Sonntag, 26. Mai 2019

Botella al mar

Dies war ein offener Brief an die Schauspielerin Glenda Jackson, die als Glenda Garson camoufliert Gegenstand der Erzählung Queremos tanto a Glenda gewesen war. Glenda Jackson nun hatte – ohne wahrscheinlich Cortázars Erzählung kennen zu können – 1980 in einem Film mit dem Titel Hopscotch, was auf spanisch ›Rayuela‹ hieß, mitgewirkt. Über dieses Zusammentreffen hinaus wurden in der Erzählung die Schauspielerin und in dem Film der Autor getötet, wobei hier eine Asymmetrie bestand, die Cortázar übergangen hatte: die Schauspielerin wurde in der Erzählung wirklich getötet, der Autor in dem Film aber nur zum Schein. Cortázar sah in all dem eine Kommunikation am Werk, die analog einer Flaschenpost funktionierte.

(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Deshoras (1982)).

Samstag, 25. Mai 2019

Anillo de Moebius

Eine mehr als ärgerliche Erzählung: ein Landstreicher vergewaltigte ein Mädchen im Wald. Bei dem Versuch, sie vom Schreien abzuhalten, brachte er sie zu Tode. Cortázar schilderte abwechselnd aus der Perspektive des Mädchens und referierend über den Täter, wobei er den Eindruck entstehen ließ, das Ganze sei ein Mißverständnis infolge der mißlungenen Kommunikation. Das Mädchen, das noch Jungfrau war, empfand Ekel, wäre aber unter anderen Umständen nicht abgeneigt gewesen, der Täter empfand Dankbarkeit für seinen Orgasmus. Es wurde dann ihr Zustand nach dem Tod geschildert, aus dem heraus sie nach dem Täter suchte, um mit ihm nach dessen Selbstmord in der Gefängniszelle vereint zu sein.

(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Queremos tanto a Glenda (1980), Tercera parte).

Historias que me cuento

Eine belanglose Erzählung mit einem ähnlichen Plot wie Lugar llamado Kindberg. Ein Mann imaginierte vor dem Einschlafen Geschichten, und in einer schlief er als Fernfahrer mit der Frau eines befreunden Paars. Als die Paare sich wiedertrafen, stellte sich heraus, daß die Frau die Geschichte tatsächlich so mit einem echten Fernfahrer erlebt hatte. Den Geschichtenerfinder allerdings begehrte sie zu dessen Bedauern nicht.

(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Queremos tanto a Glenda (1980), Tercera parte).

Sonntag, 19. Mai 2019

Wieso? Weshalb? Warum?

Es gehört zum Wesen einer Theologie, daß in ihr nicht alle Fragen gestellt werden können. Sie hat immanente Vorrichtungen, dem zu wehren.

(Hans Blumenberg, Matthäuspassion, Frankfurt am Main, 9. Aufl. 2018, S. 148).

Samstag, 18. Mai 2019

Graffiti

Der Erzähler sprach den Protagonisten an und erzählte ihm seine Geschichte, um am Ende das Ich der Frau anzunehmen. Der Protagonist applizierte während der Diktatur Graffiti, die Frau beantwortete seine Zeichnungen und wurde dabei erwischt. Wieder einmal versuchte Cortázar, das Grauen ästhetisch darzustellen, wieder einmal gelang es nicht. – Alle diese Geschichten aus dunklen Zeiten im Roman im Kontext des Cassiber-Schönberg-Stückes anführen.

(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Queremos tanto a Glenda (1980), Tercera parte).

Samstag, 11. Mai 2019

Sonntag, 5. Mai 2019

Man sollte sich garnicht erst bemühn

Es ist eine Mythe, daß das Bewußtsein sich je ein ganzes wird.

(Hans Blumenberg, Matthäuspassion, Frankfurt am Main, 9. Aufl. 2018, S. 133).

Donnerstag, 25. April 2019

Montag, 22. April 2019

Fenster #260

Clone

Ein gemischtgeschlechtliches Vokalensemble übte Madrigale von Gesualdo ein. Jener hatte seine Frau aus Eifersucht getötet, und seit sich in dem Ensemble, in dem herumgevögelt wurde, ein festes Paar gebildet hatte, herrschte auch dort Eifersucht. Am Ende war die Frau des Paars verschwunden. Einer bezeichnete das Zusammenfunktionieren als »Clone«, ich weiß nicht, warum. Nach der Erzählung fügte Cortázar in der Manier Poes ihr Konstruktionsprinzip an.

(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Queremos tanto a Glenda (1980), Tercera parte).

Samstag, 20. April 2019

Ein Aspekt des Realitätsprinzips

Es darf in der Welt, was gelten soll, nicht zu genau den Wünschen entsprechen.

(Hans Blumenberg, Matthäuspassion, Frankfurt am Main, 9. Aufl. 2018, S. 62).

