggies« suchen die Marsianer Asyl auf der Erde, ihre Bitten werden aber nicht wahrgenommen und die Bittsteller vernichtet.
Freitag, 17. Februar 2017
Empirie, 8. Update
¡Hans Koberlin vive! in Daten (der Stand von heute):
* (= die momentane Fußnote 361 auf S. 75) Wir haben für unseren Prolog den Zeitraum von Anbeginn der Schöpfung bis zum Dienstag, dem 1. Oktober 2013 veranschlagt. – Nun: »In der Schiffsbibel von Charles Darwin auf der ›Beagle‹, mit der er von 1831 bis 1836 die Welt bereiste, stand das Datum der Weltschöpfung eingetragen: 23. Oktober 4004 vor Christi Geburt, 9 Uhr vormittags.« (Hans Blumenberg, Die Sorge geht über den Fluß, Frankfurt am Main 1987, S. 47).
Wird aktualisiert!
- Stand des Manuskripts:
- Seiten: S. 1042 von ca. 1.800 Seiten
- Fußnoten: 3063
- Stand der Überarbeitung:
- Seiten: S. 852 von ca. 1.800 Seiten
- Fußnoten: 2456
- Kapitel: XII (= Phase V – oder: Un gringo en Calpe) von XXIV Kapiteln nebst einem Anhang
- Tag der Überarbeitung: Samstag, der 22. Februar 2014, der 144. von 324 konkreten und von allen möglichen Tagen
- Beginn der Handlung: 23. Oktober 4004 vor unserer Zeitrechnung, 9 Uhr vormittags*
- Ende der Handlung: fällt mit dem Ende der (oder bloß einer?) Welt zusammen
- Beginn der Niederschrift: Mittwoch, den 2. Oktober 2013
- Ende der Niederschrift: noch nicht abzusehen
* (= die momentane Fußnote 361 auf S. 75) Wir haben für unseren Prolog den Zeitraum von Anbeginn der Schöpfung bis zum Dienstag, dem 1. Oktober 2013 veranschlagt. – Nun: »In der Schiffsbibel von Charles Darwin auf der ›Beagle‹, mit der er von 1831 bis 1836 die Welt bereiste, stand das Datum der Weltschöpfung eingetragen: 23. Oktober 4004 vor Christi Geburt, 9 Uhr vormittags.« (Hans Blumenberg, Die Sorge geht über den Fluß, Frankfurt am Main 1987, S. 47).
Wird aktualisiert!
Donnerstag, 16. Februar 2017
P. K. D. #32
In Some Kinds of Life / »The Beleaguered« werden zuerst der Mann, dann der Sohn und schließlich die Frau mit der Begründung der Wohlstands- beziehungsweise Komfortwahrung in Kriege um diverse Rohstoffe eingezogen. Am Ende existiert die automatisierte Zivilisation weiter, aber es gibt keine Menschen mehr. Das ergäbe mit seinen Wiederholungen eher einen »Kein Blut für Öl!«-Song denn eine Geschichte.
Dienstag, 14. Februar 2017
P. K. D. #31
In Progeny werden die Kinder unmittelbar nach der Geburt Robotern übergeben, die sie, ohne dabei die Neurosen und Komplexe von Eltern zu hinterlassen, erziehen. Die Kinder entfremden sich dabei von den Menschen, aber da sie ja noch immer Menschen sind, muß das nicht grundsätzlich schlecht sein. In dieser Geschichte läuft nicht alles auf eine Pointe hinaus, das ist für sie von Vorteil.
Sonntag, 12. Februar 2017
P. K. D. #30
In The Cosmic Poachers / »Burglar« überfallen Terraner das Schiff einer Insektenspezies und entwenden die Fracht ‒ scheinbar Juwelen, aber es sind die Eier der Insekten, die nun auf die Erde gebracht werden. Auch hier ahnte man sofort, was kommen würde. Ich mußte an Starship Troopers und an Alien (wegen der Eier) denken. ‒ Auch wenn ich oft etwas zu bemäkeln habe, lese die Geschichten mit großem Genuß.
