Herbert Neidhöfer, homme de lettres
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Sonntag, 10. Februar 2019
Samstag, 9. Februar 2019
En nombre de Boby
Eine Erzählung aus der Perspektive der Tante des titelgebenden Jungen: der wurde in nächtlichen Alpträumen von seiner Mutter, die als Seele von Mensch geschildert wurde, gequält. Man sagte ihm, das seien Alpträume, aber er insistierte. Die Tante nun befürchtete Schlimmes im Kontext mit einem langen Messer. Am Ende hatte die Tante eine kurze Vision des letzten Alptraums, es passierte aber nichts, Spannung wurde aufgebaut, um ein Mysterium zu hinterlassen (vielleicht hatte die Mutter verschwiegene Alpträume, in denen sie ihrem Kind böse Dinge antat).
(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Alguien que anda por ahí (1977)).
(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Alguien que anda por ahí (1977)).
Usted se tendió a tu lado
Über den Ablösungsprozeß einer Mutter von ihrem Sohn: sie ging für ihn in die Apotheke, um Kondome zu kaufen, anschließend mußte er selber klarkommen. Der Kunstgriff war hier, daß der Erzähler übergangslos den Jungen duzte und die Mutter siezte. Die letzte Szene war etwas platt: die Freundin des Jungen setzte sich am Strand zwischen die beiden.
(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Alguien que anda por ahí (1977)).
(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Alguien que anda por ahí (1977)).
Freitag, 8. Februar 2019
Segunda vez
Eine von Kafka und aus den Erfahrungen des Lebens in einer Bürokratie inspirierte Erzählung aus zwei Perspektiven, nämlich aus der der Personen mit Macht und aus der der Personen ohne Macht, wobei deutlich wurde, daß die Personen mit Macht keine Beamten waren, sondern eher einer staatlich implantierten Gangsterbande angehörten. Um diesen Eindruck zu vermitteln, war die zweite Perspektive notwendig gewesen, ansonsten, bei einer regelrechten Behörde hätte das rätselhafte Verschwinden von Carlos als ungeheuerliches Ereignis gereicht.
(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Alguien que anda por ahí (1977)).
(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Alguien que anda por ahí (1977)).
Donnerstag, 7. Februar 2019
Baker Street 221B
Es ist bezeichnend, daß sich das heroische Ideal ›Ingenieur‹ über mehrere Kriege und Weltkriege halten konnte (und Max Frischs Homo Faber war nicht wirklich eine Destruktion dieses Ideals, sondern eine – wie bezeichnete Hans Köberlin das noch, was er mit seinen Bildchen machte –: artifizielle Dramatisierung). Unsere Kritik des Ingenieurs beschwört natürlich nicht als positives Gegenbild die Idyllen und Pastoralen der Naturburschen, und wir erfreuen uns ja auch an vielem, was die Ingenieure uns beschert (etwa die Battersea Power Station und die Brooklyn Bridge und La Defense …), bloß wir selber leben lieber als Bricoleure, was eine bloße Formentscheidung a posteriori ist (man möchte Zeit und Muße und Mittel haben, einmal diese Thematik – bloße Formentscheidung a posteriori – bei Arno Schmidt zu untersuchen …). Eine Passage aus dem ersten Bericht des Dr. Watson über seine Abenteuer mit Sherlock Holmes, A Study in Scarlet, könnte man als das Credo derer, die ingenieursmäßig denken und handeln, bezeichnen: »I consider that a man’s brain originally is like a little empty attic, and you have to stock it with such furniture as you choose. A fool takes in all the lumber of every sort that he comes across, so that the knowledge which might be useful to him gets crowded out, or at best is jumbled up with a lot of other things, so that he has a difficulty in lay his hands upon it. Now the skillful workman is very careful indeed as to what he takes into his brain- attic. He will have nothing but the tools which may help him in doing his work, but of these he has a large assortment, and all in the most perfect order. It is a mistake to think that that little room has elastic walls and can distend to any extent. Depend upon it there comes a time when for every addition of knowledge you forget something that you knew before. It is of the highest importance, therefore, not to have useless facts elbowing out the useful ones.« (Arthur Conan Doyle, A Study in Scarlet; in: The Complete Sherlock Holmes, with a Preface by Christopher Morley, New York 1938, S. 10). Daß Holmes das Gegenteil von uns und unseren Protagonisten (und auch von dem Marcel der Recherche und auch von FBI Special Agent Dale Cooper) und eine Personifizierung des Ingenieurs darstellt, liegt vor allem an seiner Hybris, nämlich daß er glaubt zu wissen, was sich einmal als nützlich erweisen könnte und was nicht. Dies entlarvt seine Rationalität als Ideologie, denn potentiell kann sich alles einmal als nützlich erweisen, auch die Kenntnis um die Lehre der Astrophysiker, um die es Dr. Watson in der zitierten Szene gegangen war. So wie Holmes nach seinem Bekenntnis arbeitete, mußte er all das übersehen, mit dem man nicht rechnen konnte, weil er die entsprechenden tools ausgemustert hatte.
(¡Hans Koberlin vive!, III [Ankunft]).
Mittwoch, 6. Februar 2019
Dienstag, 5. Februar 2019
Vientos Alisios
Wie bei Verano war dies eine Illustration der These oder des Klischees, daß der Alltag auf Dauer die Liebe töte, diesmal allerdings in einer Wahlverwandtschaften-Konstellation. Ein Paar (wieder kinderlos) reiste getrennt in ein Hotel und verbrachte den Urlaub mit jeweils einem anderen Partner. Zwischendurch traf man sich, um zu berichten, wobei weniger Eifersucht als Neid zutage trat. Am Ende vermischten sich die Paare und Realität und Imaginationen und ein gemeinsamer Selbstmord wurden angedeutet. Das waren Dinge, die einen nicht mehr interessierten, weil man darüber hinweg ist.
(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Alguien que anda por ahí (1977)).
(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Alguien que anda por ahí (1977)).
Montag, 4. Februar 2019
Sonntag, 3. Februar 2019
Samstag, 2. Februar 2019
Mittwoch, 23. Januar 2019
39,1 °C
»Die Krankheitseitelkeit des Patienten wird nur noch von der Heilseitelkeit der Ärzte überboten.«
Dies war freilich richtig; keine Krankheitsscham kann so groß sein, daß nicht noch Platz für Krankheitseitelkeit übrig bliebe, für eine überhebliche Opfereitelkeit, welche meint eine Leistung vollbracht zu haben, weil die Krankheit dem Getriebe des Geschlechtes enthebt, weil alles Begehrende und alles Begehrenswerte aus dem Gesicht des Kranken gelöscht ist, eine Eitelkeit der Selbstzerstörung.
(Hermann Broch, Tod des Vergil, Frankfurt am Main, 4. Aufl. 1986, S. 262).
Dies war freilich richtig; keine Krankheitsscham kann so groß sein, daß nicht noch Platz für Krankheitseitelkeit übrig bliebe, für eine überhebliche Opfereitelkeit, welche meint eine Leistung vollbracht zu haben, weil die Krankheit dem Getriebe des Geschlechtes enthebt, weil alles Begehrende und alles Begehrenswerte aus dem Gesicht des Kranken gelöscht ist, eine Eitelkeit der Selbstzerstörung.
(Hermann Broch, Tod des Vergil, Frankfurt am Main, 4. Aufl. 1986, S. 262).
Sonntag, 20. Januar 2019
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