Montag, 15. April 2019

Die Arbeit an der Publikationen des ersten Teilbandes hat begonnen

Tango de vuelta

Ein Meisterwerk, in dem Cortázar wieder zu seinem Können gefunden hatte. Der Erzähler war ein Arzt oder Pfleger in der Ambulanz, der schrieb und dem das ehemalige Dienstmädchen Flora Geschichten erzählte, auch die von Emilio und Matilde. Sie hatte mit gefälschten Dokumenten seinen Tod fingiert, um reich heiraten zu können, er war dahintergekommen und wollte sich rächen, am Ende waren beide tot. Die Erzählung war die Ausschmückung dessen, der die Geschichte wohl anders erzählt bekommen hatte.

(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Queremos tanto a Glenda (1980), Segunda parte).

Freitag, 12. April 2019

Montag, 8. April 2019

Man muß immer etwas tun!

Es ist nichts dadurch schon gut, daß es ist.

(Hans Blumenberg, Matthäuspassion, Frankfurt am Main, 9. Aufl. 2018, S. 12).

Freitag, 5. April 2019

Recortes de prensa

Erneut der eher hilflose Versuch, sich mit Diktatur und Folter in Argentinien auseinanderzusetzen. Eine Schriftstellerin und ein Bildhauer befragten sich über Sinn und Wirkung ihres anprangernden Schaffens. Auf dem Heimweg dann wurde die Frau unmittelbare Zeugin davon, wie eine Frau von ihrem Mann gefoltert wurde. Durch ihr Eingreifen wendete sich das Blatt und sie half dem Opfer dabei, gleiches mit gleichem zu vergelten. Zu Beginn wurde die Fiktionalität der Pressemeldung, die sich auf das Erlebnis bezog, explizit betont, am Ende wurde der Realitätsstatus des Erlebten durch eben jene Pressemeldung infrage gestellt. Die Erzählung hinterließ einen seltsamen Geschmack. Man kann systematischen staatlichen Terror und individuell private Gewalt, egal wie grausam sie ist, nicht gleichsetzen. Und nach meinem Empfinden ist die Rache in einem Fall wie dem geschilderten gerechtfertigt (»y haciendo lo que debíamos, lo que teníamos que hacer«, gab die Erzählerin zu). Erneut wurde auf die Jack-London-Geschichte rekurriert (ob Cortázar sie über Borges kannte?).

(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Queremos tanto a Glenda (1980), Segunda parte).

Donnerstag, 4. April 2019

Empirie, 15. Update

¡Hans Koberlin vive! in Daten (der Stand von heute):
  • Stand des Manuskripts:
    • Seiten: S. 1.258 von ca. 2.000 Seiten
    • Fußnoten: 3.831
  • Stand der Überarbeitung:
    • Seiten: S. 1.032 von ca. 2.000 Seiten
    • Fußnoten: 3.093
    • Kapitel: XIII (= Zweites Intermezzo – oder: Die Hälfte der Zeit des Exils) von XXIV Kapiteln nebst einem Anhang
    • Tag der Überarbeitung: Freitag, der 7. März 2014, der 157. von 324 konkreten und von allen möglichen Tagen
  • Der Beginn der Handlung ist mit Analepsen der Sonntag, der 23. Oktober 4004 vor unserer Zeitrechnung, 9 Uhr vormittags,* ohne Analepsen der Herbst 2012.
  • Das Ende der Handlung fällt mit den Prolepsen mit dem Ende der (oder bloß einer?) Welt zusammen, ohne Prolepsen mit dem Frühjahr 2016.
  • Beginn der Niederschrift: Mittwoch, den 2. Oktober 2013
  • Ende der Niederschrift: noch nicht abzusehen. Demnächst wird mit der Vorbereitung zur Publikation des ersten Teilbandes begonnen.


* (= die Fußnote 5 auf S. 7) »Non in tempore sed cum tempore Deus creavit caela et terram.« (Augustinus).
Nun: »In der Schiffsbibel von Charles Darwin auf der ›Beagle‹, mit der er von 1831 bis 1836 die Welt bereiste, stand das Datum der Weltschöpfung eingetragen: 23. Oktober 4004 vor Christi Geburt, 9 Uhr vormittags.« (Hans Blumenberg, Die Sorge geht über den Fluß, Frankfurt am Main 1987, S. 47). Das war ein Sonntag, am folgenden Freitag war er, der Schöpfer, fertig, und auch das jüngste Gericht soll nach christlichen Vorstellungen auf einen Freitag fallen, ein Datum haben wir gerade nicht zur Hand.
»Soldats, quarante siècles vous regardent!«
»L’ouvrage que j’ai entrepris aura la longueur d’une histoire«, hatte Balzac stolz in seinen Avant-Propos de La Comédie humaine postuliert.

Wird aktualisiert!

Dienstag, 2. April 2019

59

Wer spielt nicht gern mit Ähnlichkeiten?