Samstag, 11. Februar 2017
P. K. D. #29
Jonʼs World / »Jon« schloß an die vorherige Erzählung an. Die Menschen hatten ihren Krieg, den Krieg gegen die Greifer und den Krieg der Greifer untereinander überstanden. Mit einer Zeitmaschine reisten sie zurück, um an wissenschaftliche Papiere zu kommen. Dabei bedachten sie nicht, daß sie damit die Vergangenheit so veränderten, daß es eine andere Gegenwart als die ihre geben würde. Das war der Schwachpunkt der Erzählung: diese Betriebsblindheit nahm man den Zeitreisenden nicht ab. Der Sohn des Zeitreisenden sah vor der Zeitreise in Visionen die neue Gegenwart, weshalb ihn sein Vater, der das nicht verstand, lobotomieren ließ. Den Gegenstand der Visionen ahnte man selber zu früh. Man möchte eigentlich beim Lesen von Dicks Erzählungen, daß die Erwartungen bezüglich des weiteren Verlaufs enttäuscht werden.
Donnerstag, 9. Februar 2017
P. K. D. #28
Auch in Second Variety kommt man zu früh auf die Pointe. Vieles ‒ außer den Zeitreisen ‒ der Terminator-Saga ist präfiguriert. Die Menschen haben Kampfmaschinen gebaut, die immer selbständiger werden und sich selber reproduzieren. Dabei kommen neue Varianten heraus. Man geht von drei Varianten aus, von denen die titelgebende unbekannt ist. Die Roboter (oder Terminatoren) infiltrieren die nach dem Atomkrieg letzten auf der Erde überlebenden Menschen. Vier bleiben übrig, Rudi und Klaus aus Geilheit, weil sie bei der jungen Russin Tasso waren, die sich anscheinend den Soldaten prostituiert (aber es fehlt der Sex in den Erzählungen …: Barbarella!). Klaus stellt sich als Roboter heraus, und am Ende fliegt Tasso allein zur Mondstation, der letzten Bastion der Menschheit. Der zurückgebliebene Protagonist kommt nun darauf, was man schon lange geahnt hat: Klaus war nicht II-V, sondern IV-V, die zweite Variante war Tasso. – Bei den Strugatzkis wurde, soweit ich mich erinnere, der dem zweiten Weltkrieg folgende Atomkrieg nie oder nur kaum thematisiert, es gab bei ihnen – außer der Zone – keine Schilderung unserer Welt nach der totalen Vernichtung.
P. K. D. #27
Beyond the Door lebt ein Kuckuck in einer original schwarzwälder Kuckucksuhr, ›Made in Germany‹. Der Mann, der sie seiner Geliebten schenkt, ist profan, weshalb der Kuckuck ihn am Ende tötet. Es war hauptsächlich die Geschichte einer Paarbeziehung, mit einer Ahnung von Erotik da, als der Hausfreund Bob ins Spiel kam.
Dienstag, 7. Februar 2017
P. K. D. #26
The Cookie Lady ist eine alte Dame, die einen verfressenen Jungen mit Keksen ködert, um ihm seine Jugend zu stehlen, die alte Lamia-Geschichte. Am Ende ist sie wieder drall und geil und der Junge vergangen. Man ahnt wieder zu früh, was passieren wird.
P. K. D. #25
In Nanny tragen die verschiedenen Hersteller von Roboter-Kindermädchen ihren Konkurrenzkampf derart aus, daß sie die Maschinen ohne das Wissen ihrer Käufer gegeneinander antreten lassen. Die Roboter werden zu Prestigeobjekten und immer größer, besser bewaffnet und teurer in der Anschaffung. Wenn Dick die satirischen Elemente seiner Plots zu arg betont, wird es vordergründig.
Montag, 6. Februar 2017
Samstag, 4. Februar 2017
P. K. D. #24
Prize Ship / »Globe from Ganymede« ist eine von den schwächeren Geschichten. In einem interplanetarischen Krieg fällt den Terranern ein Schiff des Gegners in die Hände. Vier Freiwillige probieren es aus und landen in einer Welt voller winziger Menschen. Sie vermuten sich in Swifts Liliput, legen den Hebel in die andere Richtung um und landen in der Welt der Riesen, wobei sie natürlich gleich an Brobdingnag denken. Am Ende kommt heraus: es war kein Raumschiff, sondern ein Zeitschiff, das die Terraner erbeutet hatten, und die verschiedenen Größen werden durch die Expansion des Universums erklärt, was aber nicht stimmt, wie ich erst kürzlich im Merkur lesen konnte: »Das Universum expandiert als Ganzes: Jeder Punkt im All entfernt sich von jedem anderen, sofern nicht lokale Kräfte entgegenwirken. Die Atome im Körper des Lesers dieser Zeilen entfernen sich nicht voneinander, die Erde bewegt sich nicht in zunehmend größerer Entfernung um die Sonne.« (Ernst-Wilhelm Händler, Das Universum ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Zur modernen Kosmologie der Möglichkeiten; in: Merkur Nr. 810, September 2016, S. 32). Ich glaube das einfach einmal …
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Sämtliche 118 SF-Geschichten,
Zeit,
Zitat (extern)
P. K. D. #23
In Colony erkundet ein Trupp einen unbekannten Planeten. Man sucht nach gefährlichen Lebensformen, aber man findet keine, der Planet erscheint als paradiesisch. Da taucht ein mimetisch begabtes Protoplasma auf und dezimiert die Mitglieder, indem es sie umhüllt und verdaut. Man ruft einen sich zufällig in der Nähe befindlichen Raumkreuzer zu Hilfe, um abgeholt zu werden, zieht sich nackt aus, um auch ja kein Stück Plasma mitzunehmen, und betritt den Kreuzer, der – man hat es geahnt – aus mimetisch begabtem und Menschen verdauendem Protoplasma besteht.
P. K. D. #22
The King of the Elves / »Shadrach Jones« ist eine alberne Geschichte, die schwächste bisher: ein alter Tankwart bekommt Besuch von Elfen, die mit ihrem König von Trollen verfolgt Schutz bei ihm suchen. Als der alte König stirbt, machen sie ihn zu seinem Nachfolger. Als er sich vor seiner Umwelt damit brüstet, zweifelt man natürlich an seinem Verstand. Dann entpuppt sich sein bester Freund als der Herrscher der Trolle … Wenn Dick zweideutig hatte sein wollen, dann ist es ihm nicht gelungen.
P. K. D. #21
Out in the Garden ist eine eher amüsant makabre Geschichte. Ein Mann hat eine stille Frau, die sich stets in ihrem Garten aufhält und sich mit einem Erpel angefreundet hat. Eines Tages bekommt der Mann Besuch von einem Freund, der angesichts der Frau mit dem Erpel Verse von Keats über Zeus und Leda und die aus deren Vereinigung entsprossene Helena zitiert. Die Frau reagiert heftig darauf und bekennt ihrem Mann, schwanger zu sein. In dem ist von nun an allerdings der Keim des Mißtrauens gesät. Er kommt seinem Sohn nicht nahe, bis der ihn zu einem geheimen Fest einlädt. Erfreut denkt der Mann, der Bann sei gebrochen, doch auf dem geheimen Fest verzehrt der Junge mit Appetit Spinnen und Würmer, die Leckerbissen des Erpels.
Freitag, 3. Februar 2017
P. K. D. #20
The Great C spielt wieder einmal in einer Welt nach dem Atomkrieg. Die überlebenden Menschen leben in tribal organisierten Sozialverbänden. Einmal im Jahr schicken sie einen der ihren mit drei Fragen, an denen sie das ganze Jahr gefeilt, zu einem noch arbeitenden Supercomputer. Der hält sich mittels Bioenergie am Laufen: wenn er die Fragen beantworten kann, müssen die Fragesteller in einen Säurebottich springen. Mir fielen die Sphinx des Οἰδίπους, The Wizzard of Oz und natürlich Hal 9000 ein.