(Alexander Kluge, Das fünfte Buch. Neue Lebensläufe. 402 Geschichten, Berlin 2012, S. 321).

Samstag, 30. März 2019

Texto en una libreta

Bei Zählungen der U-Bahn-Passagiere kam heraus, daß an einem Tag vier Personen weniger als hineingegangen die Sperren wieder verließen, an einem anderen Tag war es einer mehr. Der Ich-Erzähler fand heraus, daß sich im Untergrund eine geheime Gesellschaft gebildet hatte, was bei ihm Furcht und Entsetzen auslöste, wahrscheinlich zurecht, wie der Titel suggerierte. Der Plot erinnerte an Novedades en los servicios públicos, war aber besser ausgeführt.

(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Queremos tanto a Glenda (1980), Segunda parte).

Historia con migalas

Ein Paar in einem Ferienbungalow in der Karibik, alles blieb im Vagen. Ihre Nachbarn flüsterten, plötzliche eine Männerstimme, die Nachbarn reisten ab. Sehr gelungen so, ich mußte wegen der Atmosphäre an L’Année dernière à Marienbad denken.

(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Queremos tanto a Glenda (1980), Primera parte).

Sonntag, 24. März 2019

Queremos tanto a Glenda

Auch diese Erzählung war sehr gelungen. Verehrer einer Schauspielerin scheuten keine Kosten und Mühen, ihr Werk von Unzulänglichkeiten zu bereinigen. Als die damit zu Ende gekommen, trat die Schauspielerin ab. Das Glück eines abgeschlossenen Werkes schien perfekt, da kündigte sie ihr Comeback an. Es gab für die Verehrer nur eine Lösung: »no se baja vivo de una cruz.«

(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Queremos tanto a Glenda (1980), Primera parte).

Orientación de los gatos

Mit dieser Geschichte in der Manier von Henry James kehrte Cortázar zurück zu seiner früheren Qualität. Der Ich-Erzähler wollte zu dem wahren Wesen seiner Geliebten gelangen. Bemerkenswert war, wie er mit diesem Bedürfnis umging: »Nunca se lo he dicho, la quiero demasiado para trizar esta superficie de felicidad por la que ya se han deslizado tantos días, tantos años.« Sie Musik hörend zu beobachten, offenbarte ihm etwas, sie Gemälde betrachtend mehr, fast glaubte er sich am Ziel, als sie sich der Katze offenbarte und sich ihm für immer verschloß.

(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Queremos tanto a Glenda (1980), Primera parte).

Samstag, 23. März 2019

Nur kein Risches machen!

… möglichst ruhig alles hinzunehmen, als schwere Masse sich verhalten und fühle man sich selbst fortgeblasen, keinen unnötigen Schritt sich ablocken lassen, den andern mit Tierblick anschauen, keine Reue fühlen, sich dem Bewußtlosen hingeben, das man ferne glaubt, trotzdem man sich daran gerade verbrennt, seine eckigen unveränderlichen Gliedmaßen sich nach Belieben legen lassen …

(Franz Kafka, Tagebücher in der Fassung der Handschrift, Frankfurt am Main 2008, Bd. 2: 1912-1914, S. 31).

Un tal Lucas III

Lucas, sus errantes canciones – Der Protagonist hörte ein sentimentales und melancholisches Lied aus den Zeiten seiner Kindheit in einer besseren Interpretation von einer Frau gesungen. Am Ende sang die Mutter, ihr Sohn solle ihr aus der Fremde schreiben, wenn er Sorgen habe, und der Protagonist fragte nach der Adresse.

*

Lucas, sus pudores – Der Protagonist litt (was sicher ein autobiographisches Detail war) an geräuschvollem Stuhlgang, was in den engen, hellhörigen Neubauwohnungen trotz diverser Vorkehrungen zum Problem werden kann. Durch den Text erfuhr man von einem obszönen Vers am Ende des XXI. Gesanges von Dantes Inferno: »Ed elli avea del cul fatto trombetta.«

*

Lucas, sus estudios sobre la sociedad de consumo – Alberne Satire auf Konsumangebote, wo Cortázar tiefsinnig sein wollte, war er nur flach.

*

Lucas, sus amigos – Für diesen Text galt das gleiche Menetekel: Schilderung einer netten Familienidylle, als ob Chaos schon ein Wert an sich wäre.

*

Lucas, sus lustradas 1940 – Der Protagonist gab sich nonkonformistisch und war bereit, sich für seine Ansichten zu prügeln.

*

Lucas, sus regalos de cumpleaños – Der Protagonist verfertigte mit großem Aufwand eine Torte, um sie dem Geburtstagskind ins Gesicht zu werfen.

*

Lucas, sus métodos de trabajo – Der Protagonist beantwortete während seiner schlaflosen Nächte imaginär seine Korrespondenz. Am Morgen fühlte er sich gerädert und hatte dazu die Briefe real zu beantworten. Für jemanden, für den das ein wirkliches Problem war, und der nicht auf den Gedanken kam, sich ein Diktaphon anzuschaffen, konnte ich keine Empathie entwickeln.

*

Lucas, sus discusiones partidarias – Der Protagonist konnte sich einer Diskussion mit Parteigenossen über die Verständlichkeit seiner Texte nicht entziehen. Seinen Argumenten folge ich weitgehend, wobei ich nicht, wie der Protagonist, ein Dilemma darin sehe, daß Kunstwerke nicht ohne weiteres evident sind und der Mühe der interessierten Rezeption bedürfen. Keiner wird ja gezwungen, Kunst zu rezipieren.

*

Lucas, sus traumatoterapias – Diese vom Protagonisten erfundene und auch von mir beliebäugelte Therapie bestand darin, »en hacer exactamente lo contrario de lo que mandan Esculapio, Hipócrates y el doctor Fleming.« Der Stil des Textes war allerdings wieder zu albern.

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Lucas, sus sonetos – Dieser Text fehlt in meiner Ausgabe, siehe Lucas, sus clases de español.

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Lucas, sus sueños – Der Protagonist kam nicht an den Kern seiner Träume heran, er fragte sich nach den üblichen (freudschen) Ursachen und erwähnte nebenbei eine frühkindliche Liebkosung der Tante, die ihm sonderbar vorgekommen war. Tanten sollten eben den Sinn ihrer Handlungen immer mitliefern.

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Lucas, sus hospitales (II) – Fast eine richtige Erzählung, seit längerem einmal wieder durch und durch gelungen: der Protagonist mußte seine Liebste nach irgendwas ins Krankenhaus bringen. Gerafft geschildert wurden die kritischen ersten Tage, sehr nachvollziehbar, vor allem daß einem im Zustand höchster existentieller Not die banalsten Details auffielen und im Gedächtnis blieben. Als sich ein gutes Ende abzeichnete, erinnert sich der Protagonist an Cortázars Erzählung La banda.

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Lucas, sus pianistas – Der Protagonist listete seine liebsten Pianisten und Rezeptionserlebnisse auf, dann kam er zu Stücken für die Todesstunde.

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Lucas, sus largas marchas – Der Protagonist schickte statt selber zu gehen eine Schnecke mit einer Liebesbotschaft los. Ein unnötig alberner Abschluß.

(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Un tal Lucas (1979)).

Dienstag, 19. März 2019

Anlässe gibt es genug

Einem Soziologen der Frankfurter Schule erläuterte Beuys die Skizze der Installation so: Menschen sind zweigeteilt. Begegnen sie Verhältnissen, die sie verletzen (wie bei einem Soldaten im Krieg, einem Unfallopfer oder einem Menschen, der Arbeit leistet, die er kaum erträgt), antwortet er mit Leugnung. Insofern leben wir Menschen in zwei unterschiedlichen Realitäten, die nur gemeinsam menschlich sind (wie bei Tresoren, zu deren Öffnung zwei Schlüssel gebraucht werden). Der Soziologe bezeichnete den Einfall mit einem damals geläufigen Ausdruck als »Antirealismus des Gefühls«. Das Gefühl wehrt sich gegen eine Wahrnehmung, die es nicht ertragen will, durch eine Illusion, die sie ersetzt. Umgekehrt, ergänzte Beuys, ist ein solches Gefühl auch immun gegen Überredung und Propaganda, weil Menschen als erfahrene Illusionsfabrikanten (und so voller Klugheit) die Lügen ebenfalls verleugnen, die aus den wirklichen Verhältnissen kommen. Weder eine kasernierte Arbeit noch eine Gefangenschaft machen deshalb bis zum Nullpunkt unglücklich. Kurz vor diesem Nullpunkt macht die Hoffnung Sprünge.

(Alexander Kluge, Das fünfte Buch. Neue Lebensläufe. 402 Geschichten, Berlin 2012, S. 206).

Sonntag, 17. März 2019

St. Patrick’s Day

Un tal Lucas II

Destino de las explicaciones – Das war wirklich so knapp und treffend, daß man es nicht paraphrasieren konnte, deshalb: »En algún lugar debe haber un basural donde están amontonadas las explicaciones. Una sola cosa inquieta en este justo panorama: lo que pueda ocurrir el día en que alguien consiga explicar también el basural.«

*

El copiloto silencioso – Einer erzählte Jahrzehnte, nachdem sie passiert war, in Paris eine phantastische Geschichte aus der Pampa und sein Gesprächspartner hatte eine rationale – wenn auch nicht weniger gruselige – Erklärung. Weil die offizielle Überführung der Toten zu teuer war, wurden die Leichen geschminkt auf dem Beifahrersitz transportiert. Einige der Fahrer, die das taten, seien später berühmte Rennfahrer geworden.