P. K. D. #19
Auch in Paycheck geht es um Zeitreisen. Hinzu kommt ein Element, das auch in Total Recall auftaucht: der Mann, der sich selber instruiert. Der Protagonist arbeitet zwei Jahre in einer Firma und bekommt anschließend diese Zeit aus seinem Gedächtnis gelöscht. In der Buchhaltung erfährt er, daß er auf den ihm zustehenden enorm hohen Lohn zugunsten von sieben alltäglichen Gegenständen verzichtet hat. Aber als er kurz darauf verhaftet wird, rettet ihn prompt einer dieser Gegenstände. Durch die restlichen sechs erfährt er, was aus seinem Gedächtnis gelöscht wurde, und er kann sich durch sie Zutritt zu der Firma verschaffen. Das Ende ist etwas biedermeierlich: die Sekretärin ist die Tochter des Firmenchefs, und es deutet sich an, daß der Protagonist sie heiraten wird und die Familientradition so fortsetzt. Als Hintergrund hat Dick eine Welt entworfen, die Politik und Wirtschaft unter sich aufgeteilt haben, also eine Welt wie wir sie haben. Die betreffende Firma bereitet heimlich eine Revolution vor, deren Subjekt der kleine Mann von der Straße sein soll. Nun: momentan erlebt man ja mit Grausen die Revolutionen des kleinen Mannes von der Straße …
Donnerstag, 2. Februar 2017
P. K. D. #18
Meddler ist wieder eine Geschichte, in der es um Zeitreisen geht: man erkundet die Zukunft, um die Folgen anstehender Entscheidungen zu sehen. Die Bilder, die die Zeitsonde mitbringt, wechseln, mal wird alles eher gutgehen, mal nicht so ganz. Als aber dann plötzlich alle Nachrichten aus der Zukunft auf ein Ende der Menschheit hindeuten, wird ein Mann in die Zukunft geschickt, der in time herausfinden soll, was die Menschheit vernichtet hat. Der Mann kommt dahinter, daß es eine bis dato unbekannte intelligente und tödliche Schmetterlingsart ist, und er schleppt aus Versehen einige Exemplare davon im Raupenstadium in die Gegenwart ein. Es ist das gleiche paradoxe Problem wie in Stability: wo kommen die Schmetterlinge her? Sie sind quasi Kreaturen der Zeit.
P. K. D. #17
Auch in The Builder ‒ einer modernen Noah-Geschichte ‒ kommt man zu früh auf die Pointe, nämlich wenn das Boot, das der von etwas, was er selber nicht versteht, getriebene Mann baut, als »Kasten« bezeichnet wird. Man hat Luthers Übersetzung von Gen 6.14f. im Ohr: »Mache dir einen Kasten von tennen Holtz vnd mache Kammern drinnen vnd verpiche sie mit Bech inwendig vnd auswendig vnd mache jn also.« Die Geschichte endet mit den ersten dicken Regentropfen und dem Verstehen des Mannes, dessen Zeit gekommen ist (man muß warten können). Sehr treffend wird die Stimmung beschrieben, als der Protagonist nach der Mittagspause einfach nicht zurück zu seiner Arbeit geht: man nimmt sich seine Zeit.
P. K. D. #16
In The Short Happy Life of the Brown Oxford gibt es ein Wiedersehen mit Doc Labyrinth aus The Preserving Machine. Hier entdeckt er das Prinzip der hinreichenden Belästigung und baut anschließend darauf aufbauend aus einem Backofen einen Animator. Mit einem Knopf funktioniert der Animator nicht, wohl aber mit einem braunen Herrenschuh. Der entflieht, kaum daß er animiert wurde, und animiert sich später selber einen Damenschuh. Am Ende treiben die Schuhe es in den Büschen.
P. K. D. #15
The Crystal Crypt greift ein Motiv aus der ersten Erzählung – Stability – auf: die in einer kleinen Glaskugel gefangene Stadt. Auch hier weiß der Leser mehr als gut für die Geschichte ist. Terranische Terroristen kidnappen die Hauptstadt des Mars, mit dem die Erde kurz vor einem Krieg steht. Unmittelbar vor dem Abflug des letzten Terraner-Raumschiffes tauchen marsianische Grenzposten auf, um die Terroristen zu fassen. Alles geht gut, daß Schiff hebt ab und man trifft sich in der Bar, wo die Davongekommenen einem Mitreisenden die ganze Aktion erzählen. Der Mitreisende entpuppt sich am Ende – man hat es bereits seit längerem geahnt – als Spion vom Mars. Die Marsianer werden wie Orientalen beschrieben, es ist ein Orient, der ‒ wie von Borges beschrieben ‒ für Fremdheit steht.
Mittwoch, 1. Februar 2017
P. K. D. #14
In The Indefatigable Frog geht es um eines der Paradoxa Zenons, in dem ein hüpfender Frosch sein Ziel niemals erreichen kann, weil mit der Zeit seine Sprunglängen sich aus Erschöpfung heraus halbieren. Zwei sich streitende Hochschullehrer wollen diese These empirisch überprüfen, wobei der der eine den anderen in die Situation des Frosches bringt. Am Ende war man nicht weitergekommen, weil man zusätzliche Parameter in die Versuchsanordnung eingebracht hatte.
P. K. D. #13
In The Variable Man ist ab einem gewissen Punkt die Informationspolitik mißlungen. Man kann sich zu viel zu früh denken und wundert sich, daß die Figuren erst so spät auf die Lösung kommen. Die Erde steht vor dem Krieg mit einem galaktischen Imperium und will dann zuschlagen, wenn die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg höher ist denn für eine Niederlage. Als eine Superbombe kurz vor ihrer Vollendung steht, beginnt die Kriegstreiberei ihre hohe Phase, doch dann holen Historiker aus Versehen einen Menschen aus dem Jahr 1913 in das 22. Jahrhundert. Der ist für die Wahrscheinlichkeitscomputer nicht kalkulierbar und soll deshalb getötet werden. Doch der Konstrukteur der Superbombe erkennt in dem Mann einen MacGyver-Typen, denn er gut gebrauchen kann. Es folgen filmreife Action und ein happy end. Zum Schluß gibt es dann doch noch eine kleine Überraschung, als der variable Mann nämlich statt des Abfallprodukts Superbombe das urspünglich konzipierte, dann aber wegen unüberwindbarer Schwierigkeiten wieder aufgegebene Überlichtgeschwindigkeitsgefährt konstruiert.
Dienstag, 31. Januar 2017
P. K. D. #12
In Expendable / »He Who Waits« herrscht Krieg zwischen den Insekten und den Menschen. Die Spinnen und die Vögel kämpfen dabei auf der Seite der Menschen. Anführer der Insekten sind die Ameisen, die die Erde beherrscht hatten, bevor die Menschen aus dem All kamen. Am Ende erklärt eine Spinne dem Protagonisten den Hintergrund und macht Hoffnung, aber nicht für ihn als Individuum, sondern nur für die Gattung.
P. K. D. #11
In The Preserving Machine hat ein Mann – Doc Labyrinth (man wird ihm wiederbegegnen) – Angst, die Kulturgüter, vor allem die Musik, könnten in der allgemeinen sozialen Dekadenz vernichtet werden, und er läßt eine Maschine konstruieren, die die kanonisierten musikalischen Werke (erwähnt werden Komponisten von Mozart bis Wagner) in Lebewesen verwandelt. Doch diese Lebewesen unterliegen wie die Lebewesen in der Natur einer Evolution, und als er ein Bachtierchen zurück in die Maschine wirft, um zu hören, wie es nach der Zeit der Auswilderung klingt, hört man nur etwas als scheußlich beschriebenes (wahrscheinlich zeitgenössische Musik, die adäquat zu hören es einer Evolution beim Hörer bedarf). Dies ist eine Ideenerzählung und leider nicht bis ins Detail stimmig ausgeführt.
P. K. D. #10
In The Infinites wird eine Crew auf einem Asteroiden einer Strahlung ausgesetzt, die ihre Physis verändert. Allmählich kommen sie dahinter, daß sich ihre Gehirne auf Kosten der Physis erweitern, sie machen in Stunden die menschliche Evolution von Jahrmillionen durch. Dick schafft es nicht ganz, diesen Prozeß sprachlich adäquat darzustellen, es bleibt alles menschlich allzumenschlich. Am Ende kommen als deus ex machina die Meerschweinchen aus dem Labor und machen alles wieder gut. Das war die bisher schwächste Erzählung.
P. K. D. #9
In Piper in the Woods behaupten in einer Garnison auf einem Asteroiden immer mehr Menschen, sie wären Pflanzen, und sie verhalten sich dann auch so, das heißt: sie leben bloß noch vegetativ ‒ also sogar noch eine Steigerung des Lebensmodus der homerischen Lotophagen. Ein Psychologe sucht nach den Ursachen und kommt zu dem Schluß, daß es keine Pfeifer im Wald gibt, die diesen Moduswechsel ins Vegetative veranlassen, was einer der Modifizierten behauptet hatte, sondern daß es sich um einen kollektiven Wahn handelt, der eine Reaktion auf das totale Eingebundensein in die Maschinerie ist. Am Ende ist der Psychologe ‒ was man erwartet hat ‒ selber eine Pflanze. Offen bleibt ‒ wenn es denn tatsächlich keine Pfeifer geben sollte ‒, wohin im Wald das schöne Mädchen den Psychologen geführt hat. Ich kam durch den Titel darauf, einmal The Wind in the Willow zu lesen.