*

Nos podría pasar, me crea – Ein Gelehrter hatte einen Apparat erfunden, der alle Buchstaben zu Strichen (—) plattbügelte. Er setzte das Gerät in Aktion. Die Geschichte konnte nur festgehalten werden, weil der Autor der Gelehrte war und weil es keine Regel ohne Ausnahme gab.

*

Lazos de familia – Die Familienbande schickte aus aller Welt Ansichtskarten mit Beschimpfungen an eine ungeliebte Tante. Die sammelte diese Karten mit Freude, bewunderte die Ansichten und durchstach die Unterschriften mit einer Nadel.

*

Cómo se pasa al lado – Der Ich-Erzähler entdeckte, daß Katzen Telephone waren. Da dies bisher aber niemand außer ihm bemerkt hatte, funktionierten sie nicht.

*

Un pequeño paraíso – Beschrieben wurde eine moderne Gesellschaft mit einer Militärregierung, in der die Menschen winzige Fischlein in den Adern leben hatten (oder dies annahmen). Dies (beziehungsweise diese Annahme) machte die Menschen glücklich. Da die Fischlein sich vermehrten und starben, mußte mehrmals im Monat ein Mittel injiziert werden, das die toten Fischlein, die einem das Atmen schwer machten und die Gefäße verstopften, sich zersetzen ließ, danach war man wieder glücklich. Am Verkauf dieses Mittels bereicherte sich die Regierung auf mannigfaltige Weise, was die Menschen aber nicht störte, da sie ja glücklich waren. – Machte es denn einen Unterschied, ob man sich nur für glücklich hielt oder ob man glücklich war? Und ob das Glück bloß auf einer Illusion basierte? Das Glück war ein zu flüchtiger Zustand, als daß man auf seinen Realitätsstatus achten sollte.

*

Vidas de artistos – Vier alberne Geschichten, in denen die Künstler sämtlich Musiker waren. Der Einführungstext fehlte in meiner Ausgabe, siehe Lucas, sus clases de español. In Kitten on the Keys ging es um eine Katze, der man das Klavierspielen beigebracht hatte und die es dann übertrieb; in La armonía natural o no se puede andar violándola führte ein anatomischer Vorteil zu einer Beschleunigung der interpretierten Werke an den Rezipienten vorbei (die Harmonie korrelierte mit der normalen, natürlichen Beschaffenheit des Menschen, die das ihrerseits anatomisch auszugleichen versuchen; in Costumbres en la Sinfónica »La Mosca« ging es um die Anarchie und das Chaos in einem ungeführten Orchester; und in Quintaesencias schließlich wurde ein Tenor während seines Vortrags von Engeln entrückt, allerdings nur bis zur Decke des Konzerthauses, von wo sie ihn am Ende der Arie fallenließen.

*

Texturologías – Sich in ihrem jeweiligen Jargon bekriegende Kritiker, gleichfalls albern.

*

¿Qué es un polígrafo? – Man erfuhr etwas über die Bedeutungen des Begriffes ›Polygraphie‹ und über den Fleiß Dr. Johnsons, der sich selber der Trägheit bezichtigt hatte.

*

Observaciones ferroviarias – Eine Señora unterhielt sich mit ihrem lakonischen Dienstmädchen über die Eisenbahn. Sie schaffte es mit einer Bemerkung, das Dienstmädchen aus seiner Lakonie zu reißen.

*

Nadando en la piscina de gofio – Eine Sportsatire: es wurde nicht mehr in Wasser geschwommen, sondern in einem Speisepulver, was eine hohe Erstickungsgefahr mit sich brachte. Man machte das, weil es neu war, wie das Basketballspiel mit einem gläsernen Ball.

*

Familias – Die Señora aus Observaciones ferroviarias führte wieder ein Gespräch, diesmal mit einer sozial gleichgestellten Señora, und zwar über ihre Tochter, die sie, wie das Mädchen in Siestas, beim Masturbieren erwischt und gezüchtigt hatte (»bofetada va y bofetada viene, la letra con sangre entra«). Nun war die Tochter auf der Universität.

*

Now shut up, you distasteful Adbekunkus – Nachdem der Ich-Erzähler zu dem Schluß gekommen war, alles Belebte sei neurotisch, befahl er, dessen Muttersprache nicht Englisch war, einem »distasteful Adbekunkus« zu schweigen. Der Name konnte nicht zugeordnet werden, er stand für eine Leere, von der es fraglich war, ob sie schweigen würde, da sie nie geschrien hatte.

*

Amor 77 – Nur beim (sexuellen) Lieben war man wesentlich. Der Titel erinnerte an Antonioni und einen Episodenfilm.

*

Novedades en los servicios públicos – Es sollte wohl eine bittere Satire werden: in der pariser Metro gab es einen Speisewagen für ein exklusives Publikum. Beschrieben wurden die aufwendigen Maßnahmen, die Distinktion zu sichern. Ich weiß nicht, ob das damals noch so war, heute sind die Mechanismen andere.

*

Burla burlando ya van seis delante – Über das Sterben unserer Heroen, das man jenseits der fünfzig mitbekam und bei dem man immer ein stückweit mitstarb.

*

Diálogo de ruptura – Nicht zu Ende gesprochene, wohl universal gebrauchte, Sätze, when a love affair is over, im vorgeführten Fall mehr oder weniger einvernehmlich.

*

Cazador de crepúsculos – Jemand mochte Filmemacher sein, nur um Dämmerungen zu jagen. Dann imaginierte er seine Filme im Kino, als Vorfilme eines Films mit B. B. Die Leute, so der Erzähler, gingen ins Kino, um sich zu vergessen, was mit seinem Film nicht gehe, denn die Dämmerung werde einen auf sich zurück. – Es blitzte manchmal ein wenig in diesem Buch, aber en gros war die alte Kraft nicht mehr vorhanden.

Maneras de estar preso – Die Erzählfigur (eine Frau oder ein homosexueller Mann?) las das simultan, was sie erlebte et vice versa, und zog den Leser in dieses Geschehen hinein. Das Schicksal war im Sinne des Wortes vorgeschrieben.

*

La dirección de la mirada – In der Manier Claude Simons, anscheinend war der Autor im Louvre gewesen. Ich vermutete, es waren Ekphrasien von Bildern, die Schlachten darstellten, und eine Liebesszene oder eine Vergewaltigung im Wald, neben dem berühmten Gemälde des ermordeten Marat, zu dem seine Mörderin imaginiert wurde. Der Schmied, der den Schild des Helden schmiedete, stellte darauf den Helden in der Schlacht mit dem Schild dar, die Szene im Wald und sich, wie er den Schild schmiedete.

(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Un tal Lucas (1979)).

Donnerstag, 14. März 2019

Am vergangenen Dienstag in der Pause an Tisch 9


Ein weiterer literarischer Pate neben Homer ist Arno Schmidt mit seiner späteren Erzählung Caliban über Setebos, die ja ihrerseits wiederum eine Version des Mythos von Eurydike und Orpheus darstellt (das Motiv des Ab- oder Rückstiegs zu der einst geliebten Frau).

Sonntag, 10. März 2019

Aus gegebenem Anlaß

Meinem Verlangen eine Selbstbiographie zu schreiben, würde ich jedenfalls in dem Augenblick, der mich vom Bureau befreite, sofort nachkommen. Eine solche einschneidende Änderung müßte ich beim Beginn des Schreibens als vorläufiges Ziel vor mir haben, um die Masse der Geschehnisse lenken zu können. Eine andere erhebende Änderung aber als diese, die selbst so schrecklich unwahrscheinlich ist, kann ich nicht absehn. Dann aber wäre das Schreiben der Selbstbiographie eine große Freude, da es so leicht vor sich gienge, wie die Niederschrift von Träumen und doch ein ganz anderes, großes, mich für immer beeinflussendes Ergebnis hätte, das auch dem Verständnis und Gefühl eines jeden andern zugänglich wäre.

(Franz Kafka, Tagebücher in der Fassung der Handschrift, Frankfurt am Main 2. Aufl. 2014, Bd. 1: 1909-1912, S. 231f.).

Donnerstag, 7. März 2019

Fenster #257 (for Judy Garland)



Un tal Lucas I

Lucas, sus luchas con la Hidra – Der Protagonist war das alter ego des Autors, vielleicht hatte sich sein Name aus der Ähnlichkeit von Lucas und luchas ergeben (das Sein besteht aus Kämpfen, nicht zuletzt gegen sich selber; aber Lucas heißt ›der Leuchtende‹). Die Hydra war sein Bild sowohl für seine diversen sozialen Rollen als auch die Facetten seines Charakters, die ihn ständig bedrängten.

*

Lucas, sus compras – Der Protagonist erschien als ein zu gutmütiger Trottel.

*

Lucas, su patriotismo – Der Protagonist war kein nationaler Patriot, sein Lokalpatriotismus für bestimmte Orte speiste sich aus Erinnerungen an Erlebnisse dort.

*

Lucas, su patrioterismo – Ähnlich wie der vorherige Abschnitt, der Protagonist erwischte sich und seine ausländischen Freunde beim Sport manchmal beim jeweiligen »patrioterismo«.

*

Lucas, su patiotismo – Der Protagonist war ein Liebhaber des Patios.

*

Lucas, sus comunicaciones – Als Leser und Autor mochte der Protagonist keine Verständnisprobleme haben bzw. schaffen.

*

Lucas, sus intrapolaciones – Der Protagonist betrachtete die Natur anthropomorphisch und kam dann darauf, daß auch die Annahme des Bewußtseins ein Anthropomorphismus war, was ihn zu dem Schluß führte: »No somos nada.«

*

Lucas, sus desconciertos – Der Protagonist ging nicht mehr in klassische Konzerte, nachdem er mehrmals das Wesen der klassischen Konzerte mißverstanden und die Spielregeln des Bildungsbürgertums mißachtet hatte. – Alle diese Lucas-Geschichten erscheinen mir pubertär.