P. K. D. #8
In Mr. Spaceship befindet sich die Menschheit in einem interplanetarischen Krieg, in dem die Gegner mit ihren biologisch gesteuerten Waffen den mechanischen Waffen der Menschen überlegen sind. Deswegen statten die einen Raumkreuzer mit einem menschlichen Gehirn als Steuerungselement aus. Der Spender ist der alte Professor des Konstrukteurs, ein Pazifist. Der Konstrukteur geht davon aus, daß das Gehirn außerhalb des Körpers kein Bewußtsein mehr hat, der Professor vertritt dagegen die These, daß Denken das Bewußtsein konstituiert. Es ist also quasi die umgekehrte Fragestellung von Blade Runner. Das Ende ist wieder etwas kitschig: das menschliche Raumschiff entführt den Konstrukteur und dessen Ex-Frau, um auf einem abgelegenen Planeten mit den beiden als Ur-Eltern eine friedliche Menschheit heranzuzüchten.
Montag, 30. Januar 2017
P. K. D. #7
In The Defenders erlebt man die Welt aus The Gun: die Menschheit hat sich nach dem finalen atomaren Schlagabtausch unter die Erde verzogen und Roboter führen in der radioaktiv verseuchten Welt den Krieg für sie weiter. So scheint es, denn man kommt dahinter, daß die Erde nie unbewohnbar war und die Roboter die Vernichtung bloß simuliert haben. Sie halten die Menschheit in ihrem subterranen Exil, bis sie reif genug ist, eine Welt zu bevölkern (eine pädagogische Variante von Terminator). Das hoffnungsvolle pastorale Ende war allerdings enttäuschend.
P. K. D. #6
In The Skull schicken im 22. Jahrhundert Sozialdarwinisten, Naturwissenschaftler und Kriegstreiber einen Häftling in das 20. Jahrhundert, um einen pazifistischen Kirchengründer zu töten. Der Häftling trifft den Kirchengründer nicht an, erkennt in dem zur Identifizierung mitgenommenen Schädel des Kirchengründers seinen eigenen (eine wunderbare Hamlet-Reminiszenz) und übernimmt daraufhin seine Rolle und predigt allein folgende Worte, angekündigt als Paradox und bezogen auf seine Zeitreise: »Those who take lives will lose their own. Those who kill, will die. But he who gives his own life away will live again!« Sehr schön auch die Erklärung der Wiederauferstehung: der Häftling stoppte zunächst seine Zeitmaschine ein paar Monate zu früh und wurde von Zeugen seiner Predigt wiedererkannt. Die Referenz ist natürlich das Leben Jesu, Dick hatte ähnliches bezüglich der Zeitreisen in Stability versucht. Und mir fiel natürlich gleich Michael Moorcocks Behold the Man ein (siehe Telos oder Beiträge zu einer Mythologie des Clemens Limularius. Fragment, Berlin 2013, S. 89 und dort die Fußnote 315; ich schaue nach: Moorcocks Roman ist aus dem Jahr 1966) und natürlich fielen mir gleich der Terminator ein und Terry Gilliams Twelve Monkeys.
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Sonntag, 29. Januar 2017
P. K. D. #5
In The Gun landen Menschen (?) auf der nach einem Krieg mit nuklearen Waffen vollkommen zerstörten Erde (?). Als beim Start ihr Raumschiff beschossen wird, stoßen sie auf eine automatische Kanone, die das Kulturarchiv der hier untergegangenen Zivilisation bewacht. Die Besucher zerstören die Kanone und fliegen mit dem Vorsatz davon, zurückzukehren und dieses Archiv zu bergen. Als sie weg sind, rücken automatische Reparaturtrupps aus, um die automatische Kanone wieder zu reparieren. – Diese Geschichte stand bestimmt bei Planet of the Apes Pate. Interessant der Gedanke: man hinterläßt etwas, aber man läßt keinen daran. Ein Archiv wird immer auch durch seine Zugänglichkeit bestimmt. Dick hätte das Vokabular und die Andeutungen noch unbestimmter lassen können, aber vielleicht ging da auch etwas in der Übersetzung verloren.
P. K. D. #4
In Beyound Lies the Wub übernimmt ein telepathisch begabtes intelligentes Marsschwein den Körper eines Raumschiffkapitäns, der es zum Verzehr erschießen will, genau in dem Augenblick, als der Schuß fällt. Anschließend verspeist es mit Genuß seinen ehemaligen Wirtskörper.
Samstag, 28. Januar 2017
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