*

Lucas, sus críticas de la realidad – Der Protagonist kam darauf (ein alter Hut), daß das Identitätsprinzip und die Subjekt-Objekt-Relation unzureichende Annahmen waren.

*

Lucas, sus clases de español – Dieser Abschnitt fehlte in meiner Ausgabe. Am Ende des Bandes fand ich die Erklärung: »Die in der Originalausgabe enthaltenen Texte Lucas, sus clases de español und Lucas, sus sonetos sowie ein Kurztext unter dem Titel Vidas de artistos (sic) konnten aus Respekt vor ihrer Unübersetzbarkeit hier leider nicht aufgenommen werden.« – Ausflüchte!

*

Lucas, sus meditaciones ecológicas – Der Protagonist zog die Zivilisation und die Kulturindustrie der bloßen Natur vor.

*

Lucas, sus soliloquios – Der Protagonist beschwerte sich bei einer nichtgenannten Adressatin über deren Brüder und über die Spazierganglaune bei feuchtem Wetter. Am Ende stellte sich heraus, er führte dieses Selbstgespräch nicht vor einer Frau, sondern vor dem Sonntag. – Albern!

*

Lucas, su arte nuevo de pronunciar conferencias – Der Protagonist begann einen Vortrag über Honduras, redete über die Gegenwart und landete dann in existentialistischer Manier bei der Zuhandenheit des Tisches. Als der Tisch schließlich allein war, agierte er (die Umkehr eines Bestimmten Verständnisses von Berkeleys »esse est percipi«).

*

Lucas, sus hospitales (I) – Im Krankenhaus besorgte sich der Protagonist durch die Bedürfnisse einer Blume getarnt all das, was seinen Mitpatienten auf direktes Verlangen hin verweigert worden war.

(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Un tal Lucas (1979)).

… wie es uns ansteht …

For two hours we rambled about together, in silence for the most part, as befits two men who know each other intimately.

(Arthur Conan Doyle, The Yellow Face; in: The Complete Sherlock Holmes. With a Preface by Christopher Morley, New York 1938, S. 402).

Dienstag, 5. März 2019

Samstag, 2. März 2019

La noche en Mantequilla

Eine klassisch konstruierte (Hemingway) unspektakuläre Erzählung: ein Revolutionär im Untergrund (?) ging im Auftrag seines Vorgesetzten zu einem konspirativen Treffen, welches während eines (historischen) Boxkampfes stattfinden sollte. Er hielt zu dem Titelverteidiger, der, den er traf, hielt zu dem Herausforderer. Der Titelverteidiger gewann, aber der Mann, den der Protagonist getroffen hatte, war der falsche Mann, war einer von der Gegenseite. Da die das Gesicht des Protagonisten nun kannte, stellte er eine Gefährdung der Bewegung dar und mußte liquidiert werden. Den meisten Raum nahm die Schilderung des Boxkampfes ein, wobei es zu einer über-Kreuz-Konstellation kam: der Revolutionär (= Herausforderer) hielt zu dem Titelverteidiger (= die Macht) et vice versa. Diese falsche Zuordnung wurde von dem Protagonisten kurz vor seinem Tod als der eigentliche Verrat empfunden.

(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Alguien que anda por ahí (1977)).

Alguien que anda por ahí

Ein Exilkubaner landete heimlich auf der Insel seiner Herkunft, um einen Anschlag zu verüben. Im Hotel spielte eine Frau Klavier und ein Fremder hörte ihr zu. Als der Mann in seinem Zimmer auf seinen Einsatz wartete, wurde er von dem Fremden erwürgt. Die Atmosphäre war sehr gelungen getroffen, etwas in der Manier von Borges.

(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Alguien que anda por ahí (1977)).

Sonntag, 24. Februar 2019

Las caras de las medalla

In dieser Erzählung entzog sich – wie in Las armas secretas – eine Frau dem Begehren eines Mannes. Man erfuhr nicht, warum, diesmal schien aber kein schlimmes Erlebnis dahinterzustecken, vielleicht war die in der calvinistischen Schweiz anerzogene Verklemmtheit die Ursache. Als sie schließlich fast soweit war (so wollte noch das Licht gelöscht haben, was er verweigerte), hatte das Warten und Abwehren den Mann derart entnervt, daß er nicht mehr konnte. Cortázar spielte wieder geschickt mit den Perspektiven, wobei die ›wir‹-Perspektive nicht von einem der beiden gesprochen wurde, sondern wirklich dem Dritten, welches sie bis auf die Sexualität waren. Die Erzählung war realistisch gehalten, es gab kein unerhörtes Ereignis, sie hatte wahrscheinlich einen autobiographischen Hintergrund und die Frau, der sie dediziert worden war, war das Vorbild für die Protagonistin.

(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Alguien que anda por ahí (1977)).

Reunión con un círculo rojo

Die Erzählung war »Borges« gewidmet, gemeint war aber nicht unser Borges, sondern der venezolanische Maler Jacobo. Der Erzähler sprach den Protagonisten – eben jenen Jacobo – an, wie es bereits in zwei anderen Erzählungen mit den Protagonisten dort geschehen, und hier erinnerte es wegen der Atmosphäre (der eines verregneten Abends in einem leeren typisch westdeutschen fensterlosen jugoslawischen Restaurant in Wiesbaden) noch mehr an Lars von Triers Technik in Europa. Der Protagonist dachte, eine Frau – der einzige Gast neben ihm – vor diesem jugoslawischen Restaurant retten zu müssen. Am Ende war die Frau der Geist eines Opfers des Restaurants, der gekommen war, Jacobo zu retten, und nun froh war, bald als Geist nicht mehr alleine zu sein. – Hier war Cortázar wieder alles gelungen, das war sein Thema.

(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Alguien que anda por ahí (1977)).

Donnerstag, 21. Februar 2019

La barca o nueva visita a Venecia

Eine nach eigenen Angaben verworfene Erzählung aus dem Jahr 1954, die er dann Jahrzehnte später mit dem Kommentar einer Nebenfigur publizierte. Die Erzählung war wirklich nicht so gelungen, weil die Figur der Valentina, aus deren Perspektive vornehmlich erzählt wurde, nur aus Klischees bestand. Die Kommentare machten es auch nicht viel besser.

(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Alguien que anda por ahí (1977)).

Sonntag, 17. Februar 2019

Mit Blüten scheint, dem Zeichen froher Tage, das große Tal, die Erde sich zu füllen (Hölderlin)

Apocalipsis de Solentiname

Der Protagonist und Ich-Erzähler war Cortázar, der Schriftsteller Cortázar, der Mittelamerika bereist hatte und darauf angesprochen worden war, daß Antonioni in Blow-up seine Erzählung arg modifiziert hatte. Als er sich zurück in Paris die gemachten Dias ansah, sah er statt der fragilen Idyllen, die er photographiert hatte, Szenen der Unterdrückung und Folter, eben das, was in den siebziger Jahren unter den Diktaturen in Lateinamerika herrschte. Die Erzählung war zwar sehr schlecht ausgeführt, die Visionen (?) aber während der Diashow Zuhause erinnerten an die polyperspektivische in extremer Zeitlupe gezeigte Explosion in Antonionis Zabriski Point.

(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Alguien que anda por ahí (1977)).

Samstag, 9. Februar 2019

Fenster #253

En nombre de Boby

Eine Erzählung aus der Perspektive der Tante des titelgebenden Jungen: der wurde in nächtlichen Alpträumen von seiner Mutter, die als Seele von Mensch geschildert wurde, gequält. Man sagte ihm, das seien Alpträume, aber er insistierte. Die Tante nun befürchtete Schlimmes im Kontext mit einem langen Messer. Am Ende hatte die Tante eine kurze Vision des letzten Alptraums, es passierte aber nichts, Spannung wurde aufgebaut, um ein Mysterium zu hinterlassen (vielleicht hatte die Mutter verschwiegene Alpträume, in denen sie ihrem Kind böse Dinge antat).

(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Alguien que anda por ahí (1977)).

Usted se tendió a tu lado

Über den Ablösungsprozeß einer Mutter von ihrem Sohn: sie ging für ihn in die Apotheke, um Kondome zu kaufen, anschließend mußte er selber klarkommen. Der Kunstgriff war hier, daß der Erzähler übergangslos den Jungen duzte und die Mutter siezte. Die letzte Szene war etwas platt: die Freundin des Jungen setzte sich am Strand zwischen die beiden.

(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Alguien que anda por ahí (1977)).

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Fenster #252

Blick von der obersten Etage







Freitag, 8. Februar 2019

Fenster #251 (EVERYTHING IS GOING TO BE ALRIGHT)

St Paul’s

Segunda vez

Eine von Kafka und aus den Erfahrungen des Lebens in einer Bürokratie inspirierte Erzählung aus zwei Perspektiven, nämlich aus der der Personen mit Macht und aus der der Personen ohne Macht, wobei deutlich wurde, daß die Personen mit Macht keine Beamten waren, sondern eher einer staatlich implantierten Gangsterbande angehörten. Um diesen Eindruck zu vermitteln, war die zweite Perspektive notwendig gewesen, ansonsten, bei einer regelrechten Behörde hätte das rätselhafte Verschwinden von Carlos als ungeheuerliches Ereignis gereicht.

(Julio Cortázar, Cuentos Completos, Alguien que anda por ahí (1977)).

Fenster #250 (NO ALCOHOL BEYOND THIS POINT)

Brighton Palace Pier (blue hour)

Brighton Palace Pier (Ivor (Career ~ Love ~ Happiness ~ Luck))